12.08.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

12.8.2004: Viel Sonne, wenig Wolken über Solarbranche - Sarasin-Studie: Photovoltaik-Markt wächst 2004 um ein Drittel

Für die deutschen Hersteller im Bereich Photovoltaik werde 2004 - vor allem Dank EEG-Novelle und der seit 1. August rechtskräftigen neuen Vergütungsregelungen für Solarstrom - zum Rekordjahr, heißt es in einer Branchenstudie aus der Research-Abteilung des schweizer Geldhauses. Bereits nach den ersten sechs Monaten sei abzusehen, dass der Markt in diesem Jahr aufgrund gefestigter Rahmenbedingungen um mehr als 50 Prozent wachsen werde. Auch die weiteren Aussichten seien viel versprechend, auch wenn es Unsicherheitsfaktoren wie zum Beispiel die Rohstoffversorgung mit solarem Silizium gebe.

Durch die vorteilhafte Vergütung und den Wegfall der Größenbegrenzung legten derzeit sowohl Kleinanlagen mit rund 30 Quadratmetern Modulfläche auf Eigenheimen als auch Großanlagen mit über 10.000 Quadratmetern Solarmodulen zu, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie. Die Auftragsbücher der Modulhersteller seien derzeit prall gefüllt.

Mehr als eine Milliarde Euro sei in den vergangenen fünf Jahren in den Aufbau von neuen Zell- und Modulproduktionskapazitäten investiert worden. "Bis Ende 2004 sollen die Kapazitäten laut Angaben der Unternehmen insgesamt um rund 50 Prozent zunehmen. Die meisten Zell- und Modulhersteller stehen darüber
hinaus vor weiteren Investitionsentscheidungen. Ende 2005 ist daher mit einem zusätzlichen Kapazitätsausbau zu rechnen." Die Studie kommt zu der Einschätzung, dass das weltweite Wachstum des diesjährigen Photovoltaikmarktes voraussichtlich eine Größenordnung von 33 Prozent erreiche. Das entspreche einer Zellproduktion von rund einem Gigawatt.

Die Bank Sarsin macht außerdem eine zunehmende Exportorientierung der deutschen Photovoltaikhersteller aus. Während 2003 noch rund die Hälfte der installierten Solarmodule importiert worden sei - als Gründe werden Kapazitätsengpässe bei den deutschen Herstellern und verstärkte Aktivitäten japanischer Anbieter auf dem europäischen Markt genannt - wüchsen derzeit die Kapazitäten der deutschen Hersteller stärker als der heimische Markt. Das deutet der Bank Sarasin zufolge auf "die Hinzugewinnung von Marktanteilen im In- und Ausland". Die Prognosen zeigten, dass bereits im Jahr 2006 ein deutlicher Überhang der deutschen Produktion gegenüber der installierten Leistung zu erwarten sei. "In dieser Situation ist der Aufbau von internationalen Vertriebskanälen und eine Steigerung der Exportquote für die deutsche Solarindustrie ein Muss", erklärt Andreas Knörzer, der Leiter Sustainable Investment bei Sarasin, die Herausforderungen, vor der die Branche steht.

Aufgrund der Ausbaupläne der deutschen Modulhersteller erwartet die Bank Sarasin in den nächsten drei Jahren einen Anstieg der Produktionskapazitäten von 135 Megawatt (Ende 2003) auf rund 500 Megawatt (Ende 2006). Die Modulproduktion soll im gleichen Zeitraum von 80 Megawatt auf 380 Megawatt
zulegen. Für die in Deutschland installierten Anlagen wird eine Fortsetzung des mittelfristigen Wachstumstrends prognostiziert. Bis Ende 2006 dürfte die jährliche Neuinstallation von 150 Megawatt (Ende 2003) auf 400 Megawatt ansteigen.

Mittelfristige Risiken könnten sich für die Photovoltaikindustrie in Deutschland und weltweit durch die Verknappung von Rohstoffen ergeben, heißt es in der Studie. Diese Bedenken gegenüber solarem Silizium hätten Branchenvertreter auf der europäischen Photovoltaik-Konferenz in Paris Anfang Juni 2004 geäußert. Die Situation erscheine jedoch weniger drastisch als mitunter geschildert. So gäbe bereits verschiedene Projekte zum Aufbau von Produktionskapazitäten für solares Silizium.

Längerfristig hätten außerdem die nach wie vor hohen Stromerzeugungskosten großen Einfluss auf die Marktentwicklung. "Sofern sich keine größeren technologischen Durchbrüche abzeichnen, wird die öffentliche Förderung für die Solarindustrie sehr wichtig bleiben. Daraus ergeben sich latente Risiken. Im deutschen Markt, der weltweit wohl von den attraktivsten Förderbedingungen profitiert, könnte zum Beispiel ein Regierungswechsel zu Änderungen am gerade verabschiedeten EEG führen", so Knörzer.
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