29.11.02

1.12.2002:Welt-Aids-Tag am 1. Dezember - ECOreporter.de veröffentlicht aus diesem Anlass eine Rede von DaimlerChrysler-Chef Jürgen E. Schrempp

Die Immunschwäche-Krankheit Aids gehört zu den größten Hindernissen für eine nachhaltige Entwicklung. Insbesondere in Afrika zerstört Aids gewachsene Strukturen und Gesellschaften.
Jürgen E. Schrempp ist nicht nur Vorstandsvorsitzender von DaimlerChrysler, einem im Dow Jones Nachhaltigkeits-Index gelisteten Unternehmen. Er ist auch Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative "Global Business Coalition on HIV/AIDS". In dieser Funktion sprach er auf der Deutschen AIDS-Gala, die in der Deutschen Oper Berlin stattfand. Wir veröffentlichen hier seine Rede im Wortlaut.
In der kommenden Woche werden wir einen Vertreter von DaimlerChrysler zum Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt und Rüstung interviewen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auf dieser Opernbühne werden Abend für Abend große Dramen aufgeführt. Bereits hundert- oder gar tausendfach wurde hier theatralisch der Tod dargestellt.

Doch draußen in der Welt führt HIV/AIDS millionenfach zu qualvollem Leid und zu realem Tod.

Die Epidemie hat weltweit ein bisher nicht gekanntes Ausmaß angenommen. Ja, sie ist weitreichender als die Pest, die im Mittelalter ganze Landstriche Mitteleuropas entvölkert hat.

Noch bevor dieses Jahr zu Ende geht, werden weltweit über 45 Millionen Menschen das Aids-Virus tragen!

4 Millionen Menschen, das ist mehr als die Bevölkerung Berlins, sterben im Jahr 2002 an AIDS.
Aber diese nackten Zahlen können das wahre Grauen nicht erfassen:

· Denn AIDS tötet Väter, Mütter, Kinder.

· AIDS tötet Geschwister, Freunde und Bekannte.

· AIDS verurteilt im Mutterleib infizierte Babies zum Tode.


Meine Damen und Herren,

ich spreche heute zu Ihnen auf Einladung der Deutschen AIDS-Stiftung und in meiner Funktion als Vorsitzender der "Global Business Coalition on HIV/AIDS".

Von dieser Veranstaltung ging immer schon ein starkes Signal aus. Auch diesmal muß es unüberhörbar sein. Denn wir alle sind Verbündete im Kampf gegen HIV und AIDS.
Lassen Sie uns gemeinsam handeln, um diese schreckliche Krankheit zu stoppen.

Die Zeit drängt. Denn AIDS hat sich wie ein bösartiger Parasit tief ins Mark unserer Gesellschaft eingebrannt.

AIDS trifft nicht nur Entwicklungsländer. Zwar leben heute über zwei Drittel aller Infizierten auf dem afrikanischen Kontinent.

Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Das Virus macht vor Grenzen nicht halt.

All diejenigen, die glauben - "AIDS, das bleibt in Afrika, weit weg, das interessiert mich nicht" - die irren sich und werden eines Anderen belehrt.

Weltweit werden große Zuwachsraten verzeichnet.

Es gibt überall Brennpunkte.

Auch wir, hier in Deutschland, dürfen uns auf keinen Fall in trügerischer Sicherheit wiegen, nur weil es in den Medien ruhiger um das Thema geworden ist.

Auch wir sind unmittelbar von der größten potentiellen Gefahr der Menschheitsgeschichte bedroht.

Was macht AIDS so gefährlich?

· AIDS hat sich zuerst in Bevölkerungsteilen ausgebreitet, die fatalerweise keine ausreichende öffentliche Lobby hatten.

· AIDS verbreitet sich hauptsächlich über Sexualkontakt und ist deshalb schon von Natur aus eine Sache, über die man nicht gerne öffentlich spricht.

· AIDS ist heimtückisch. Viele geben die Krankheit weiter, ohne es zu wissen.

· Und, meine Damen und Herren, AIDS ist und bleibt auf absehbare Zeit tödlich.

Immer. Ohne Ausnahme.

Man zögert es auszusprechen, aber jenseits der unzähligen menschlichen Tragödien zerstört AIDS in vielen Ländern auch gewachsene Strukturen und Gesellschaften.

Es behindert die wirtschaftliche Entwicklung gerade dort am meisten, wo zunehmender Wohlstand und soziale Sicherheit so dringend gebraucht werden.

Auch um politische Stabilität zu schaffen.

Oder im Klartext: Nur wenn wir in Gesundheit investieren, kann unser Wirtschaften nachhaltig erfolgreich sein.

· Denn AIDS tötet Lehrer, die ihr Wissen nicht mehr weitergeben können.

· AIDS vernichtet unschätzbares menschliches und geistiges Potential.
· AIDS tötet die Jugend,

die heutigen Hoffnungsträger,

die künftigen Leistungsträger vieler Gesellschaften.

Dieser Teufelskreis muß gestoppt werden!

