11.03.04

11.3.2004: Meldung: MVV Energie AG: Telekommunikationsgeschäft neu geordnet

Powerline wird in die Beteiligungsgesellschaft PPC ausgegliedert
- Konzentration der MAnet auf Telekommunikationsdienstleistungen für das Geschäftskundensegment
- Dr. Rudolf Schulten: "Erster und finanziell größter Schritt bei der Fokussierung des Konzerns"

Das Mannheimer Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie hat bei seiner anstehenden Umstrukturierung und Konzentration auf das Kerngeschäft in einem ersten Schritt sein Telekommunikationsgeschäft gestrafft und will es damit in die schwarzen Zahlen bringen. Wie der MVV Energie-Vorstandsvorsitzende Dr. Rudolf Schulten am Mittwoch in Mannheim im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrates betonte, sollen dabei künftig alle Aktivitäten des Konzerns im Bereich der Powerline- Technologie in der Power PLUS Communications AG (PPC) gebündelt und wirtschaftlich geführt werden. Die PPC ist bisher bereits für den Vertrieb der Powerline-Technologie, mit der das Stromnetz zur Datenübertragung und damit auch als Internet-Zugang genutzt werden kann, an andere Stromnetzbetreiber in Deutschland und Österreich verantwortlich. An ihr sind neben der MVV Energie über ihre Risikokapitalgesellschaft MVV Innovationsportfolio auch die ABB AG und der israelische Technologiepartner main.net beteiligt. Dr. Rudolf Schulten: "Mit einer schlagkräftigen Mannschaft wird Powerline in Mannheim effizienter fortgeführt, und die Synergien mit der PPC können genutzt werden. Dies eröffnet der PPC auch die Chance, weiterhin über Mannheim hinaus Dienste für andere Städte anbieten zu können."

Die Tochtergesellschaft MAnet GmbH, die bisher das Geschäft mit dem "Internet aus der Steckdose" in Mannheim betrieben hat, soll sich dagegen künftig voll auf die viel versprechenden Telekommunikationsdienstleistungen für das Geschäftskundensegment konzentrieren. Dr. Rudolf Schulten: "Wir haben in den letzten Jahren mit unseren zukunftsorientierten Investitionen in das Mannheimer Glasfasernetz eine auch im europäischen Vergleich außerordentlich wettbewerbsfähige Infrastruktur für den Datenverkehr geschaffen. In diesem Bereich war die MAnet auch in der Vergangenheit schon positiv. Wir wollen nun dieses Wachstumssegment noch konsequenter nutzen."

Möglich wird diese Neuausrichtung durch Wertberichtigungen im Anlagevermögen, durch Abschreibungen auf Beteiligungsbuchwerte sowie durch die Entschuldung der MAnet durch den Mutterkonzern. Dafür wird das Unternehmen in diesem Jahr nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden bis zu 31 Millionen Euro aufwenden. Dr. Rudolf Schulten: "Mit einem solchen klaren Schnitt wird der Bereich auf Profitabilität ausgerichtet und auf feste Beine gestellt." Im letzten Geschäftsjahr musste die MVV Energie Gruppe im Telekommunikationssektor noch ein negatives Ergebnis von rund 7 Millionen Euro verkraften.

Mit diesem Beschluss hat der Aufsichtsrat nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden "den ersten Schritt bei der strategischen Fokussierung der MVV Energie auf ihr Kerngeschäft gemacht - auch gleichzeitig den größten, was die finanzielle Belastung angeht." Derzeit werden, so Dr. Rudolf Schulten, alle Geschäftsfelder auf deren Werthaltigkeit geprüft. Bei der folgenden Bereinigung des Portfolios werde es noch zu weiteren Einmaleffekten kommen, die das Ergebnis des Konzerns im laufenden Geschäftsjahr belasten werden: "In dem zweiten Schritt, der in naher Zukunft folgen soll, geht es um weitere kerngeschäftsferne Aktivitäten, etwa in den Bereichen Windenergie, Abwasser, Consulting und Projektentwicklung oder auch um die Auslandsengagements in Spanien und Portugal. Die finanziellen Belastungen für diesen zweiten Teil unserer Portfoliobereinigung werden unter dem Betrag für den jetzt beschlossenen Teil liegen."

Der MVV Energie-Chef ist davon überzeugt, dass Powerline mit einer solchen straffen Neuorganisation in Mannheim und unter der Regie der lokalen Stadtwerke auch deutschlandweit wirtschaftlich am Markt betrieben werden kann. Die neue Technologie habe ihre Kinderkrankheiten mittlerweile überwunden und bei ihrem weltweit ersten Marktauftritt in Mannheim unter dem Produktnamen Vype einen beachtlichen Marktanteil gewonnen. Dr. Rudolf Schulten: "Nach den euphorischen Planungen der Anfangszeit haben wir nun einen neuen Geschäftsplan aufgestellt, der Vype als festen Bestandteil des Mannheimer Internet-Marktes sichern wird." Die neue Modemgeneration habe erste Tests erfolgreich bestanden und könne Powerline attraktive Zukunftsperspektiven eröffnen. "Weitergehende Investitionsentscheidungen sind dann", so Dr. Schulten, "von der PPC zu treffen und durch das Kapital neuer Investoren zu finanzieren."

Die Europäische Kommission betonte jüngst die strategische Bedeutung der Powerline-Technologie für die Breitbandentwicklung in Europa. Die EU fördert im Projekt "OPERA - Open Powerline European Research Alliance" die internationalen Powerline-Aktivitäten mit rund 9 Millionen Euro - darunter neben der MVV Energie auch die italienische ENEL, die französische EDF, die spanischen Endesa und Iberdrola sowie die österreichische Linz AG. Die PPC nimmt in diesem Projekt eine führende Rolle ein.

Mit der Neuordnung der Telekommunikationsaktivitäten sei, so Dr. Rudolf Schulten zuversichtlich, dann auch die Voraussetzung dafür geschaffen, die Powerline-Technologie über die PPC erfolgreich an andere Stadtwerke und Stromnetzbetreiber zu vermarkten: "Neben Mannheim wird unsere Powerline-Technologie bereits in Hameln, Dresden, Haßfurt und Linz kommerziell eingesetzt. Durch die Umstrukturierung werden unsere Powerline-Aktivitäten gebündelt. Das wird künftig auch den angestrebten Einstieg weiterer Unternehmen in die PPC vereinfachen."

Eine positive Entwicklung erwartet der MVV Energie-Vorstandsvorsitzende auch vom Tochterunternehmen MAnet. "Telekommunikationsdienstleistungen für Geschäftskunden sind ein wichtiger Wachstumsmarkt, auf den sich die MAnet künftig konzentrieren soll," so Dr. Rudolf Schulten. Gerade in den dynamischen Mannheimer Industrie- und Gewerbegebieten sieht er hierfür ein interessantes Potenzial und geht mittelfristig von einem eigenen Marktanteil von rund 25 Prozent in den angeschlossenen Gebieten aus. Dr. Rudolf Schulten: "Mit ständig an die Kundenbedürfnisse angepassten Produkten und Dienstleistungen wollen und können wir auch im Telekommunikationssektor am Markt bestehen und unsere vorhandenen Strom- und Glasfasernetze effektiv nutzen."

Mannheim, 10. März 2004
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