12.08.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

12.8.2004: Öko-Test AG gegen Natur-Aktien-Index-Muttergesellschaft Securvita: Heftiger Streit unter ehemaligen Freunden

Es wurde Recht gesprochen: Das Oberlandesgericht Hamburg hat in einem Verfahren entschieden, bei dem es aus Sicht nachhaltiger Geldanlage interessanter ist, wer sich streitet als worum es geht. Also: Die Hamburger Securvita ist ein Versicherungskonzern. Zu ihm gehört der Fonds green effects, der auf dem Natur-Aktien-Index basiert, über den Öko-Test häufig berichtete (und um den es in dem Streit nicht geht). Diese Securvita hat den Frankfurter Öko-Test Verlag verklagt, weil ihr verschiedene Artikel von Öko-Test über die Securvita als Krankenkasse nicht gefielen. Öko-Test ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft, die aus Sicht ethisch-ökologischer Aktionäre durchaus erwähnenswert ist. Bis vor einiger Zeit hat Öko-Test auch für Securvita gearbeitet, z.B. für das Securvita-Kundenmagazin. Aber diese Zusammenarbeit ist gestoppt. Umso heftiger, wie bei alten Beziehungen üblich, tobt nun der Krach. Denn Öko-Test schrieb beispielsweise im Oktober-2003-Heft, mit Kritik in Frageform: "Mit publikumswirksamen Kampf um Naturheiltherapien und günstigen Beitragssätzen hat sich die Hamburger Securvita BKK einen besonderen Ruf erworben und viele Mitglieder gewonnen. Doch inzwischen sind die Beiträge überdurchschnittlich hoch und die Leistungen nicht überragend. Ist das alternative Image reines Marketing?" Oder es hieß: "Securvita-Erfinder Thomas Martens und sein Reich.....Von dem gesamten Netzwerk profitiert vor allem einer: Thomas Martens".

Klar, dass das der Securvita gegen den Strich ging. Auch ein Öko-Test über Krankenkassen gefiel ihr wenig, denn Securvita kam da schlechter weg als die Hamburger sich selbst sehen. Securvita zog also vor Gericht. Ergebnis: Laut Securvita darf Öko-Test seit den Gerichtsentscheidungen dieser Woche mehrere Tests und Berichte nicht mehr veröffentlichen.

Der Öko-Test-Verlag habe in zwei Fällen verbindliche Unterlassungserklärungen abgegeben, heißt es weiter. Im dritten Fall sei eine vom Gericht bereits erlassene einstweilige Verfügung gegen das Blatt wirksam; die Berufung habe Öko-Test auf Druck des Oberlandesgerichts Hamburg zurückgezogen.

Öko-Test Chefredakteur Jürgen Stellpflug hat eine andere Sicht der Dinge. "Wir haben lediglich erklärt, dass wir ohne Anerkennung einer Rechtspflicht die Tests nicht mehr veröffentlichen", so Stellpflug auf Nachfrage von ECOreporter.de. Selbstverständlich dürfe Öko-Test den Artikel aus dem Heft 10/2003 weiter veröffentlichen. Das Gericht habe der Securvita auferlegt, alle Kosten für die beiden Prozesse durch beide Instanzen zu tragen, so Stellpflug. Das Oberlandesgericht habe Öko-Test die Unterzeichnung der Unterlassungserklärungen vorgeschlagen, um eine fruchtlose Verlängerung des Rechtsstreits zu vermeiden, so Stellpflug weiter. Der Verlag habe kein Interesse an einer nochmaligen Veröffentlichung der beiden Tests, nachdem im Mai 2004 sowohl die Beitragsübersicht wie der Leistungstest neu erschienen seien.

Dass die beiden Parteien um Äußerungen kämpfen, die dem Uneingeweihten nicht sofort erschließbar sind, zeigen folgende Passagen, die wir hier einfach wörtlich wiedergeben: In der Securvita-Meldung, die die ECOreporter.de-Redaktion gestern erreichte, heißt es: "Darüber hinaus hatte Öko-Test Informationen zu verschiedenen Krankenkassen verwechselt und falsche Kriterien benannt. Die Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht Hamburg stellte fest, dass Öko-Test seinen eigenen Test "ad absurdum" geführt habe." Öko-Test-Chef Stellpflug kommentierte dazu auf ECOreporter.-de-Anfrage: "In diesem Zusammenhang sagte die Richterin, der Informationsgehalt sei ihrer Meinung nach nicht besonders hoch und der Test führe sich selbst ad absurdum. Keinen Zweifel ließ das Gericht allerdings daran, dass wir den Tests so anlegen durften. Das ist wichtig, weil die Kammer für Handelssachen des Landgerichts, die zwar nicht zuständig war, wie die tatsächlich zuständige Pressekammer jetzt festgestellt hat, genau damit die einstweilige Verfügung begründet hat."

Öko-Test, seit 2001 eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Öko-Test Holding AG, hat seine Anteilseigner für den 20. August nach Frankfurt/M. zur Hauptversammlung eingeladen. Im Geschäftsjahr 2002/03 erwirtschaftete die Gesellschaft einen Nettoverlust in Höhe von 18.300 Euro.

Bild: Logos der Firmen Securvita und Öko-Test
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