11.11.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.11.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Messe "Grünes Geld" bei der IAM wurde von den Ausstellern als Erfolg gewertet / AstroPower und Umweltkontor enttäuschen, CCR Logistics gewinnt deutlich

(H.K.) "Hier ist der richtige Platz!" - dieser Satz war von etlichen Ausstellern des ThemenParks Grünes Geld bei der IAM in Düsseldorf zu hören. Die Verbindung von Ausstellern aus dem Bereich nachhaltiger Kapitalanlage und der konventionellen IAM wurde vor allem gelobt, weil sich dem Grünen Geld damit neue Interessentenkreise erschlossen. Günstig für die Aussteller im ThemenPark Grünes Geld: Die gesamte Messe fand in einer Halle statt, konventionelle und "grüne" Angebote grenzten unmittelbar aneinander. Vielfach gehörte Meinung von Besuchern, die sich ursprünglich nur für konventionelle Aussteller interessiert hatten und sich dann direkt im ThemenPark Grünes Geld umsahen: "Wir hätten nie gedacht, hier so viele und so professionelle Aussteller zu treffen!" Immerhin war nur durch den ThemenPark Grünes Geld der Rekord in der Ausstellerzahl bei der IAM möglich geworden. Dass das Jahr 2002 auch für den grünen Kapitalmarkt schwierig war, war oft zu hören. Meist allerdings mit der Einschränkung: Ist ein gutes Produkt vorhanden, das auch gut erklärt wird, finden sich immer Anleger. Möglich geworden war der ThemenPark Grünes Geld durch die intensive Arbeit des Öko-Zentrums NRW aus Hamm. Öko-Zentrums Geschäftsführer Manfred Rauschen, Pressechef Thomas Bauer und Messe-Organisator Tobias Karsten hatten in monatelanger intensiver Arbeit hinter den Kulissen die Angliederung des Themenparks Grünes Geld bei der IAM herbeigeführt.

Gut Resonanz fand auch der Kongress "Zukunftssicher Investieren", den die ECOreporter.de AG im Auftrag des Öko-Zentrums NRW organisiert hatte. Eins der interessantesten Statements stammte von Bank-Sarasin-Direktor Andreas Knörzer: Er forderte in seinem Vortrag dazu auf, nicht weitere Forschungsgelder dafür zu verschwenden, den grünen Kapitalmarkt bis ins Tausendste Detail zu erforschen und vor allem nicht bei Umweltfonds "das Raster des Rasters aller Raster" zu entwickeln, sondern eher zu überlegen, wie nachhaltige Kapitalanlageprodukte erfolgreich zu vermarkten sein könnten. Das Publikum des ausverkauften Kongresses bedachte Knörzer dafür mit reichlich Applaus.

Zum Finanzmarkt der vergangenen Woche: Die US-amerikanische Notenbank hat den Leitzins gesenkt. Der sogenannte "Fed Funds" ist mit 1,25 Prozent nun auf einem Stand, den er zuletzt vor 41 Jahren hatte. Die Notenbank erklärte, die Angst vor einem Krieg wirke sich negativ aus. Sie hoffe, mit der Zinssenkung Investitionen und Konsum positiv zu beeinflussen. Allerdings sind die privaten Haushalte in den USA bereits jetzt in der Höhe eines durchschnittlichen Jahreseinkommens verschuldet.

Die amerikanischen und japanischen Aktienindizes tendierten in der zurückliegenden Woche "seitwärts", während DAX und Nemax-Indizes zwischen zwei und vier Prozent abgaben. Der MDAX legte um ein Prozent zu.

