01.12.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.12.2003: Wochenrückblick: Solar-Aktien nach Bundestagsbeschluss im Höhenflug - Vestas stürzt ab - E.on treibt Netznutzungs-Preise weiter nach oben

An den Aktienbörsen der Welt zeigten die Notierungen wieder nach oben. Der DAX kletterte um drei Prozent, der TecDAX um zwei Prozent. In Japan stieg der Nikkei-225 um drei Prozent. Die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite legten ebenfalls zwischen zwei und drei Prozent zu.

Nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" plant der Netzbetreiber E.on AG, ab Anfang 2004 mehr Geld für die Nutzung seiner Stromnetze zu verlangen. Es sei ein Preisaufschlag von teilweise mehr als zehn Prozent im Gespräch, hieß es. Laut "Spiegel" begründe E.on diese Pläne mit "drastisch gestiegenem Bedarf an Ausgleichsenergie durch den Zubau von Windkraftanlagen". Einer anderen Meldung zufolge plane auch RWE AG, am 1. Januar die Strompreise zu erhöhen.

Die Reaktion der Interessenverbände war vielfältig. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) widersprach der Darstellung, dass die Windenergie zu erhöhten Kosten führe. Anhand von Daten des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) und der Elektrizitätswirtschaft (VdEW) sowie der Preise an der Strombörse rechnete der BEE vor, dass die Stromversorger bereits jetzt von den Kunden überhöhte Preise verlangten. Kostensteigerungen wegen der erneuerbaren Energien seien ein vorgeschobenes Argument und entsprächen nicht der Wahrheit, so der BEE. Der Bund der Energieverbraucher nannte die Preiserhöhungen gar einen Fall für den Staatsanwalt. Der Aachener Solarenergie-Förderverein wies darauf hin, dass auch Kraftwerke der erneuerbaren Energien technisch in der Lage seien, Regelenergie zu liefern. Der Bundesverband der Energieabnehmer (VEA) verlangte, den deutschen Sonderweg schnellstmöglich zu beenden und eine Regulierungsbehörde einzusetzen, die mit angemessenen Machtbefugnissen ausgestattet sein sollte. Ähnlich äußerten sich Ökostromhändler: Greenpeace energy nannte die Netznutzungsgebühren das "größte Hindernis für die Entwicklung des Ökostrommarktes". Die Hamburger Lichtblick GmbH, die nach eigenen Angaben 30 Klagen gegen Netzbetreiber zu laufen hat, erwartet sogar eine Ermäßigung der Netzgebühren um bis zu 30 Prozent, sobald die Regulierungsbehörde ihre Arbeit aufnimmt. Fazit: Die Politik ist gefragt, um den deutschen Spuk zu beenden.

Aber auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Probleme. Die rund 400 Delegierten der World Wind Energy Conference (WWEC) forderten die Gleichberechtigung der regenerativen Energien. Das größte Markthindernis für die umweltfreundlichen Energieträger seien massive Subventionen vieler Staaten für die fossile und Atomindustrie, stellten die Teilnehmer aus 40 Ländern fest.

Der Bundestag hat das sogenannte Vorschaltgesetz zur Förderung von Strom aus Sonnenenergie beschlossen. Die Parlamentarier erwarten Zustimmung auch im Bundesrat, der das Gesetz am 19. Dezember beraten wird. Die neuen Vergütungsregelungen könnten dann am 1. Januar 2004 in Kraft treten. Nach Einschätzung der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) e.V. wird dies im kommenden Jahr zu einem Marktwachstum von 20 bis 30 Prozent bei Photovoltaik-Anlagen führen. Das könnte bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze bedeuten.

Die Kurse zweier Solarunternehmen profitierten offensichtlich von dieser Nachricht. SolarWorld AG aus Bonn legten acht Prozent auf 11,80 Euro zu, Sunways AG aus Konstanz verteuerten sich sogar um zehn Prozent auf 2,10 Euro. Auch die Papiere der Berliner Solon AG kletterten vier Prozent nach oben. S.A.G. Solarstrom AG und die Solar-Fabrik AG, beide aus Freiburg, zeigten sich dagegen kaum verändert. Harpen AG, Tochter des RWE-Konzerns und Betreiberin dezentraler und regenerativer Kraftwerke, stiegen um neun Prozent auf 18,85 Euro.

Roland Hartung, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Mannheimer MVV Energie AG, wurde mit dem Titel "Ökomanager des Jahres 2003" im Bereich Konzerne ausgezeichnet. Die Umweltstiftung WWF und das Wirtschaftsmagazin Capital, die gemeinsam diesen Titel vergeben, begründeten ihre Entscheidung damit, dass es dem früheren CDU-Politiker gelungen sei, das einst regionale Versorgungsunternehmen zu einem international tätigen und wirtschaftlich gesunden Energie-Dienstleister auszubauen, der konsequent Energieeffizienz-Dienstleistungen anbiete und regenerative Energiequellen nutze. Hartung sagte zum dezentralen Konzept der MVV, "bei erneuerbaren Energien muss man viele Krümel aufsammeln, um ein Großkraftwerk zu ersetzen." Gas- und Holzkraftwerke ließen sich nach Bedarf steuern und Wind sei gut zu prognostizieren, so der Ökomanager.

