12.07.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

12.7.2004: Wochenrückblick: Das neue EEG kommt - SolarWorld und Sunways erfolgreich - Tomra nach Bundesrats-Entscheid im Minus

In der vergangenen Woche gaben die Aktienindizes an allen großen Weltbörsen nach. Der DAX sank um zwei und der TecDAX um fünf Prozent. Drei Prozent verlor der Nikkei-225 in Japan. Der US-amerikanische Dow Jones Industrial Average sank um ein Prozent, der Nasdaq Combined Composite Index um drei Prozent. Der Euro verteuerte sich zum US-Dollar um ein Prozent auf 1,2415 Dollar.

Die Preise für das Rohöl sind gestiegen, sie erreichten für manche Sorten am Donnerstag fast wieder die Höchststände vom Mai 2004. Würde der Ölpreis um weitere zehn Prozent auf 45 Dollar je Barrel steigen und auf dieser Höhe verharren, wäre ein Abgleiten Deutschlands in die Rezession nicht auszuschließen. Das geht aus Äußerungen von Eckhardt Wohlers hervor. Er ist Leiter Internationale Makroökonomie beim Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv.

Der Bundesrat hat der Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) zugestimmt. Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf wurde wie erwartet eine Schlechterstellung der Windenergie im Binnenland durchgesetzt: Anlagen, die künftig an - nach politischer Einschätzung - unrentablen Standorten aufgestellt werden, erhalten nicht die höhere EEG-Vergütung für den eingespeisten Strom. Dies gilt für neue Windenergieanlagen, die weniger als 60 Prozent des Ertrages an einem Referenzstandort erreichen. Für andere Anlagen wird die Vergütung abgesenkt. Branchenverbände begrüßten dennoch die Entscheidung. Jetzt bestehe endlich Planungssicherheit für die Industrie und es könnten Investitionen in Milliardenhöhe getätigt werden, hieß es beispielsweise beim Bundesverband Erneuerbare Energie. Das Gesetz wird voraussichtlich Anfang August in Kraft treten.

Vestas Wind Systems A/S bestätigte Berichte, dass sämtliche Gondeln des Windparks Horns Rev vor der dänischen Westküste demontiert und an Land ausgebessert werden. In Abstimmung mit dem Betreiber Elsam und dem Zulieferer ABB sei entschieden worden, dass dies der beste Weg sei, um die Transformatoren und einen Teil der Generatoren auszuwechseln. "Erfahrung ist teuer, aber wertvoll", sagte Vestas" CEO Svend Sigaard. Dieser erste große Offshore-Windpark müsse ein Erfolg werden, er sei wichtig für die Führungsposition des dänischen Windturbinen-Herstellers, so Sigaard weiter. Die Reparaturarbeiten sollen im Herbst 2004 abgeschlossen sein. Über die Kosten wurde noch nichts bekannt. Vestas wies darauf hin, dass der Offshore-Windpark North Hoyle in britischen Gewässern seit seiner Inbetriebnahme im Juli 2003 gut arbeite. Das Unternehmen meldete des weiteren einen Auftrag im Umfang von 27 Millionen Euro aus Australien. Vestas gaben in Kopenhagen drei Prozent auf 87,50 Dänische Kronen nach.

Gamesa Eólica, Windturbinen-Tochter des Maschinenbauers Gamesa Corporación Tecnológica, berichtete über eine Bestellung aus Portugal. Das spanische Unternehmen gab den Wert des Auftrags mit "mehr als acht Millionen Euro" an. Der Kurs sank in Madrid auf 11,47 Euro, vier Prozent weniger als am Ende der Vorwoche.

Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG nannte vorab erste Ergebnisse des abgelaufenen Halbjahrs. Der Konzernumsatz habe rund 90 Millionen Euro erreicht, nach 40,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr des Vorjahres. Besonders erfreulich habe sich der Handel mit Modulen und Bausätzen entwickelt. Dieser habe bereits den gesamten externen Handelsumsatz des Vorjahres übertroffen, hieß es. Die SolarWorld-Aktie gab zwei Prozent auf 28,80 Euro nach.

Sunways AG, Herstellerin von Solarzellen und Systemtechnik, meldete Vertriebserfolge ihrer Wechselrichter. Im vergangenen Halbjahr seien insgesamt zehn Megawatt dieser Sunways-Geräte installiert worden. Um den zu erwartenden Anstieg der Nachfrage bedienen zu können, habe man die Produktionskapazitäten erweitert, teilte das Konstanzer Unternehmen mit. Der Kurs sank um zwei Prozent auf 3,94 Euro.

Die nicht börsennotierte Phönix SonnenStrom AG setzt auf japanische Dünnschicht-Solarmodule. In einer Freilandanlage im Landkreis Dillingen sollen mehr als 10.000 Module des Herstellers Mitsubishi Heavy Industries verbaut werden. Phönix, Projektierer und Großhänder für photovoltaische Anlagen aus Sulzemoos, sieht nach eigenen Angaben großes Potenzial für die Dünnschichttechnologie im Freilandbereich.