Bei den Umweltaktien gab es einige deutliche Kursgewinne, ohne dass es Nachrichten aus den Unternehmen gegeben hätte. Das Entsorgungsunternehmen a.i.s AG (WKN 649290, ehemals Lösch Umweltschutz AG) stieg um 36 Prozent auf 0,30 Euro. Die Papiere hatten im Oktober ihr Tief bei 0,18 Euro, sie werden nur selten gehandelt. CCR Logistics Systems AG (WKN 762720), ein Entsorgungsdienstleister aus München, legten 17 Prozent auf 1,01 Euro zu. In den USA kletterte der Brennstoffzellen-Hersteller FuelCell Energy Inc. (WKN 884382) um 14 Prozent auf 6,98 Dollar. Verlierer waren u.a. Active Power Inc. (WKN 502716), ein Hersteller von Stromversorgungsgeräten und der Bonner Stromerzeuger WindWelt AG (WKN 635253), die jeweils zwölf Prozent abgaben. Seit drei Wochen fällt auch der Kurs der britischen Ladenkette Body Shop International Plc (WKN 870803), er lag am Freitagabend bei 94 Pence (1,48 Euro).

Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Steuer auf fossile Energieträger im nächsten Jahr noch einmal erhöht werden. Bei den Kraftstoffen soll Biodiesel weiter von der Steuer ausgenommen bleiben. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gehen diese Pläne nicht weit genug. Er forderte die Regierung zu weiteren Steuererhöhungen auf. Nach Ansicht des NABU würden die jetzigen "zu weichen" Regelungen auf den Druck der Energiewirtschaft zurück gehen. Ganz andere Vorstellungen gibt es in Brüssel: EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein will den Anteil der Atomenergie am Energie-Mix erhöhen - angeblich, um in der Europäischen Union (EU) weniger von Gas- und Ölimporten abhängig zu sein.

Seit dem vergangenen Donnerstag verzeichnet die Aktie des Stromerzeugers unit energy europe AG (WKN 776010) steigende Kurse bei wachsenden Umsätzen. Auslöser könnte ein Bericht des Vorstands gewesen sein, der Hoffnung auf die Produktionsaufnahme eines italienischen Wasserkraftwerks weckte. Am Freitagabend notierte unit energy bei 0,38 Euro, das ist eine Zunahme um 27 Prozent gegenüber der Vorwoche.

Kursverluste hatten Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) hinzunehmen. Die Deutsche Börse hatte mitgeteilt, dass die Aktie zum Stichtag 31. Oktober nicht mehr das Kriterium Marktkapitalisierung für den Auswahlindex Nemax-50 erfülle. Sprich, der Kurs ist zu niedrig. Umweltkontor verloren weitere acht Prozent auf 2,55 Euro.

Analysten der NordLB haben die Aktie des Windturbinen-Herstellers Nordex AG (WKN 587357) zum Kauf empfohlen. Aufgrund der Gewinnschätzungen seien die Norderstedter zur Zeit billiger bewertet als die dänischen Konkurrenten NEG Micon A.S. (WKN 897922) und Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), noch billiger sei allerdings die Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703). Auch die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein empfahlen Nordex. Der Kurs verlor allerdings sieben Prozent auf 3,40 Euro. Anleger reagierten eventuell misstrauisch auf Berichte über Schäden an einer Nordex-Maschine in Norwegen. Nach Darstellung des Unternehmens seien durch Bedienungsfehler Sicherheitssysteme außer Funktion gesetzt worden, ein technisches Versagen liege nicht vor.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG (WKN 747119) meldete für das dritte Quartal wieder Verlust - aber immerhin einen "verringerten Verlust". Das EBIT (Gewinn oder Verlust vor Steuern und Zinsen) betrage minus 676.000 Euro, nach minus drei Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das Ergebnis wird jedoch durch die Zinslast weiter in die roten Zahlen gedrückt, die auf fast eine halbe Million Euro aufgelaufen ist. Solon, die gerade im Zuge einer Kapitalherabsetzung die Anzahl der Aktien halbiert hatte, bittet nun die Aktionäre um Zeichnung einer Kapitalerhöhung. Die Anzahl der Aktien soll verdreifacht werden, Anteilseigner können die neuen Aktien vom 11. bis zum 27. November zum Preis von 1,70 Euro beziehen. An der Börse sank der Solon-Kurs bei schwachem Handel weiter auf 1,32 Euro ab.

