12.12.01

11.12.2001: 4,7 Millionen Verlust bei der S.A.G. Solarstrom AG - nun soll Wetterfrosch Kachelmann den Umschwung bringen

Für das Geschäftsjahr 2001/2002 rechnet die Freiburger S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702 100) mit einem Verlust von rund 4,7 Mio. DM. Für das Minus sei unter anderem die im Sommer gescheiterte Kapitalerhöhung verantwortlich, sagte Vorstand Harald Schützeichel in seinem Bericht zur Lage des Unternehmens. Wegen eines Formfehlers musste bereits gezeichnetes Kapital in Höhe von 42 Mio. DM an die Anleger zurücküberwiesen werden. Schützeichel erläuterte, der Fehler habe darin bestanden, dass im Protokoll des Beschlusses zur Kapitalerhöhung im Oktober 2000 nicht vermerkt worden sei, bis zu welchem Datum die geplante Kapitalerhöhung von bis zu 10 Mio. Euro eingetragen werden solle. Das aber sei für die Genehmigung erforderlich gewesen.

Trotz dieses teuren Patzers hätten die Aktionäre bei der Hauptversammlung hinter Vorstand und Aufsichtsrat gestanden, berichtete Pressesprecher Ditfurth im Gespräch mit ECOreporter.de. Vorstand und Aufsichtsrat seien mit über 90 Prozent der Stimmen entlastet worden. Zusatzanträge des Anwalts einer Schutzgemeinschaft, den Vorstand nicht zu entlasten, seien mit 38.000 gegen 1,2 Millionen Stimmen gescheitert.
Für das Geschäftsjahr 2001/2002 erwarte die Solarstrom ein negatives Ergebnis in der Größenordnung von 4,7 Mio. DM. Es resultiere aus den Verbindlichkeiten, die in der fehlgeschlagenen Expansionsphase eingegangen wurden (unter anderem für ein größeres Gebäude und Personal), so das Unternehmen.
Nachdem man ursprünglich schon im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnzone erreichen wollte, hofft man nun auf schwarze Zahlen im nächsten. 2002/2003 will die S.A.G. einen Umsatz von 10,9 Mio. DM und einen Überschuss erwirtschaften. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Gesellschaft bei einem Umsatz von 4,9 Mio. DM einen Verlust von 2,5 Mio. DM verbuchen müssen.

Die S.A.G. Solarstrom AG will ihr Hauptgeschäftsfeld Photovoltaik-Anlagen um die Bereitstellung von Überwachungstechniken für diese Anlagen erweitern. Dazu kooperieren die Freiburger mit der Meteomedia AG des Meteorologen Jörg Kachelmann, Sitz in Gais bei St. Gallen, und der IST EnergieCom GmbH aus Augsburg. Das erklärte York Ditfurth, der Pressesprecher der S.A.G., nach der Hauptversammlung seiner Gesellschaft am Dienstag in Freiburg gegenüber ECOreporter.de.

Die Solarstrom AG hofft auf einen rentablen Markt. Die Kachelmann gehörende Meteomedia verfüge mit über 350 Wetterstationen über das dichteste Messnetz für Wetterdaten in Deutschland. Darüber hinaus werde die S.A.G. ihre 250 Stationen in ein Joint Venture namens MeteoControl GmbH einbringen. Das werde eine Datenbank aufbauen, mit deren Hilfe sich das "Kleinwetter" in Deutschland genau bestimmen lasse - und damit auch die Leistungsfähigkeit von Solar-Anlagen. So könnte man den häufigen Streit zwischen Herstellern und Betreibern um die Leistung von Anlagen durch Gutachten beilegen.

Ein weiteres Projekt ist ein Joint Venture mit der kalifornischen Firma Power Light. Die hat ein Solarsystem entwickelt, das Gebäudedämmung und Photovoltaik vereint. Die Module würden auf Flachdächern oder an Fassaden als Isolationsschicht waagerecht aufgebracht, schwärmte Ditfurth. Insbesondere aufgrund der neuen Wärmeschutzverordnung sei an vielen Gebäuden, die bis 1980 errichtet wurden, die Isolation nachzubessern. Da sehe die S.A.G. einen relevanten Markt. Von Power Light habe man das Alleinvertriebsrecht für den deutschsprachigen Raum erworben. Ein Referenzprojekt sei bereits in Basel bei der Firma ProReno errichtet, eine Flachdach-Photovoltaik-Anlage, die isoliere und 184 KWP Strom produziere. Die 135.000 Kilowatt Strom reichten aus, um 40 Haushalte zu versorgen. Die Energie werde in die Solarstrombörse Basel einsgespeist.
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