Die Umweltkontor Renewable Energy AG aus Erkelenz legte die Ergebnisse für die Zeit von Januar bis September 2003 vor. Der Umwelttechnologie-Konzern und Windparkprojektierer erzielte dem zufolge einen Umsatz von 132 Millionen Euro, nach 30 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich auf minus sieben Millionen, nach minus 13 Millionen vor einem Jahr. Die Windsparte allein erreichte in den vergangenen drei Quartalen ein positives EBIT. Das Konzernergebnis wird jedoch durch herbe Verluste in den Bereichen Bioenergie und Sonne sowie durch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen ins Minus gedrückt. Unter anderem heißt es, dass in der Biodiesel Schwarzheide GmbH die geplanten Produktionsmengen für Biodiesel und Glyzerin noch nicht erreicht wurden. Die SBE BioEnergie Handelsgesellschaft mbH und die Betreibergesellschaft des Holzheizkraftwerks Mansfelder Land hätten jedoch schwarze Zahlen geschrieben. Die ErSol Solar EnergyAG soll laut Unternehmen ihre technischen Umstellungen und Kapazitätserweiterungen noch in diesem Jahr abschließen und ab 2004 schwarze Zahlen schreiben. Insgesamt hat man sich vorgenommen, die für 2003 anvisierten Ziele nun im kommenden Jahr zu erreichen. Die Umweltkontor-Aktie verteuerte sich um acht Prozent auf 1,26 Euro.

Nach Angaben der Plambeck Neue Energien AG sind die ersten Rotorblätter der SSP Technology A/S auf Anlagen im Windpark Bremervörde-Iselersheim montiert. Der Windparkprojektierer aus Cuxhaven hatte kürzlich die Mehrheit an der dänischen SSP übernommen. Plambeck notierten unverändert bei 2,38 Euro.

Einen Absturz um 25 Prozent erlebte die Aktie der Vestas Wind Systems A/S. Der dänische Hersteller von Windturbinen berichtete in einer Quartalsinformation über politisch bedingte Unsicherheiten in mehreren europäischen Ländern, die zu verringerten Auftragseingängen geführt hätten und weitere Projektverschiebungen zur Folge haben könnten. In den USA, einem der wichtigsten Märkte für Vestas, gebe es Verzögerungen bei der Verabschiedung der steuerlichen Förderung der Windenergie (Production Tax Credit - PTC). Es sei bereits absehbar, dass geplante Projekte ins Jahr 2005 verschoben würden - sofern das PTC überhaupt im nächsten Jahr beschlossen werde. Vestas präzisierte die Umsatzerwartung für das laufende Jahr von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro auf den unteren Rand (1,7 Milliarden). Die Erwartung für die EBIT-Marge wurde wieder auf fünf Prozent gesenkt. Dazu hieß es, eine Vereinbarung mit dem spanischen Rivalen Gamesa Eólica zum Technologietransfer solle vorzeitig beendet werden, was einen Prozentpunkt bei der Marge koste. Die Umsatzprognose für das kommende Jahr wurde ebenfalls gesenkt, aber die EBIT-Marge soll dann, wie schon mehrmals angekündigt und wieder zurückgenommen, deutlich auf neun Prozent steigen. Die Vestas-Aktie wurde in Kopenhagen zum Schluss mit 93,5 Dänischen Kronen notiert.

Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA) hat derweil im dänischen Silkeborg ein Ingenieurbüro für die Entwicklung neuartiger Windturbinen eröffnet. Das meldete die Nachrichenagentur Reuters. Gamesa folge damit seinem Plan, sich international aufzustellen. Besonderes Augenmerk lege der spanische Maschinenbauer auf Deutschland und die USA, hieß es bei Reuters. Gamesa kletterten in Madrid um zwei Prozent auf 24,12 Euro.

Die beiden größten Stromversorger Spaniens, Iberdrola SA und Endesa (Empresa Nacional de Electricidad SA) gehören bisher zu den Hauptabnehmern der Gamesa-Kraftwerke. Iberdrola meldete kürzlich gute Erfolge beim Verkauf "grünen" Stroms an staatliche und privatwirtschaftliche Verbraucher sowie an Einzelhaushalte. Endesa kündigte Agenturmeldungen zufolge an, bis Ende Dezember 2004 weitere 16 Windparks mit einem Investitionsvolumen von 280 Millionen Euro in Betrieb nehmen zu wollen. Endesa würde dann über eine Erzeugungskapazität von 1,135 Gigawatt Windenergie verfügen, hieß es.

