01.11.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.11.2002: Umweltschutzverbände fordern schnelleren Ausbau der Ökoenergien

Die EU-Mitgliedsländer werden ihr Ziel nicht erreichen, den Anteil regenerativer Energien bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln. Das gaben der World Wildlife Fund for Nature (WWF) und die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien (EREF) ein Jahr nach In-Kraft-Treten der EU-Direktive zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bekannt. Die Europäische Union hatte im Oktober 2001 beschlossen, bis zum Ende des Jahrzehnts den Strom-Anteil aus erneuerbaren Quellen auf 22 Prozent des Gesamtverbrauchs steigern. Mit ihrer gegenwärtigen Politik werden die 15 EU-Länder nach Schätzungen des WWF und der EREF die angepeilte Marke jedoch verfehlen und nur einen Ökostrom-Anteil von 15 bis 17 Prozent erreichen. Vor allem Italien und Großbritannien sind weit davon entfernt, ihre Vorgaben zu erfüllen. Italien wird bis 2010 nur 17 Prozent seiner Elektrizität aus erneuerbaren Quellen produzieren - die Zielmarke liegt bei 25 Prozent. Großbritannien peilte ursprünglich einen Zehn-Prozent-Anteil an, wird aber nur vier Prozent erreichen.

Auch Frankreich wird sein Ziel, den Ökostromanteil bis 2010 auf 21 Prozent zu steigern, um 29 Milliarden Kilowattstunden (kWh) verfehlen. Allerdings könnten hier einige erst kürzlich beschlossene Maßnahmen den Trend umkehren. Hoffnung machen vor allem die vielen Windkraft- Projekte, die in Frankreich bereits die fortgeschrittene Planungsphase erreicht haben. Sogar Deutschland und Spanien, die sich die Förderung regenerativer Energien auf die Fahnen geschrieben haben, könnten an ihren eigenen Zielvorgaben scheitern. Deutschland wird vermutlich den angepeilten Ökostrom-Anteil von 13 Prozent nur knapp verfehlen, während Spanien dringend zusätzliche Maßnahmen ergreifen müsste, um seine Ziele zu erreichen.

Notwendig sind entschiedene Schritte zur Förderung des Energieträgers Biomasse und zur Eindämmung des explodierenden Energieverbrauchs - allein im letzten Jahrzehnt stieg der Stromverbrauch in Spanien um 50 Prozent und bis 2011 wird ein weiteres Wachstum um 30 Prozent erwartet. "Eine garantierte Mindestpreisvergütung für Ökostrom - als Kompensation für die hohen Subventionen in fossile Energieträger und in die Kernenergie - ist die beste Maßnahme zur Förderung regenerativer Energien", betont EREF-Präsident Joan Fages. Das beweisen die guten Erfahrungen mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland. Unverzichtbar seien auch entschiedene Programme zur Energieeinsparung, ohne die der Ökostrom-Anteil nicht ausreichend wachsen kann.

"Die Europäische Union hat beschlossen, bis 2010 ein Viertel seines Stroms aus erneuerbaren Energienquellen zu beziehen. Aber die Mitgliedsländer setzten diese Vorgaben nicht um", klagt WWF-Klimaexperte Giulio Volpi. "Damit das Rennen noch gewonnen werden kann, müssen die EU-Länder dringend den steigenden Energieverbrauch einschränken und die regenerativen Energien auch finanziell fördern."
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