Hier kann ich nur bewundern, was zum Beispiel staatliche Aufklärungs-programme, Hilfsorganisationen wie die Deutsche AIDS-Stiftung und große Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Kofi Annan oder Bill Clinton bisher schon geleistet haben.

Dazu gehört auch die "Global Business Coalition on HIV/AIDS", eine Initiative von Unternehmen rund um den Globus, die dank des unermüdlichen Engagements meines Freundes Richard Holbrooke eine wirksame Plattform des Kampfes der Wirtschaft gegen AIDS geworden ist.

Es war deshalb für DaimlerChrysler eine große Ehre, im Sommer diesen Jahres aus der Hand des UN-Generalsekretärs den diesjährigen "Business Award of Excellence" der "Global Business Coalition" für unser Programm in Südafrika zu erhalten.

Und für mich ganz persönlich war es eine Selbstverständlichkeit, neben - beispielsweise - meinem Vorsitz der Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft, SAFRI, zusätzlich die Herausforderung anzunehmen, ein Jahr Vorsitzender der Global Business Coalition zu werden.

Warum?

Weil es meine tiefe Überzeugung ist, daß wir alle unseren Teil leisten müssen, um diesen Kampf gewinnen zu können.

Ich spreche von Zeit. Und ich spreche von Einsatzbereitschaft.

Wir bei DaimlerChrysler versuchen aktiv unseren Teil zur Lösung der Krise beizutragen.

Ein Beispiel ist das bereits erwähnte, von vielen als vorbildlich angesehene Programm in Südafrika.

Was können wir als Wirtschaftsunternehmen dort konkret tun?

· Aufklärung am Arbeitsplatz, aber auch in den Familien und Gemeinden unserer Mitarbeiter.

· Wir stellen Testmöglichkeiten zur Verfügung - denn nur wer weiß, daß er infiziert ist, kann andere schützen.

· Wir stellen medizinische Behandlung bereit.

· Wir stellen sicher, daß kein Infizierter Nachteile in seiner beruflichen Entwicklung erleiden muß.

· Und manchmal geben wir den Betroffenen auch einfach nur das Gefühl, daß man sie mit ihrer Krankheit nicht alleine läßt.

· Alles in allem kümmern wir uns dort um fast 25.000 Menschen.

Auch uns ist bewußt, daß dies nur einen sehr kleinen Teil des Bedarfes an Hilfe abdecken kann.

Mein großer Respekt und meine Bewunderung gilt all denen, die tagtäglich AIDS-Kranke versorgen:

· Die Menschen, die erkrankte Familienmitglieder pflegen und sie langsam sterben sehen müssen.

· Krankenhausmitarbeiter, die jede Sekunde aufs Neue ihre Angst vor Ansteckung überwinden und den Leidenden helfen.

· Die Menschen, die versuchen, infizierten Freunden weiterhin ein menschenwürdiges Dasein in einer intakten Sozialgemeinschaft zu bereiten.

· Sie sind es, die den Kampf gegen AIDS direkt an der Front führen.

· Das sind die wahren Helden des Alltags.

Sie brauchen unsere Unterstützung. Dazu wollen wir beitragen.


Meine Damen und Herren,

es gehört zu meiner persönlichen Überzeugung und es ist wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmens-philosophie, daß wir eine gesellschaftliche Verantwortung haben, die sich auf viele Felder erstreckt. Sei es in Kultur, Wissenschaft oder im sozialen Bereich.
Und in diesem speziellen Fall der AIDS-Bekämpfung:

· Werden wir weiterhin auf Veranstaltungen wie dieser versuchen, für den Kampf gegen AIDS zu werben.

· Wir werden mit Nachdruck versuchen, weitere Unternehmen als Mitglieder unserer Wirtschaftsinitiative gegen AIDS zu gewinnen.

Ich denke da vor allem an deutsche Firmen, deren Anzahl in der Global Business Coalition bislang bei weitem zu gering ist.

· Innerhalb unseres Unternehmens wird eine breit angelegte Aufklärungs-kampagne, werden internationale Hilfsprogramme gefahren.

· Bei DaimlerChrysler werden wir weiterhin jeden Infizierten unterstützen und ihn oder sie vor jeglicher Art der Ausgrenzung schützen.

Ich weiß, viele von Ihnen sind sehr stark persönlich engagiert. Ihr Einsatz ist auch weiterhin lebensnotwendig:

· Nutzen Sie Ihre berufliche, politische oder gesellschaftlich herausgehobene Stellung.
· Nutzen Sie Ihren Einfluß.

· Nutzen Sie Ihre Popularität.

· Nutzen Sie das Geschenk, daß man Ihnen zuhört, wenn Sie sprechen.


Meine Damen und Herren,

während meiner Rede hat HIV sein Schreckenswerk fortgesetzt:

· Rund 100 Menschen haben sich weltweit neu infiziert.

· Über 70 Menschen sind an den Folgen von AIDS gestorben.

· Und Kinder in fast 50 Familien haben Vater oder Mutter verloren.

Lassen Sie uns alles tun, um das zu beenden.

Lassen Sie uns alles tun, um AIDS zu stoppen.

Vielen Dank!
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