11.01.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.1.2007: "Das Thema Biogas steht heute erst am Anfang einer großen Wachstumsstory" - ECOreporter.de-Interview mit Ulrich Schmack, Vorstand der Schmack Biogas AG

Als Senkrechstarter entpuppte sich 2006 der Börsenneuling Schmack Biogas AG. Die Aktien des Schwandorfer Herstellers, Projektierers und Betreibers von Biogaskraftwerken wurde im Mai erstmals notiert. Bis Anfang Dezember pendelte sie meist zwischen 35 und 40 Euro, dann sprang der Kurs in wenigen Tagen auf über 50 Euro. Wie sind die Wachstumschancen des Unternehmens und welche Ziele hat sich Schmack Biogas für 2007 gesetzt? Über diese und weitere Fragen sprach ECOreporter.de mit Vorstand Ulrich Schmack.

ECOreporter.de: Herr Schmack, seit Mai werden die Aktien Ihres Unternehmens an der Börse notiert. Der Ausgabepreis war 31 Euro, zuletzt wurden mehr als 50 Euro für die Papiere gezahlt. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Aktie oder hätte sie derzeit aus Ihrer Sicht eine höhere Bewertung verdient?
Ulrich Schmack: Wir sind vor allem zufrieden mit der Entwicklung unseres Unternehmens. Wir konnten unseren Umsatz in 2006 bezogen auf die ersten neun Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifachen - bei einer gleichzeitigen Steigerung der EBIT-Marge. Was die Bewertung des Unternehmens betrifft, denke ich, dass das Thema Biogas heute erst am Anfang einer großen Wachstumsstory steht und die Schmack Biogas AG als Marktführer natürlich deutlich davon profitieren wird.

ECOreporter.de: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Rahmenbedingungen für ein weiteres erfolgreiches Wachstum Ihres Unternehmens?
Schmack: Wir finden derzeit relativ stabile externe Rahmenbedingungen vor. Dies gilt sowohl für die momentan bestehende Gesetzgebung als auch für die Investitionsbereitschaft unserer Kunden. Deshalb gehen wir auch in den kommenden Jahren von einem stark wachsenden Markt aus. Unser Ziel ist es, nicht nur langfristig erfolgreich zu sein, sondern auch, noch stärker als der Markt zu wachsen. Deshalb sehen wir es momentan als unsere größte Herausforderung an, die entsprechenden Strukturen im Unternehmen für das bevorstehende Wachstum zu schaffen. Nur mit einer ständigen Anpassung der bestehenden Organisationsstruktur und der professionellen und zügigen Einarbeitung von neuen Mitarbeitern können wir unser Unternehmenswachstum in dem Tempo erfolgreich vorantreiben, wie wir uns das selbst vorstellen.

ECOreporter.de: Welche Bereiche sehen Sie als die Hauptgeschäftsfelder der Schmack Biogas AG? Wo sehen Sie mittel bis langfristig das größte Wachstumspotential?
Schmack: Die Schmack Biogas AG hat drei Hauptgeschäftsfelder: Das derzeit umsatzstärkste ist die Planung und Errichtung von Biogasanlagen. Daneben gibt es die Bereiche Service und Eigenbetrieb. Die Planung und Errichtung wird auch in den kommenden Jahren das umsatzstärkste Geschäftsfeld bleiben. Prozentual gesehen, werden die Bereiche Service und Eigenbetrieb jedoch deutlich stärker wachsen.


ECOreporter.de: Kritiker der Branche bezeichnen die Technik der Biogasnutzung als "nicht ausgereift". Die Kraftwerke liefen nicht zuverlässig, es gebe häufige Ausfälle. Bei Anlagen, die länger in Betrieb seien, träten Korrosionsschäden auf. Was halten Sie Ihnen entgegen?
Schmack: Die Biogastechnologie hat sich deutlich weiterentwickelt. Der Standard der neueren Anlagen in der Branche ist heute wesentlich höher als beispielsweise noch vor fünf Jahren. Natürlich gibt es immer noch viele Unternehmen auf dem Markt, denen diese Weiterentwicklung nur bedingt gelungen ist. Aber das unterstreicht auch, dass eine wirtschaftliche Erzeugung von Biogas nur dann erfolgen kann, wenn man die gesamte Wertschöpfungskette optimiert. Und zwar vom Anbau der richtigen Pflanzen über eine intelligente Erntelogistik bis hin zur permanenten mikrobiologischen Optimierung der Anlage.


ECOreporter.de: Auch aus den Reihen der Naturschützer sind kritische Stimmen zu hören. Der Vorwurf: Biogaskraftwerke würden mit ihrem Hunger nach frischen Substraten - vor allem Mais - einseitige Monokulturen in der Landwirtschaft fördern.
Schmack: Natürlich ist Mais eine der besten Energiepflanzen für den Einsatz in Biogasanlagen. Nur eines ist unbestritten: In einer Biogasanlage kann man nahezu alles vergären, was auf dem Acker wächst. Angefangen von Getreide über Grassilage bis hin zur Zuckerhirse. Biogas ist deshalb die Technologie unter allen Formen der Bioenergie, die am wenigsten auf eine bestimmte Pflanze festgelegt ist. Es werden nämlich genau die Pflanzen angebaut, die in einer bestimmten Region den höchsten Flächenertrag pro Hektar erzielen - und das ist aufgrund der unterschiedlichen Niederschlagsmengen nicht immer Mais. Deshalb wird einer Monokultur eher entgegen gewirkt.