Der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller Ballard Power Systems Inc. sowie die beiden Autohersteller DaimlerChrysler AG und Ford Motor Co. haben nach Angaben von Ballard Power eine nicht-bindende Absichtserklärung (non-binding Memorandum of Understanding) getroffen. Der Erklärung zufolge werden die Autokonzerne die Brennstoffzellen-Sparte Ballard AG (vormals XCELLSIS) von Ballard Power vollständig übernehmen. Für den 50,1-prozentigen Anteil von Ballard Power an Ballard AG wollen DaimlerChrysler und Ford neun Millionen Ballard Power-Aktien an Ballard Power übertragen. Diese Aktien sollen danach eingezogen werden. Insgesamt würde sich die Anzahl ausstehender Aktien auf rund 113,8 Millionen vermindern. Der DaimlerChrysler-Anteil an Ballard Power würde sich auf 18,8 Prozent erhöhen und der von Ford auf 13,9 Prozent verringern. Die Vereinbarung bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsgremien. Ballard Power Systems rechnet nach eigenen Angaben mit einem Verlust von 18 Millionen Dollar im dritten Quartal in der Folge dieser Transaktion. Der Ballard Power-Kurs brach an der New Yorker Börse Nasdaq um 22 Prozent auf 7,26 Dollar ein. Das Unternehmen teilte unterdessen mit, dass man den Vertrieb von Wechselrichtern für photovoltaische Anwendungen in den USA vorbereite.

Die breite Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen ist ein Kampf gegen die Globalisierung und den Neoliberalismus, gegen kurzsichtige Gewinnmaximierung und Sonderinteressen mächtiger Gesellschaften im Öl-, Atomkraft- und Kohlesektor. Das schrieb Preben Maegaard im Vorwort zu dem Buch "Praktische Visonen", einer Festschrift zum sechzigsten Geburtstag von Dr. Hermann Scheer. Maegaard ist Direktor des "Danish Folkecenter for Renewable Energy". ECOreporter.de hat den Text des Vorworts auf seinen Internetseiten veröffentlicht.

Um acht Prozent auf 12,25 Euro stürzte der Kurs des Energiedienstleisters MVV Energie AG. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hatte über angeblich drohenden Abschreibungsbedarf des Mannheimer Unternehmens berichtet. MVV werde deshalb weniger investieren, um die Kosten senken, so die Zeitung. MVV hatte bereits im März 2004 "Portfoliobereinigungen" angekündigt, die zu Aufwendungen von maximal 52 Millionen Euro führen würden. Wie die FAZ nun vermutet, könnte sich diese Zahl auf bis zu 100 Millionen verdoppeln. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg sowie von Independent Research empfahlen, die MVV-Aktien zu "halten".

Aixtron AG, Spezialmaschinenbauer für die Halbleiterindustrie, berichtete über einen langlaufenden Auftrag der Lumileds Lighting, eines US-amerikanischen Herstellers von Leuchtdioden. Nach Angaben des Aachener Unternehmens sei dies der größte Auftrag, den man jemals erhalten habe. Die Aixtron-Aktie notierte am Freitagabend unverändert zur Vorwoche bei 5,37 Euro.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG wird laut einer Unternehmensmitteilung vier Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,5 Megawatt in Oberösterreich errichten. Über den Zeitrahmen und den finanziellen Wert der Aufträge wurde nichts bekannt. Die Aktie verteuerte sich in Wien um zehn Cent auf 28,85 Euro.

Tomra Systems ASA sackten in Oslo um 14 Prozent auf 28 Norwegische Kronen ab. Der Kurseinbruch ist offensichtlich Folge eines Beschlusses des deutschen Bundesrats, eine Entscheidung zum sogenannten Dosenpfand zu vertagen. Das Bundesumweltministerium wittert politische Ränkespiele: Einige Länder hätten wohl ihre eigenen Anträge in die Ausschüsse verschoben, weil sie eine Mehrheit hatten, hieß es aus dem Hause Trittin. Tomra ist Hersteller von Rücknahmegeräten für Getränkeverpackungen. Nach Einschätzung von Roland Demleitner, Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständischer Privatbrauereien, würden kleinere Brauereien durch das Verhalten dieser Länderregierungen benachteiligt und "getäuscht". Millionen Investitionen in das Mehrwegsystem würden damit aufgeschoben, sagte Demleitner.

Mehrere US-amerikanische Aktien mit Umweltbezug haben in der vergangenen Woche zweistellige Kursverluste erlitten. Hierzu zählen Plug Power Inc. (Wasserstoff/Brennstoffzellen), Evergreen Solar Inc. (Solarzellen) sowie Interface Inc. (Bodenbeläge). An der Frankfurter Börse fielen Solon AG (Solarmodule) mit einem Minus von elf Prozent auf 12,50 Euro auf.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Phönix SonnenStrom AG (unnotiert, ISIN DE0005309603 / WKN 530960)
Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.


Bildhinweise:
Montage einer Windkraftanlage / Quelle: Repower AG,
Solarworld-Modul / Quelle: Unternehmen,
MOVPE-Reaktor / Quelle: Aixtron AG
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