11.11.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.11.2004: ECOreporter.de-Analyse: Bei Kapitalerhöhung Citycom "abwarten, nicht zeichnen"

Die Citycom AG will ihr Kapital erhöhen. Vom 15. September 2004 bis 15. Januar 2005 sollen eine Million neue Aktien des Herstellers von Elektroleichtfahrzeugen platziert werden. Bei vollständiger Zeichnung des Angebots würde das Unternehmen mit Sitz im fränkischen Aub 1,85 Millionen Euro einnehmen. Kann die Zeichnung der Citycom Aktien empfohlen werden? Hat das Unternehmen die Chance und das Potential, sich am Markt durchzusetzen?

Skepsis ist angebracht, denn es ist nicht das erste Mal, dass die Citycom AG ihre Aktionäre und den Markt um einen Vorschuss auf die Zukunft bittet. Gewinne aber hat das seit 1999 bestehende Unternehmen seinen Anteilseignern bisher nicht präsentiert. Statt dessen wurden in Aub mit steter Regemäßigkeit neue Begründungen für die wieder einmal verfehlten Prognose formuliert. Den Jahresfehlbetrag von fast einer Million DM im Geschäftsjahr 2000 erklärte Alleinvorstand Karl Nestmeier beispielsweise mit unzureichenden Werbemaßnahmen; statt der erhofften 500 Fahrzeuge hatte CityCom nur 140 verkauft. Dabei hatte der Vorstand noch im August 2000 Stimmung gemacht: Er sei davon überzeugt, "dass wir bereits unser erstes Geschäftsjahr voraussichtlich mit Gewinn abschließen", so Nestmeier. Nicht weniger optimistisch gab sich der erste Mann bei Citycom im Februar 2002 in einem ECOreporter.de-Interview. Der Umsatz solle um 60 Prozent auf 1,6 Millionen steigen, so Nestmeiers Prognose für das Geschäftsjahr 2002.

Mit der Veröffentlichung von konkreten Ergebniszahlen hielt sich das Unternehmen in der Folgezeit zurück. Um so großzügiger wurden weitere Etappenziele ausgegeben. Zuletzt Ende des Jahres 2003, als ein "deutlich positives operatives Ergebnis aus dem Kerngeschäft" in Aussicht gestellt wurde. Im Mai 2004 musste die Gesellschaft dann doch Farbe bekennen, sie gab den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt. Was Citycom-Vorstand Nestmeier nicht hinderte, auf der Hauptversammlung des Unternehmens im Mai die nun angelaufene Kapitalerhöhung um bis zu eine Million Aktien genehmigen zu lassen.

Die Zahlen, die der Spezialfahrzeughersteller im Oktober für das Geschäftsjahr 2003 veröffentlicht hat, scheinen dem unverdrossen für sein Unternehmen werbenden Vorstand recht zu geben: Der Rohertrag habe sich um 35 Prozent auf 527.000 Euro verbessert, hieß es. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen liege nach minus 300.000 Euro in 2001 und plus 14.000 in 2002 bei 124.000 Euro.

Die ECOreporter.de-Empfehlung für die Kapitalerhöhung lautet dennoch "abwarten, nicht kaufen". Das Elektrofahrzeug der Citycom AG, der sogenannte "CityEL", ist zwar ein schönes Nischenprodukt, eine Marktchance ist vielleicht gegeben - vielleicht aber auch nicht. Schließlich hat das Fahrzeug schon etliche Jahre Gelegenheit gehabt, die Käufer zu überzeugen - allein, sie kauften nicht. In einer idealen nachhaltigen Welt wäre der City El sicherlich ein schönes Fortbewegungsmittel. Aber in der Verkehrswelt, die heute Realität ist, ist ein flaches Elektrofahrzeug mit spartanischer Karosserie nicht geeignet, die Anhänger der Verkehrswende in die Tasche greifen zu lassen. Der City El wirkt zu fragil für die Straße, ist zu groß für den Radweg und, wenn es denn Hobbyfahrer gäbe, ein recht teures Hobby.

Da mag Vorstand Nestmeier auch Strohhalme aus dem Hut zaubern wie einen durch die Einführung der neuen Führerscheinklasse S ausgelösten erhofften "Boom bei Kleinfahrzeugen". Die bittere Realität auf dem deutschen Automarkt sind spritschluckende Allradfahrzeuge und ein stetig wachsendes Bedürfnis nach passiver Sicherheit.

Beides kann und soll der niedliche CityEl nicht glaubhaft transportieren, und das ist gut so. Mit seiner Reichweite von höchstens 90 Kilometern wird der Elektrorenner ein Fahrzeug für Berufsidealisten bleiben, allenfalls vielleicht noch geeignet als origineller Werbeträger und Hingucker für innerstädtische Lieferdienste. Seinen überzeugten Nutzern mag der pfiffig gestaltete CityEl viel Freude bereiten. Wer sein Geld für die Verkehrswende investieren will, sollte es aber so anlegen, dass es der Wende auch zugute kommt. Und bei Citycom ist immer noch die Gefahr zugegen, dass das Hauptprodukt floppt - und damit auch der Aktienkurs. Von Aktienkursverlusten hat aber die lang erwartete Verkehrswende gar nichts.

Citycom AG: ISIN: -DE0006881808 WKN: 688180

Bilder: Solarmobil der Citycom AG auf einer Messe; Citycom-Vorstand Nestmeier; CtyEl Modell "Targa Fun" / Quelle: Unternehmen
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