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12.8.2006: Entscheidung über Konkurseröffnung im Fall Prime Forestry voraussichtlich erst in einigen Monaten - Anwalts-Bericht zum aktuellen Stand

Gegen die Konkurseröffnungsverfügung der Prime Forestry AG wurde beim Schweizerischen Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Das teilten die Rechtsanwälte Karl Wüthrich und Yves Meili von der Züricher Anwaltskanzlei Wenger Plattner mit, die als sogenannte "Konkursliquidatoren" der Prime Forestry tätig sind. Mit dem definitiven Entscheid des Bundesgerichts sei erst in einigen Monaten zu rechnen, hieß es.

Wie die Anwälte weiter mitteilen, wurden 780 Gläubiger der Prime Forestry Switzerland AG registriert. Der Gesamtbetrag der Investitionen von Baumpartnern der Gesellschaft beläuft sich gemäß Debitorenbuchhaltung auf 63 Millionen Schweizer Franken (CHF).

Die Gesellschaft verfüge nur über wenige werthaltige Aktiven. Sämtliche größeren Geräte, Maschinen etc. sowie zahlreiche Fahrzeuge seien nur über Leasingverträge genutzt worden. Die Beteiligungen an Tochtergesellschaften seien weitgehend wertlos. Werthaltig seien die direkt verfügbaren Guthaben, insbesondere bei Banken, in der Höhe von ca. 1,6 Millionen CHF gewesen.

Die Verwertung von Aktiven im aktuellen Verfahrensstadium sei noch nicht zulässig. Ausnahmen seien u.a. möglich, wenn Vermögenswerte schneller Wertverminderungen ausgesetzt seien. In diesem Sinne haben die Konkursliquidatoren laut dem Bericht mit Zustimmung der Eidgenössischen Bankenkommission eine Vereinbarung mit einer Investorengruppe abgeschlossen, welche für die damals noch nicht bestehende Forests for Friends AG gehandelt habe. Gegenstand der Vereinbarung seien:

Der Verkauf sämtlicher Aktien von Prime Forestry Panama SA zum Betrag von 1,00 CHF sowie sämtlicher Forderungen von Prime Forestry Switzerland AG gegenüber Prime Forestry Panama SA zum Betrag von 460.000 US-Dollar. Forests for Friends AG habe im Gegenzug die Verpflichtung übernommen, den Weiterbestand der Teakplantagen nach Möglichkeit sicher zu stellen und allen bisherigen Baumpartnern ein faires Angebot zum Tausch ihrer "Rechte" an Bäumen gegen Aktien zu unterbreiten. Zusätzlich habe die Investorengruppe die äußerst zeitkritische Versorgung der Prime Forestry Panama SA mit Liquidität übernommen. Ohne solche Überbrückungsliquidität seitens Dritter wäre über Prime Forestry Panama SA noch im Mai 2006 innert Tagen der Konkurs eröffnet worden.

Forests for Friends AG sei somit Alleinaktionärin von Prime Forestry Panama SA und indirekt der Plantagen.

Wie die Anwälte weiter berichteten, wurden die Büros der Prime Forestry in Zürich 1.350 Quadratmeter Bürofläche auf 4 Etagen aufgelöst. Die Monatsmiete betrug den Angaben zufolge cirka 45.000 CHF. Der Vertrag sei bis 31. Dezember 2010 fest abgeschlossen gewesen.

Die Abklärung der Ursachen für den Konkurs und der Verantwortung der vormaligen Organe sei noch nicht abgeschlossen, hieß es; sie werde im Wesentlichen zu denjenigen Aufgaben gehören, die erst nach vollständiger Rechtskraft des Konkurserkenntnisses abgeschlossen werden könnten.

Die Bereitschaft der bisherigen Baumpartner, sich an der Forests for Friends AG zu beteiligen, sei außerordentlich hoch. Alle Beteiligten gingen davon aus, dass die Rettung der Plantagen zugunsten der Baumpartner planmäßig verlaufe. Auch die Konkursliquidatoren hätten keinen Anlass, am Erfolg der Aktion zu zweifeln.

Baumpartnern, welche sich bislang noch nicht zu einer Absichtserklärung gegenüber Forests for Friends AG entschieden hätten, hätten Gelegenheit, dies noch nachzuholen. Wenn es der Forests for Friends AG den aktuellen Erwartungen entsprechend gelinge, die Plantagen in Panama zu retten, könne der einzelne Baumpartner durch seine Beteiligung den bei ihm durch den Konkurs eintretenden Schaden möglicherweise substantiell reduzieren bzw. völlig abwenden.

Aus technischen und personellen Gründen sei es nicht möglich, jedem Baumpartner die Koordinaten der Grundstücksfläche mitzuteilen, auf denen die von ihm "erworbenen" Bäume wachsen. Die Daten befänden sich nicht bei Prime Forestry Switzerland AG und könnten nur mit Spezialkenntnissen verfügbar gemacht werden. Möchte ein Baumpartner sich in Panama als "Eigentümer" bestimmter Bäume ausweisen und dieses "Eigentum" gegenüber Dritten durchsetzen, würden ihm deshalb die notwendigen individualisierenden Daten fehlen.
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