12.01.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

12.1.2006: Phönix aus Cuxhaven - Bietet die Plambeck Neue Energien AG-Aktie auf dem derzeitigen Kursniveau eine Einstiegschance?

Der börsennotierte Windprojektierer Plambeck Neue Energien AG (PNE) wurde gebeutelt: Das Unternehmen mit Sitz in Cuxhaven hatte Probleme bei der Finanzierung seiner Windparkprojekte und verhandelte monatelang mit den geldgebenden Banken über eine neue Kreditlinie. Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe drückten die Bilanz. Der Aktienkurs stürzte: Im Mai 2005 fiel die Aktie zeitweilig unter die Marke von einem Euro, Anfang Mai 2005 beispielsweise auf 0,92 Euro. Im März 2001 hatte der Kurs bei über 50 Euro gelegen (13. März 2001). Aber: Wer im Mai 2005 zugriff, verzeichnete bis zwischendurch ein Plus von 44 Prozent. Wie steht Plambeck Neue Energien heute da?

Dr. Wolfgang von Geldern, Vorstandsvorsitzender der PNE: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Plambeck Neue Energien AG befindet sich nach einer sehr schwierigen Phase wieder auf dem Erfolgspfad", so von Geldern gegenüber ECOreporter.de. Zu Anfang des Jahres 2005 habe man eine vollständige Neubewertung der Gesellschaft durchgeführt, erklärt er: " Tochterunternehmen wurden erheblich wertberichtigt. Ein weiteres Problem war die äußerst schwache Liquiditätssituation, darüber haben wir lange mit den Banken verhandelt." Die Geldhäuser hätten dann mitgezogen und die alten Kredite verlängert sowie neue eingerichtet, so von Geldern (ECOreporter.de berichtete).

"Kurz darauf konnten wir erfolgreich unsere Beteiligung an dem französischen Windprojektierer Ventura an die Theolia SA verkaufen", berichtet der Vorstandsvorsitzende weiter. Der Verkauf sei einerseits notwendig gewesen, anderseits aber auch nicht nur aus der Not heraus entstanden. Vielmehr habe es vermehrt Interesse an einer Übernahme der Ventura gegeben. "Die Ventura hatte aufgrund ihres beachtlichen Projektvolumens einen guten Stand auf dem französischen Markt. Für uns bot sich deshalb ein lukrativer Verkauf an", so von Geldern. Theolia bezahlte die Übernahme zum Teil mit eigenen Aktien, die konnte Plambeck im August mit Gewinn verkaufen (ECOreporter.de berichtete). "Unsere internal rate of return (A.d.R.: Verzinsung des eingesetzten Kapitals) lag bei 49 Prozent", sagt der Plambeck-Vorstand im Gespräch mit ECOreporter.de.

Der nächste wichtige Schritt zur Konsolidierung des Unternehmens war laut von Geldern die im Herbst 2005 durchgeführte Kapitalerhöhung der Plambeck Neue Energien AG. Durch den Mittelzufluss (ECOreporter.de berichtete) habe sich die Liquidität deutlich verbessert; in der Folge sei es möglich geworden, eigene Wandelschuldverschreibungen zurückzukaufen und damit die Zinsbelastung zu senken. "Durch die von der Hauptversammlung am 26. Juli zusammen mit der Kapitalerhöhung beschlossene Kapitalherabsetzung im Verhältnis 3:2 konnten wir zuvor unsere Bilanz bereinigen", erklärt der Vorstandsvorsitzende, damit sei auch die Kapitalrücklage wieder gestärkt worden.

Auch operativ sehen sich die Cuxhavener auf gutem Weg. Dr. von Geldern: "Wir waren operativ schon 2004 erfolgreich, damals wollte das aber niemand hören. In 2005 haben wir unsere Ziele erreicht. Für 2006 rechnen wir mit einem leicht positiven EBIT."
Plambeck habe 2005 Windparks mit einem Gesamtvolumen von 160 Megawatt verkauft, so der Vorstandsvorsitzende. "Dabei handelte es sich übrigens nicht immer um fertig gestellte Anlagen", erklärt er, "teilweise befanden sie sich im Planungsstadium, teilweise wurden auch Projektrechte verkauft. Ausschlaggebend ist für uns die Rendite, nicht die Reife eines Vorhabens. Auch wenn das immer wieder so kolportiert wird: Wir verkaufen keineswegs unser Tafelsilber!"

Die Windenergiespezialisten aus Cuxhaven haben Ordnung im eigenen Haus geschaffen, das kommt auch in einer deutlich übersichtlicheren Struktur des Unternehmens zum Ausdruck. Die Plambeck Neue Energien AG besteht laut von Geldern als Konzern nur noch aus zwei Gesellschaften: der Plambeck AG und der dänischen Tochter SSP Technology A/S. "Die SSP, die wir zu Ende 2004 deutlich wertberichtigt haben, entwickelt sich inzwischen wieder sehr erfolgreich", sagt der Vorstand. Das Unternehmen habe sich in seiner Ausrichtung diversifiziert, neben dem Bau und der Entwicklung von Rotorblättern für Windkraftanlagen biete SSP heute auch Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet für andere an. Das Personal sei von zuvor 6 auf nun 18 Mitarbeiter gewachsen. Stimmt das Gerücht, dass die SSP Technology demnächst an die Börse gebracht werden soll? Von Geldern mag sich dazu nicht äußern: "Kein Kommentar."

Fazit: Ohne dass bereits konkrete Ergebniszahlen für 2005 vorliegen, lässt sich sagen, dass die Plambeck Neue Energien AG aus den ärgsten Stürmen heraus zu sein scheint. Der norddeutsche Windprojektierer wankte, fiel aber nicht - also keine Parallele zur Umweltkontor AG. Risikofreudige Investoren können auf dem aktuellen Kursniveau ein Investment in die Aktie wagen. Wie bei einem Optionsschein scheint dabei allerdings zur Zeit noch alles möglich: schnelle Verluste und rasante Gewinne. Die Windkraftbranche hat sich verändert, immer mehr Windparks werden von Großinvestoren gekauft. Financiers aus dem Ausland interessieren sich für deutsche Standorte, Konzerne wie General Electric oder Siemens versuchen mit Windenergietöchtern auf dem Markt Fuß zu fassen. Wenn es den Cuxhavenern gelingt, die veränderten Marktbedingungen der Branche erfolgreich für sich zu nutzen, hat das Unternehmen, das zu den Pionieren im Bereich der Windkraft in Deutschland gehört, eine gute Chance, weiter im Geschäft mit der Windenergie mitzumischen.

Plambeck Neue Energien AG: ISIN DE000A0JBPG2 / WKN A0JBPG

Bild: Windpark Holtriem der Plambeck Neue Energien AG / Quelle: Unternehmen
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