11.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.3.2004: ECOreporter.de-Interview: Streit im Hause HerMerlin - Vorstand Herrmannsdörfer lässt Vorwürfe nicht gelten

Die HerMerlin-Gruppe und ihr Vorstand Jürgen K. Herrmannsdörfer werden zur Zeit von verschiedenen Seiten kritisiert. Beispielsweise von Klaus Krüger, langjähriger Aufsichtsrat im HerMerlin-Netzwerk. Er wirft dem Vorstand Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Beteiligungsverträgen aus der Vorläufergesellschaft Hermerlin Incorporation vor. Das vom Namen her mit der deutschen HerMerlin AG fast identische Unternehmen hat seinen Sitz auf den British Virgin Islands. Es besteht seit 1989 und wird von Beginn an durch Jürgen Herrmannsdörfer geführt. ECOreporter.de sprach mit dem Gründer und Chef der Gesellschaft, über die Vorwürfe.


ECOreporter.de: Herr Herrmannsdörfer, haben sich Beteiligte der Hermerlin Inc. im Frühjahr 2002 darüber beschwert, dass fällige und ordentlich gekündigte Beteiligungsverträge nicht ausgezahlt wurden? Wurden die Beteiligten über die Probleme der Gesellschaft bei der Auszahlung informiert?
Jürgen K. Herrmannsdörfer: Die Hermerlin Inc hat die Gesellschafter nach der World Trade Katastrophe darauf hingewiesen, dass erhebliche Verluste aufgetreten sind. Das geschah vor Ablauf des Geschäftsjahres 2002. Bis hin zur Festsetzung des Verkaufslimits für die einzelnen Positionen konnten die Beteiligten selbst bestimmen, in welcher Weise sie ihre Beteiligung auflösen wollten. Der Umstand, dass die Beteiligungen sich nach dem Attentat nur schwer verkaufen ließen, war seit Spätherbst 2001 bekannt.
Leider wurden auf Grund von verschiedenen Äußerungen des damaligen Finanzvorstands Klaus Krüger einige Beteiligungen zusätzlich und vorzeitig gekündigt, das hat den dadurch notwendigen höheren Verkauf von Anteilen nicht gerade erleichtert.

ECOreporter.de: Nach Angaben von Klaus Krüger ergab eine Anfrage bei den kontoführenden Banken der Hermerlin Inc. am 15. März 2002 ein Gesellschaftsvermögen in Höhe von 317.317 Euro. Der Geschäftsjahresbericht 2001/2002 der Gesellschaft weist jedoch zum Stichtag 31. März 2002 ein Beteiligungskapital von 4.190.037 Euro aus. Wie erklären Sie die Differenz von 3,87 Millionen Euro?
Herrmannsdörfer: Die Zahlen sind falsch.

ECOreporter.de: Können Sie bestätigen, dass zum 31.3.2002 ordentlich gekündigte und fällige Beteiligungsverträge bis heute nur mit größten Verlusten und nur teilweise aufgelöst wurden?
Herrmannsdörfer: Die Verluste hielten sich aufgrund der Gewinne für die Gesellschafter aus den Vorjahren in Grenzen. Gerade bei außerordentlichen und vorzeitigen Kündigungen fielen sie aber in der aktuellen Kapitalmarktsituation höher aus.

ECOreporter.de: Zahlt die Hermerlin Inc. das zu Buche stehende Beteiligungsguthaben komplett nach Abzug der Verluste aus oder nur in Teilzahlungen?
Herrmannsdörfer: Die Hermerlin Inc. zahlt die erzielbaren Kurswerte nach der tatsächlichen Realisierung aus. Die Gesellschafter hatten in den Jahren 2002 und 2003 das Recht, den Kurs zu bestimmen, zu dem verkauft werden sollte.

ECOreporter.de: Das Vermögen der Beteiligung "pro sixty" sollte nach unseren Informationen ausschließlich in festverzinsliche Werte investiert werden. Nach unseren Berechnungen machen Rentenpapiere jedoch nur knapp ein Viertel des Vermögens von pro sixty aus.
Herrmannsdörfer: Die Beteiligung hatte als Schwerpunkt festverzinsliche Wertpapiere, der größte Teil wurde dann auch in festverzinslichen Werten wie Anleihen und Darlehen investiert.

ECOreporter.de: Laut dem Kontoblatt einer Beteiligten sind auch Anteilsscheine der HerMerlin AG in "pro sixty" enthalten. Ferner weist die Aufstellung zwei Darlehen an junge Aktiengesellschaften auf, die seit Bestehen Verluste schreiben.
Herrmannsdörfer: In der Tat waren auch Anteile der HerMerlin AG in der Beteiligung. Diese, aus Zinsen erworbenen Anteile, wurden mit großem Gewinn wieder verkauft.
Die Darlehen an die jungen Gesellschaften haben wir als langlaufende Beimischung in die Beteiligung aufgenommen; von dauerhaften Verlusten bei diesen Gesellschaften sind wir bei der Investition nicht ausgegangen.
Zudem hatte jeder Gesellschafter am Anfang die Möglichkeit sein Beteiligungskapital zu besichern!

ECOreporter.de: Mehr als ein Drittel der Mittel wurden laut dem Kontoblatt zudem für ein Darlehen an die Umwelt Projekte Holding AG UMHO ausgegeben. Diese Gesellschaft befindet sich seit geraumer Zeit in Liquidation, der Wert der Forderungen ist Null. Wie ist es zu erklären, dass die UMHO-Darlehen noch auf den Kontenblättern aufgeführt sind, als seien sie etwas wert?
Herrmannsdörfer: Bedingt durch die vorzeitige Auflösung der Beteiligung seitens verschiedener Gesellschafter lag zum Schluss dieser Beteiligung das Darlehen prozentual tatsächlich in dieser Höhe vor. Wir prüfen juristische Schritte gegen den ehemaligen Vorstand der UMHO AG - mehr kann ich dazu heute leider nicht sagen.

ECOreporter.de: Das ist nun mehrere Jahre her, und es wird "geprüft". Unsere Vermutung: Es wird kein Cent zurückfließen. Zu einem anderen Punkt: Innerhalb der rumänischen Beteiligung der HerMerlin AG, Carin S.A., soll es im letzten Jahr zu Pfändungen gekommen sein. Können Sie das bestätigen? Wenn ja, war Ihnen dieser Umstand bereits vor der Hauptversammlung letzten Jahres bekannt? Haben sie als Konsequenz daraus vor der letzten Hauptversammlung den Beteiligungswert der Carin S.A. in der Bilanz reduziert?
Herrmannsdörfer: Zum Zeitpunkt der Hauptversammlung war mir nichts dergleichen bekannt. Eine genaue Bewertung, über die im Dezember 2003 unerwartet durchgeführten Pfändungen - für nicht bedienbare Darlehen, z. B. auf Grund der schlechten Ernte - wird uns zur Bilanzerstellung der Carin vorliegen.

ECOreporter.de: Herr Herrmannsdörfer, wir danken Ihnen für die Auskünfte.

Bildnachweis: Jürgen K. Herrmannsdörfer
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