AstroPower Inc. (WKN 912953), Hersteller von Solarzellen und -systemen aus den USA, berichtete über deutlich ausgeweitete Umsätze im abgelaufenen Quartal. Der Gewinn sei jedoch auf 0,04 Dollar pro Aktie gesunken, verglichen mit 0,06 Dollar im Vorjahresquartal. CEO Dr. Allen Barnett sprach von unerwartet schwachen Exporten nach Deutschland, die man aber durch verstärkte Verkäufe nach Asien, Afrika und Nordamerika habe ausgleichen können. Die AstroPower-Aktie brach deutlich um 17 Prozent auf 6,81 Dollar ein. Analysten von Salomon Smith Barney stuften das Papier auf "In-Line" ab und nannten als neues Kursziel acht Dollar. Im Gegensatz zu AstroPower hatte das kleine Konkurrenz-Unternehmen Evergreen Solar Inc. (WKN 578949) in der Vorwoche über Rekord-Absätze nach Deutschland berichtet; der Evergreen-Kurs stieg nun weiter um 15 Prozent auf 0,83 Euro. Mit AstroPower mitgefallen ist Spire Corp. (WKN 870534), Hersteller von Ausrüstungen für die Produktion von Solaranlagen: Spire verloren 13 Prozent auf 2,25 Dollar.

Um weitere zehn Prozent ist die Aktie der farmatic biotech energy AG (WKN 605192) gefallen. Die Nortorfer haben das Gütezeichen der RAL-Gütegemeinschaft Biogas-Anlagen-Bau e.V. erhalten. Dem Kurs half das nicht, das Papier notierte zum Schluss bei 1,85 Euro.

Jenbacher AG (WKN 851442), Gasmotoren-Hersteller aus Österreich, meldete für die abgelaufene Neunmonats-Periode um elf Prozent gesteigerte Umsätze. Der Gewinn vor Steuern (EBT) sei deutlich auf sieben Millionen Euro geschrumpft. Jenbacher begründet dies mit gestiegenen Kosten für die Erschließung neuer Märkte, die nach dem Zusammenbruch des US-Geschäfts erforderlich geworden seien. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand ein zufriedenstellendes Ergebnis und verweist auf den stark angestiegenen Auftragsstand, besonders bei Bio- und Sondergas-Anlagen. Die Jenbacher-Aktie wurde am Freitag nach Veröffentlichung der Zahlen durch eine große Kauforder an der Wiener Börse auf 14 Euro gehoben - ein Wochenzuwachs um vier Prozent.

Die im MDAX geführte Aktie der Wedeco AG (WKN 514180) wurde nach zwei Analysten-Hochstufungen am Freitag unter steigenden Umsätzen bis auf 12 Euro hochgehandelt. Commerzbank Securities und Sal. Oppenheim empfahlen den Anbieter für Anlagen zur chemikalienfreien Wasseraufbereitung übereinstimmend zum Kauf, Commerzbank nannten als Kursziel 18 Euro. Die Düsseldorfer Wedeco sei gegenüber dem kanadischen Konkurrenten Trojan günstig bewertet. Zudem seien die Analysten zuversichtlich, dass der Konzern die Wachstumsziele für das Gesamtjahr erreichen werde. Trojan Technologies Inc. (WKN 902023) verloren dem gegenüber zehn Prozent auf 8,95 kanadische Dollar (5,64 Euro).

Ionics Inc. (WKN 855474), ein US-amerikanischer Hersteller von Ausrüstungen für die Reinigung und Entsalzung von Wasser, musste ebenfalls schwache Umsatzzahlen vermelden. Der Quartalsgewinn pro Aktie ist auf 0,02 Dollar zurück gegangen. Der Gewinneinbruch sei in erster Linie durch hohe Verluste der französischen Tochter verursacht worden, so Ionics. Der Kurs fuhr in der vergangenen Woche Achterbahn: Am Montag erreichte er 24,83 Dollar, sank dann am Mittwoch bis auf 17,64 Dollar ab, um am Freitag mit 21,15 Dollar zu schließen - insgesamt ein Wochenverlust von zehn Prozent. Unter Anlegern und Analysten gibt es Spekulationen, Ionics könnte von einem größeren Konzern aufgekauft werden. Hintergrund sind Konzentrationsprozesse in der Wasseraufbereitungs-Branche. Gerade hatte GE Power Systems, eine Tochter der General Electric Co., mitgeteilt, es werde den Wasserfilter-Hersteller Osmonics Inc. aufkaufen. Diese Nachricht hatte zu einem Kurssprung der Osmonics-Aktie geführt.

