12.12.06 Erneuerbare Energie

12.12.2006: Fakten statt Vorurteile - Studie hat Auswirkungen von Offshore-Windparks auf die Umwelt untersucht

Die bislang umfassende Studie über die Auswirkungen von Windparks auf See, offshore, ist jetzt von der dänischen Regierung veröffentlicht worden. Sie liefert den Projektierern von Offshore-Projekten wichtige Argumente in den Auseinandersetzungen mit deren Kritikern. Denn die 144 Seiten umfassende, auch in englischer Sprache vorliegende Studie mit dem Titel "Danish Offshore Winds" zieht ein ausgesprochen positives Resümee. Sie basiert auf achtjährigen Untersuchungen möglicher Auswirkungen der beiden großen Windparks vor der dänischen Küste: das ist zum einen das 80-Turbinen-Projekt Horns Rev des Energiekonzerns Elsam, der 2002 in Betrieb genommen wurde; zum anderen das von Energie E2, Dong, Sydkraft und Seag entwickelte 72-Turbinen-Projekt Nysted, das seit 2003 erneuerbare Energie erzeugt.

Die Autoren der Studie haben festgestellt, dass sich der Betrieb der Windturbinen auf See kaum auf die Vogelwelt auswirkt. Wie die Auswertung von Radardaten ergebe, fliegt die Hälfte der Vögel einfach einen Bogen um die Windparks. Die übrigen wechselten die Flughöhe und würden so eine Kollision mit den Windflügeln vermeiden. Schätzungen zufolge wurden diese im Durchschnitt höchstens einer von 5.000 passierenden Eiderenten zum Verhängnis. Geringfügig seien auch die Auswirkungen auf die übrige Tierwelt. So führten zwar die lautstarken Arbeiten bei der Errichtung der Windkraftanlagen dazu, dass sich etwa die Seerobben und Schweinswale vorübergehend aus der Gegend direkt um die Standorte zurückgezogen. Zum größten Teil kehrten sie der Studie zufolge jedoch nach Beendigung der Bauarbeiten wieder in ihre angestammten Reviere zurück.

Nahezu keine Auswirkungen stellte die Studie über die Offshore-Windparks auf die Fischwelt fest. Das als Fundament für die Turbinen künstlich geschaffene Riff war demnach der größte Eingriff in die natürlich Umwelt durch die Projekte. Das habe zwar die Anzahl und Vielfalt benthischer, also auf dem Gewässerboden lebender Lebewesen wie Muscheln und Krebse erhöht und damit grundsätzlich das Angebot an Schutz und Futterquellen erweitert. Es habe allerdings nicht zu einer von manchen Experten erwarteten Zunahme der Fischpopulationen geführt. Es seien lediglich vereinzelte Verhaltensänderungen von Fischen in unmittelbarer Nähe zu den ausgelegten Stromkabeln beobachtet worden.

Auch wie die Menschen auf die Offshore-Projekte vor der dänischen Küste im Laufe der Jahre reagierten, wird von der Studie behandelt. So hält sie fest, dass von Anfang an in der Bevölkerung generell die Zustimmung für Offshore-Windkraft überwog. Vor Ort, wenn solche Anlagen im Gesichtskreis der Bürger auszutauschen drohten, verkehrte sich dies zunächst ins Gegenteil. Selbst wenn diese von den Vorteilen der Anlagen überzeugt waren, so die Studie, würden sie Anlagen weiter draußen im Meer und außerhalb der Sichtweite zur Küste bevorzugen. Allerdings versöhnten sich viele Kritiker später mit den errichteten Projekten. Denn diese erleichtern nicht nur wie in Nystved Seglern die Einfahrt in den Hafen durch ihre nächtliche Beleuchtung. Sie haben sich auch zu Touristenattraktionen entwickelt, die Besucher anziehen und somit die Wirtschaft der nahen Küstenorte beleben.

Laut dem Report rechnet die dänische Regierung mit eine starken Beitrag von Offshore-Windparks für den weiteren Ausbau der Versorgung mit erneuerbarer Energie. Die vorgelegte Studie sei eine Richtschnur für die Errichtung weiterer umweltschonender Projekte. Offenbar gilt dies auch für Offshore-Projkete in anderen Regionen. Wie US-Medienberichten zu entnehmen ist, stieß die Untersuchung bereits auf eine große Resonanz in der dortigen Diskussion über geplante Windparks auf See. Aufgrund der Ähnlichkeiten der dänischen Windparks zu deren heiß diskutierten Projekt an der Ostküste der USA erhofft sich zum Beispiel die Projektierungsgesellschaft Cape Wind Schützenhilfe durch die dänische Studie. Ihr für den Standort "Horseshoe Shoal" nahe Nantucket vorgesehenes Projekt soll mit 130 mehr als 125 Meter hohen Windturbinen auf eine Leistung von 420 Megawatt kommen. Cape Wind hat während der letzten fünf Jahre Bewilligungen von mehr als einem Dutzend verschiedenen Behörden einholen müssen und konnte das Projekt noch immer nicht starten. Die dänische Studie mache jedem klar, dass "man schon sehr tief bohren müsse, um überhaupt negative Auswirkungen der Offshore-Windkraft zu entdecken", stellte Craig Olmstead gegenüber einem US-Portal fest. Er ist Vizepräsident der Cape Wind.

Bildhinweis: Die Studie sieht die Offshore-Windkraft in rosarotem Licht: zu Recht? / Quelle: Vestas; Offshore-Anlagen von GE Energy
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