11.11.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.11.2004: Klepper AG: Kapitalerhöhung des Faltbootherstellers läuft weiter, aber Börsengang verschoben - Interview mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Henning Isbruch

Die Klepper Faltbootwerft AG macht von sich reden. Der kleine bayerische Faltboothersteller spielt David gegen Goliath mit dem französischen Verteidigungsministerium. Das Militär des Landes hatte einen Tag vor der ersten Lieferung den Kontrakt mit Klepper annulliert und dem französischen Konkurrenten Nautiriad den Zuschlag gegeben. Klepper reichte prompt formale Beschwerde wegen Wettbewerbsverletzung bei der EU-Kommission ein. ECOreporter.de sprach mit Dr. Henning Isbruch über das Unternehmen mit Sitz in Rosenheim. Isbruch ist Aufsichtsratsvorsitzender der AG, deren Hauptaktionär und Ehemann von Ursula Isbruch, Vorstand der Gesellschaft.


ECOreporter.de: Herr Isbruch, um einen Auftrag, den Ihnen das französische Militär erteilt hatte, gab es Ärger. Sie wollten unseren Informationen zufolge bei der EU-Kommission eine formale Beschwerde wegen Wettbewerbsverletzung einreichen. Wie hat sich die Angelegenheit entwickelt, werden Sie den Auftrag zurückgewinnen?
Henning Isbruch: Ob wir den Auftrag zurück gewinnen können, wissen wir noch nicht. Einen ersten Erfolg haben wir jedenfalls erzielt: Das französische Militär hat den Auftrag erneut ausgeschrieben. Dazu hat sicher auch der öffentliche Druck beigetragen, zum Beispiel hat das "ZDF Heute Journal" in Frankreich angerufen und bei der Armee nachgefragt. Bei uns klingelte laufend das Telefon, wir haben auf den Vorstoß sehr viel positive Resonanz bekommen! Die Beschwerde bei der Europäischen Kommission läuft zur Zeit noch, das ist noch nicht entschieden. Und am Donnerstagabend berichtet "Live aus Berlin" auf SAT1 unter anderem über unseren Fall. Thema ist die französische Industriepolitik, die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

ECOreporter.de: Werden die Aktien der Klepper Faltbootwerft AG inzwischen ausserbörslich gehandelt?
Henning Isbruch: Nein, einen Handel gibt es noch nicht. Der wird auch erst nach Abschluss der Kapitalerhöhung starten.

ECOreporter.de: Die Kapitalerhöhung läuft seit dem Jahr 2001. Wie viele der insgesamt eine Million Stamm- und Vorzugsaktien haben Sie bisher am Markt platzieren können? Wann wollen Sie die Kapitalerhöhung schließen?
Henning Isbruch: Wir haben rund zwei Drittel platziert, um genau zu sein: 650.000 Stück. Bis zum späten Frühjahr rechnen wir mit dem Abschluss.

ECOreporter.de: Haben Sie Kenntnis davon, wer die Zeichner der Aktien sind?
Henning Isbruch: Wir haben festgestellt, dass sich sehr viele Klepperfans engagiert haben, die zweite größere Gruppe sind langfristige Anleger. Sie finden aber auch Studenten unter unseren 330 Aktionären,

ECOreporter.de: Sie haben für Ende 2004 den Börsengang der AG angekündigt. Wie konkret sind diese Pläne?
Henning Isbruch: Das hat die Hauptversammlung zunächst mal verschoben. Ein Börsengang würde uns zur Zeit rund 350.000 Euro kosten, das ist für ein so kleines Unternehmen einfach zu viel. Ich habe aber in Gesprächen mit der Bayerische Börse in München erfahren, dass man dort darüber nachdenkt, die Zugangsbedingungen für kleine Gesellschaften zu verbessern. Vor allem soll es billiger werden.

ECOreporter.de: Was für Effekte erwarten Sie für Ihr Unternehmen aus dem Börsengang?
Henning Isbruch: In erster Linie glauben wir, dass wir als börsennotiertes Unternehmen attraktive Möglichkeiten offen stehen, weiteres Wachstum zu finanzieren.

ECOreporter.de: In welchen Bereichen rechnen Sie sich Chancen auf eine Ausweitung Ihres Geschäfts aus?
Henning Isbruch: Im Konsumbereich liegt unser Marktanteil im Moment bei 68 Prozent. Das ist steigerungsfähig. Wir glauben zudem, dass es eine "Renaissance" des Faltbootes geben wird. Mehr und mehr junge Leute zählen zu den Käufern unserer Boote. Alles in allem halten wir ein Marktpotential von 40-50 Prozent für denkbar. Und schließlich arbeiten wir an neuen Produkten, ich kann aber nur soviel verraten: Wir entwickeln unter anderem einen Katamaran.

ECOreporter.de: Im Geschäftsjahr 2003 erwirtschafteten Sie ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von knapp 100.000 Euro. Für das laufende Jahr 2004 prognostizieren Sie einen Rückgang auf 60.000 Euro. Wodurch wird der ausgelöst?
Henning Isbruch: Ursache ist der schwache Dollar. Wir haben uns natürlich abgesichert, aber mit solchen Instrumente kann man immer nur eine gewisse Zeit überbrücken. Unser Geschäft in den USA und Kanada ist eingebrochen, dort haben wir bisher etwa 40 Prozent unserer Erlöse erwirtschaftet. Unser Gesamtumsatz wird als Konsequenz dieser Probleme voraussichtlich um fünf Prozent sinken. Der Rückgang ist so gering, weil wir in Euroland zugelegt haben.
In den USA und Kanada wollen wir die Attraktivität unserer Produkte durch die direkte Belieferung der Einzelhändler steigern. So können wir ihnen günstigere Einkaufspreise bieten. Unser Vertriebsleiter ist zur Zeit in den in USA, um die Direktbelieferung zu organisieren.

ECOreporter.de: Welche Ihrer Boote verkaufen sich am besten?
Henning Isbruch: Das ist etwas erstaunlich: Am besten laufen das ganz günstige und das ganz teure Boot, also die Modelle "Classic" und "Quattro".

ECOreporter.de: Laut Emissionsprospekt zur Kapitalerhöhung sind die Vorzugsaktien, die ausgegeben werden, mit einer Garantie-Dividende von 8,24 Prozent ausgestattet (14 cent pro Vorzugsaktie). Wie lange wird es die geben?
Henning Isbruch: Die Garantie-Dividende wollen wir auf jeden Fall aufrechterhalten! Schließlich haben wir kein Interesse daran, unsere Aktionäre vor den Kopf zu stoßen. Außerdem bin ich davon überzeugt: Diese Art der Finanzierung ist für die Klepper Faltbootwerft viel günstiger als ein Bankkredit.

ECOreporter.de: Herr Isbruch, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Klepper Faltboote / Quelle: Unternehmen
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