Der Neunmonatsbericht der Vivendi Environnement SA (WKN 501451) weist gestiegene Umsätze und Gewinne aus. Der weltweit agierende Wasserversorger und Entsorgungskonzern aus Frankreich habe auch seine Schulden leicht reduzieren können, hieß es. Die Anteilsscheine verbilligten sich um fünf Prozent auf 23,25 Euro.

Transmeta Corp. (WKN 564775) konnte einen weiteren Erfolg für seinen besonders energie-effizienten Prozessor "Crusoe" mitteilen. Der Computerhersteller HP wird Crusoes in seine neuen Tablet PCs einbauen, die damit entscheidend weniger Strom verbrauchen würden als mit anderen Prozessoren; auch Sony verwendet den Prozessor schon in einem neuen Tablet PC. Tablet PCs sind "kleine Notebooks". Der Transmeta-Kurs erreichte am Montag ein Hoch bei 1,38 Dollar und sank dann auf 1,05 Dollar zurück - neun Prozent weniger als am Ende der Vorwoche.

Adcon Telemetry AG (WKN 922220) hat die Begebung einer Wandelschuldverschreibung beschlossen. Die Österreicher wollen damit eine Million Euro einnehmen, die für laufende Technologieprojekte verwendet werden sollen. Ein erster Teil werde unter Ausschluss des Bezugsrechtes privat platziert und habe einen Wandlungspreis von 2,25 Euro. Der zweite Teil soll "voraussichtlich Ende November 2002" dem Publikum angeboten werden, die Bedingungen sollen sich an denen der Privatplatzierung orientieren, hieß es. Adcon-Aktien legten drei Prozent auf 1,57 Euro zu.

Stora Enso Oyj (WKN 871004), schwedisch-finnischer Holz- und Papierkonzern, will in Nordamerika weitere Akquisitionen tätigen. Das sagte CEO Jukka Härmälä auf einer Analystenkonferenz in London. Der Markt in Westeuropa sei gegenwärtig in einer schlechten Verfassung, allein die Umsätze im Bereich Zeitungspapier seien in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 16 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. Für die zweite Jahreshälfte 2003 hoffe man darauf, dass wieder mehr Gelder für Zeitungsannoncen ausgegeben werden, so Stora Enso. Der Kurs stieg an der Frankfurter Börse um drei Prozent auf 10,70 Euro.

Das Papier der Einzelhandelskette Wild Oats Markets (WKN 903461) avancierte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen zum Wochenverlierer: Der Kurs stürzte um fast 30 Prozent auf 8,42 Dollar ab. Wild Oats hatte leicht gestiegene Umsätze und ein Ergebnis von 0,08 Dollar pro Aktie gemeldet. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch Verluste.

Natural Alternatives International Inc. (WKN 880900) verbesserte die Umsätze um 32 Prozent. Das Ergebnis pro Aktie erreichte 0,09 Dollar; ohne Einmaleffekte waren es 0,06 Dollar. Nach dem starken Kurszuwachs der Vorwoche gab der Hersteller von Vitamin- und Diätpräparaten nun 15 Prozent auf 3,47 Dollar nach.

Im deutschen Beteiligungsmarkt hat sich die Konsolidierung weiter fortgesetzt. Die negative Tendenz schwäche sich aber langsam ab, teilte der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften mit. Ethisch motivierte Anleger können sich zur Zeit bei der österreichischen oekostrom AG beteiligen, die 25.000 Aktien zu mindestens 140 Euro ausgeben will. Mit dem eingenommen Geld will oekostrom Windkraftwerke errichten und selbst betreiben. Die Solantis Energy AG aus Langenaltheim will ebenfalls neue Aktien ausgeben, hier ist ein Ausgabepreis von 1,50 Euro geplant. Solantis ist an zwei internationalen Projekten beteiligt, die sich mit der Speicherung von Wasserstoff und der windkraftbetriebenen Trinkwassergewinnung beschäftigen.

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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