ECOreporter.de: In einem Pressebericht wurden Sie mit der Prognose zitiert, bis 2030 könnten in Deutschland 40 Milliarden Kubikmeter Biogas produziert werden. Womit sollen diese Anlagen "gefüttert" werden.
Schmack: In Deutschland gibt es eine landwirtschaftliche Nutzfläche von etwa 15 Millionen Hektar. Wenn man ein Drittel dieser Fläche für die Umwandlung der Pflanzen in Biogasanlagen verwenden würde, könnten man 40 Milliarden Kubikmeter Biogas produzieren. Damit könnten wir die Erdgasmenge, die wir derzeit aus Russland importieren, komplett durch Eigenproduktion ersetzen.

ECOreporter.de: Die Attraktivität der Biogasnutzung wird zunehmend auch von Großunternehmen entdeckt. Wer sind die wichtigsten Wettbewerber der Schmack Biogas AG und wo sehen Sie die größten Stärken Ihres Unternehmens?
Schmack: Der Biogasmarkt ist ein sehr stark fragmentierter Markt. In Deutschland gibt es etwa 300-400 Unternehmen, die Biogasanlagen bauen können. Davon sind aber nur wenige wirklich in der Lage, mehr als 10 Anlagen pro Jahr auf den Boden zu bringen und dabei auch noch umfangreiche technische Serviceleistungen anzubieten. Wo wir aber unser absolutes Alleinstellungsmerkmal sehen, ist der Bereich der professionellen mikrobiologischen Betreuung der Biogasanlagen. Wenn Sie an Biogas denken, dürfen Sie nicht vergessen, dass die Energie von Lebewesen (Bakterien) erzeugt wird und nicht von Maschinen. Und für diese Lebewesen die optimalen Arbeitsbedingungen zu schaffen, ist seit 10 Jahren eine Kernkompetenz unseres Unternehmens. Denn in diesem Bereich liegt der eigentliche Schlüssel zur Steigerung der Anlageneffizienz.

ECOreporter.de: Liegt Deutschland im Bereich der Biogastechnologie in gleicher Weise weltweit vorn, wie bei der Windenergietechnik?
Schmack: Absolut. Nach meiner Überzeugung haben wir weltweit sogar eine noch bessere Ausgangslage.

ECOreporter.de: In welchen Märkten außerhalb von Deutschland ist Ihr Unternehmen vertreten? Wo erzielen Sie bereits nennenswerte Umsätze?
Schmack: Im Jahr 2006 konnten wir uns durch die Neugründung eines Tochterunternehmens erfolgreich im italienischen Markt positionieren. Italien ist für uns ein sehr interessanter Markt, da es derzeit ähnlich attraktive Einspeisevergütungen für Strom aus Biogas gibt wie in Deutschland. Die ersten Projekte werden dort bereits realisiert. Und auch für 2007 erwarten wir eine weitere Zunahme des Umsatzbeitrages. Durch unsere Beteiligung bei der Bio-Energy LLC in den USA haben wir einen ersten Schritt zur Erschließung des amerikanischen Marktes getan. Die USA sind die weltweit größten Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse und haben eine stark industrialisierte Landwirtschaft. Gleichzeitig will die USA die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern reduzieren. Bei den gegebenen Voraussetzungen ist die Nutzung der Biogastechnologie ideal, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Wir versuchen gerade den Markt besser kennenzulernen und realisieren bereits erste Projekte. Für 2007 sehen wir noch keine signifikanten Umsatzbeiträge. Langfristig haben die USA jedoch das Potenzial einer der wichtigsten Märkte für unser Unternehmen zu werden.

ECOreporter.de: Sie haben eine Technik entwickelt, Biogas direkt in das Erdgasnetz einzuspeisen. Ist das nicht derzeit noch viel zu teuer?
Schmack: Natürlich macht es erst ab einer gewissen Anlagengröße Sinn, das gewonnene Biogas in das Erdgasnetz einzuspeisen. Bei den bis dato von uns realisierten Projekten ist die Einspeisung in das Erdgasnetz bei gleichzeitiger Verstromung unter dem EEG aber absolut wirtschaftlich. Vor allem für große Biogasanlagen liegt die Zukunft in der Gaseinspeisung und damit in der Substitution von teuer importiertem Erdgas. Das zeigt uns nicht zuletzt das Interesse großer Energieversorger und Stadtwerke an derartigen Anlagen. Wir produzieren das Biogas dort, wo die Rohstoffe sind und wandeln es dort in elektrische Energie und Wärme um, wo dies wirtschaftlich am besten möglich ist- insbesondere durch eine optimale Nutzung der Abwärme. Die Energieausbeute steigt so deutlich.

ECOreporter.de: Wie lauten Ihre Ziele bei Umsatz, Gewinn und Margen für 2007.
Schmack: Wir gehen für das Jahr 2007 von einem Umsatz auf Konzernebene zwischen 130 und 150 Millionen Euro aus. Dabei erwarten wir ein absolutes EBIT (Anmerkung der Redaktion: Gewinn vor Steuern und Zinsen) im zweistelligen Millionenbereich bei einer weiteren Steigerung der EBIT-Marge.

ECOreporter.de: Herr Schmack, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bilder: Ulrich Schmack; Anlagen der Schmack Biogas AG; Sitz des Unternehmens / Quelle: Unternehmen
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