12.10.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

12.10.2004: Der Regen hat die Bilanz verhagelt: ECOreporter.de-Interview mit Rüdiger Vosshall, Finanzvorstand des Zeltplatzbetreibers Regenbogen AG, zur Kapitalerhöhung

Die Regenbogen AG will über eine Kapitalerhöhung 3,3 Millionen Euro frisches Kapital einwerben. Die Gesellschaft mit Sitz in Kiel betreibt Naturcampingplätze in Norddeutschland, die meisten an der Ostsee. Seit dem Jahr 2001 ist das Unternehmen börsennotiert. Die beiden letzten Geschäftsjahre hat Regenbogen mit Überschüssen abgeschlossen, allerdings wurden die prognostizierten Gewinnziele nicht erreicht. Wofür wollen die Campingplatzbetreiber die neuen Mitteln verwenden? Was für Maßnahen plant das Unternehmen, um die eigenen Zielmarken zu erreichen? ECOreporter.de sprach mit Rüdiger Vosshall, Finanzvorstand der Regenbogen AG.

ECOreporter.de: Herr Vosshall, die Regenbogen AG will bis zu 3,3 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung erlösen. Was für Pläne haben Sie mit dem frischen Geld?
Rüdiger Vosshall: Wir werden die Erlöse in das weitere Wachstum der Regenbogen AG investieren. Konkret bedeutet das: Wir werden nach weiteren Standorten Ausschau halten, die die hohen Anforderungen bzw. Voraussetzungen für ein Regenbogen Camp erfüllen. Zudem werden wir, aufgrund der steigenden Nachfrage, die Kapazitäten in den bestehenden Camps ausbauen. Nicht zuletzt fließen auch Mittel in den weiteren Infrastrukturausbau und die Ausstattung unserer bestehenden Standorte.

ECOreporter.de: Im laufenden Geschäftsjahr konnten Sie den Umsatz Ihres Unternehmens erheblich steigern, meldeten Sie Anfang September, das Ergebnis soll ausgeglichen ausfallen. Wann wird die Regenbogen AG die versprochene Kombination von "hohem Wachstum und hohen Profiten" realisieren können?
Vosshall: Die schlechte Witterung in 2004 und die zum großen Teil verregnete Hauptsaison Juni bis August, ist auch an Regenbogen nicht spurlos vorbei gegangen. Diesen Verlauf der Hauptsaison konnte keiner vorhersehen. Wir haben in überwiegendem Maße unsere Ziele erfolgreich umgesetzt. An unserem Konzept und unserer Strategie wird sich daher für die Zukunft nicht viel ändern.

ECOreporter.de: Wie hoch ist das organische Wachstum Ihres Unternehmens?
Vosshall: Wir hatten in 2003 ein organisches Wachstum - also das Wachstum ohne die neu integrierten Standorte Nonnewitz und Tecklenburg - von cirka dreizehn Prozent gegenüber 2002.

ECOreporter.de: Was für Zielmarken haben Sie sich im Unternehmen für die Profitabilität gesetzt?
Vosshall: Wir planen für 2005 eine Marge beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT-Marge) von 12,9 Prozent. Aufgrund einer nachlassenden Investitionsintensität und verschiedener Einflussfaktoren auf der Kostenseite soll sie in den beiden Folgejahren erst auf rund 14 Prozent und später auf mehr als 20 Prozent steigen. Für 2007 erwarten wir ein Ergebnis pro Aktie von 0,83 Euro. Unsere Eigenkapitalrendite (Return on Equity) soll in den Jahren 2005 bis 2007 durchschnittlich 17,7 Prozent betragen.

ECOreporter.de: Trotz rückläufiger Marge und Jahresüberschuss haben Sie den freien Aktionären im Frühjahr eine Dividende ausgezahlt. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Mittel für die Eigenfinanzierung zu verwenden?
Vosshall: Im Rahmen des IPO (Anmerkung der Redaktion: initial public offerings; Deutsch: Börsengang) haben wir allen Aktionären eine erste Dividende für das Jahr 2003 versprochen. Obwohl unser Börsengang in 2002 nicht wie geplant verlief, erreichten wir das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Businessplans. Dies war mehr als Grund genug unser Versprechen zu halten und damit die Treue und das Vertrauen unserer Aktionäre zu honorieren. Um Mittel für die weitere Expansion im Unternehmen zu behalten haben die Altaktionäre auf eine Ausschüttung verzichtet.

ECOreporter.de: Die Bundesbürger müssen den Gürtel enger schnallen, dabei wird auch an den Ausgaben für den Urlaub gespart. Kommen magere Jahre auf Sie als Campingplatzbetreiber zu?
Vosshall: Der Trend beweist das Gegenteil. Die Tendenz geht weg vom teuren Auslandsurlaub, dabei spielt sicherlich auch der Terroraspekt eine Rolle. Immer mehr Menschen wählen den Urlaub in Deutschland und in der Natur. Gerade hier sind wir stark positioniert, wir legen besonderen Wert auf hohen Komfort und setzen sehr hohe Standards. Ich glaube zudem, das wir das Image vom einfachen Camping mit unserer Tätigkeit schon ein ganzes Stück "gerade gerückt" haben. Das zeigen Presseartikel und andere Medienberichte, die hervorheben, das man in den Regenbogen Camps nicht auf Luxus verzichten muss.

ECOreporter.de: Sie sind mit dem Anspruch gestartet, ökologisch-nachhaltigen Urlaub anzubieten. Gibt dafür nach Ihren bisherigen Erfahrungen eine spezifische Nachfrage, oder sind Ihre Kunden in erster Linie auf Sonne, Sand und Meer aus?
Vosshall: Wir sind immer bemüht, auch unseren Beitrag für Mutter Natur zu leisten. Dies liegt uns sehr am Herzen. Unsere Camps sind in die Natur integriert und stellen z.B. dank modernster Sanitäranlagen keine ökologische Belastung dar. Sicher wird es unter unseren Gästen auch einen Anteil geben, der ein hohes ökologisches Bewusstsein hat und unter diesem Aspekt seinen Urlaub plant. Das Gros unserer Gäste freut sich aber in erster Linie auf Sonne, Sand und Meer oder auch unsere vielfältigen Sport- und Animationsangebote.

ECOreporter.de: Herr Vosshall, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bilder: Die Vorstände der Regenbogen AG: Rüdiger Vosshall und Gerhard Rosorius (v.l.n.r.); Regenbogen Camps Dranske Nonnewitz und Prerow
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