Die DeWind GmbH meldete eine Personalie. Ab sofort werde der britische Ingenieur Paul Cooper die Gesamtleitung der DeWind Gruppe in der FKI Energy Technology in Lübeck und Loughborough übernehmen, hieß es in einer Mitteilung des Lübecker Windenergie-Unternehmens. Nachdem in Loughborough bereits eine Produktion für DeWind-Turbinen aufgebaut wurde, soll die Fertigung künftig auch auf andere europäische FKI-Fertigungsstätten übertragen werden. DeWind wurde im Mai 2002 von dem britischen Industriekonzern FKI plc übernommen. FKI stiegen in London um drei Prozent auf 110 Pence.

Wie erst am 25. November bekannt gegeben wurde, haben Hubert Loick, Vorstandsvorsitzender der farmatic biotech energy ag, und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Vogt am 21. November ihre Ämter niedergelegt. Die Vorstandsgeschäfte werden zur Zeit von Finanzvorstand Ulrich Wogart wahrgenommen. Der Aufsichtsrat soll durch gerichtliche Bestellung eines neuen Mitglieds wieder vollständig besetzt werden. Die farmatic-Aktie war bereits in der Vorwoche stark gefallen, sie gab im Wochenverlauf noch weitere acht Prozent auf 0,70 Euro ab.

Der Fassaden- und Wärmedämmspezialist Sto AG berichtete für die abgelaufenen drei Quartale Konzernumsätze von 508,9 Millionen Euro, 0,5 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Nettogewinn kletterte um acht Prozent auf 10,9 Millionen, was einem Ergebnis je Aktie von 1,59 Euro entspricht. Das Unternehmen aus Stühlingen wies darauf hin, dass die Situation in der deutschen Baubranche sehr angespannt sei. Im für Sto wichtigen Segment Hochbau sei der Auftragseingang um weitere 14,5 Prozent zurückgegangen, der Gesamtumsatz im Bauhauptgewerbe von Januar bis September 2003 sei um 6,7 schwächer ausgefallen als vor einem Jahr. Im Sto-Konzern ging der Inlandsumsatz dem gegenüber um nur 4,9 Prozent zurück, wohingegen im Ausland ein Zuwachs um 5,1 Prozent auf 239,2 Millionen Euro erzielt werden konnte. Darin enthalten seien währungsbedingte Umsatzverluste von rund 12 Millionen Euro. Der Auslandsanteil beläuft sich nun auf 47 Prozent. Sto hat in Deutschland die Anzahl der Mitarbeiter von 2.529 auf 2.362 Personen abgebaut und die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt. Diese Maßnahme sei einvernehmlich mit den Arbeitnehmervertretern für zwei Jahre mit Wirkung zum 1. Oktober 2003 beschlossen worden, hieß es. Die Sto-Vorzugsaktie gab vier Prozent auf 16,20 Euro nach.

Die condomi AG steht möglicherweise vor der Insolvenz. Die Liquiditätssituation des Kölner Kondomherstellers hätte sich aufgrund verfehlter Wachstums- und Investitionsstrategien der Vergangenheit kontinuierlich verschlechtert, teilte das Unternehmen mit. Man habe Verhandlungen mit den Poolbanken aufgenommen und ein Finanzierungskonzept vorgestellt, das die Voraussetzungen für einen Fortbestand des Unternehmens sicherstellen soll. Im Fall des Scheiterns dieser Verhandlungen sei der Fortbestand der condomi AG und ihrer Töchter, mit Ausnahme der unimil S.A., nicht sichergestellt, hieß es. Condomi stürzten um 34 Prozent auf 1,90 Euro ab.

Energy Conversion Devices Inc. aus den USA berichtete für das abgeschlossene erste Quartal auf 14,2 Millionen Dollar reduzierte Umsätze. Der Nettoverlust beträgt 14,3 Millionen Dollar nach 3,4 Millionen im ersten Quartal des zurückliegenden Geschäftsjahrs. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Solarsparte United Solar Ovonics als einzige den Umsatz steigern konnte, jedoch ergab sich auch hier ein Verlust. Das Unternehmen benötigt nach eigener Einschätzung weiteres Eigenkapital und führt dazu Verhandlungen. Des weiteren bemüht man sich bei Regierungsstellen um die Übernahme eines Teils der Forschungskosten. Zu den Sparmaßnahmen zählt laut Unternehmensdarstellung eine Reduktion der Vorstandsgehälter um zehn Prozent. Die schlechte Lage der Gesellschaft wurde an der Börse mit einem Abschlag von sechs Prozent auf 8,60 Dollar quittiert.

Transmeta Corp. gab die Absicht bekannt, 25 Millionen neue Aktien im Gesamtwert von 85 Millionen Dollar auszugeben. Der Hersteller stromsparender Mikroprozessoren aus Santa Clara (USA) wurde am vergangenen Freitag bei 3,30 Dollar notiert, drei Prozent niedriger als vor einer Woche.

condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Endesa (Empresa Nacional de Electricidad SA, ISIN ES0130670112 / WKN 871028)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
E.on AG (ISIN DE0007614406 / WKN 761440)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
FKI plc (ISIN GB0003294591 / WKN 869192)
Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA, ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
Iberdrola SA (ISIN ES0144580018 / WKN 851357)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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