Nachhaltige Aktien, Meldungen

12.4.2007: Frei lesbar: " Berater und Anleger müssen die Spreu vom Weizen trennen." - ECOreporter.de-Interview zum Sustainability-Congress 2007

Der Sustainability-Congress im ehemaligen Bonner Bundestag: dieses Jahr geht er in die dritte Runde. Er wird Vorträge für Fachleute bieten, über Mikrokredite, Klimawandel, Produktmarketing, Trends im nachhaltigen Investment, Biodiesel und Biogas (Näheres: www.sustainability-congress.de). Schirmherrin ist Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Umweltministerin des Landes Nordrhein Westfalen. ECOreporter.de befragte Björn Drescher, den Initiator des Kongresses, zur Stimmung im Vorfeld der Veranstaltung.


ECOreporter.de: Herr Drescher, ändern der Klimawandel und die Aufmerksamkeit, die die Öffentlichkeit ihm nun widmet, auch die Wahrnehmung des nachhaltigen Investments in Deutschland?

Björn Drescher: Auf jeden Fall. Leider kommt dieser Umschwung sehr spät, aber besser als nie. Umso erfreulicher finde ich es, dass wir bereits in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit unseren Sponsoren auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam machen konnten. Mit diesen Erfahrungen fühlen wir uns gut vorbereitet, sowohl hinsichtlich des Besucheransturms als auch der möglichen Fragen der Berater, Vermögensverwalter, Stiftungen, Banken und Medien. Schon jetzt sind mehr als 500 Eintrittskarten vorbestellt.


ECOreporter.de: Wo steht das nachhaltige Investment heute?

Björn Drescher: Unser erster Kongress stand noch unter dem Motto, "Sustainability, raus aus der Nische, rein in den Markt". Dieser Schritt ist heute geschafft! Die Mittelzuflüsse in Milliardenhöhe in die nachhaltigen Fonds in den letzten Monaten beweisen das. Auch das wachsende Produktsortiment lässt auf ein zunehmendes Interesse der Anleger an ökologischen Investments schließen. In zehn Jahren werden sich nur noch wenige Gesellschaften den Luxus erlauben können, dem Thema nachhaltige Kapitalanlage keine Aufmerksamkeit zu widmen.


ECOreporter.de: Die Klimaerwärmung wird Investitionsentscheidungen ändern. Welche Trends sehen Sie in erster Linie?

Björn Drescher: Es wird unter Staaten regionale und unter Unternehmen sektorale Gewinner und Verlierer des "Global-Warming-Phänomens" geben. Zu den "Gewinnern" der Entwicklung könnte unter anderem die Bau- und Energiewirtschaft zählen, die von Schutz- und Infrastrukturmaßnahmen profitieren würde, sowie die Pharma- und Chemieindustrie, die sich einen zunehmenden Bedarf nach Schädlings- und Krankheitsbekämpfung zunutze machen könnte. Der Markt für klimaschonende Technik könnte Prognosen zur Folge schon 2050 ein Gewicht von 500 Milliarden Euro haben und die ökologisch orientierte Industrie statt heute 1,7 Millionen Menschen dann schon 25 Millionen beschäftigen. Allein bis 2050 werden die im Zusammenhang mit dem Klimawandel entstehenden Kosten in Deutschland auf mehr als 800 Milliarden Euro geschätzt.


ECOreporter.de: Wie reagieren Produktanbieter derzeit?

Björn Drescher: Reihenweise neu aufgelegte Fonds zu den Themen Umwelt, Ökologie und Verknappung natürlicher Ressourcen (z.B. Wasser), und die hohen Mittelzuflüsse (z.B. DWS Zukunftsressourcen 1,3 Milliarden Euro in einem Jahr, DWS Klimawandel 100 Millionen Euro in 4 Wochen) zeigen uns, dass die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen sind und sich überdies auch gut vermarkten lassen. Wie immer wird es dabei auch zu Übertreibungen kommen, und nicht jeder Anbieter hat auch eine angemessene Expertise vorzuweisen. Berater und Anleger kommen also nicht umhin, sich mit der Thematik näher auseinander zusetzen und innerhalb der angebotenen Produktvielfalt die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn ökologische Investments sind mehr als eine Modeerscheinung, sie sind dringend erforderlich, sollen die Kapitalströme helfen, unsere Umwelt zu erhalten. Schließlich regiert Geld die Welt. Allerdings sollte man genauso scharf beobachten, wo die Begriffe wie Nachhaltigkeit, Ethik, Umwelt und Ökologie kommerzialisiert und zu Marketinggags entfremdet werden.


ECOreporter.de: Wer sich dazu informieren will, dem steht Ihr Kongress offen. Wer steht hinter dem Kongress?

Björn Drescher: Als Drescher & Cie GmbH haben wir zwar den Anstoß zum Sustainability-Congress geliefert, hätten diese Idee aber nicht ohne die Unterstützung der Produktgeber nachhaltiger Investments verwirklichen können. Erst Dank des besonderen Engagements der ersten Hauptsponsoren - Sarasin, Ökoworld und Pictet - für den jährlichen Kongress konnten wir die Planungen realisieren. Wir haben uns alle zusammen für eine professionelle Unterfütterung des Kongresses mit einer eigenen Veranstaltungs-GmbH und einem Trägerverein entschieden. Als Drescher & Cie GmbH verantworten wir in Abstimmung mit den Vertretern der Sponsoren lediglich die inhaltliche Gestaltung des Sustainability-Congress und führen durch das Programm.


ECOreporter.de: Was erwartet die Besucher bei dem Sustainability-Congress 2007?

Björn Drescher: Informationen, erstklassige Referenten und Diskussionspartner, z.B. Bärbel Diekmann, Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn und Mitglied des SPD Präsidiums. Weitere renommierte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft sind angefragt. Die Besucher erhalten ausreichend Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Experten aus dem nachhaltigen Investment und anderen Investoren. Gespannt sein darf man auch auf die Preisträger im Rahmen der Sustainability-Awards 2007, in den Kategorien "Nachhaltiges Unternehmen", "Nachhaltige technische Innovation" und "engagierter Journalismus über Nachhaltige Investmentthemen".

ECOreporter.de: Herr Drescher, vielen Dank für das Gespräch!

Bildhinweis: Björn Drescher. / Quelle: Unternehmen
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