14.10.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

13.10.2004: Nachhaltigstes Automobilunternehmen? Wenn Kunden gegen die Menschenrechte verstoßen: Hintergründe zum "Hinrichtungs-Toyota"

Das positive Image der Toyota Motor Corporation, branchenbester Automobilhersteller im Nachhaltigkeitsindex DJSI World und in vielen Nachhaltigkeitsfonds enthalten, hat durch einen Bericht über den so genannten "Hinrichtungs-Toyota" Kratzer bekommen. Die "Zeit" hatte in einem Artikel dargelegt, dass der Konzern Fahrzeuge an den chinesischen Staat liefert, die von der im Sichuan ansässigen Firma Jinguan ("Goldene Krone") zu einer mobilen Hinrichtungsanlage umgerüstet werden. Die umgebauten Busse dienen demnach dazu, Delinquenten "zur Abschreckung" in der Nähe des jeweiligen Tatortes mittels Giftspritze hinzurichten. Bisher seien in China nach Medienberichten 19 Hinrichtungswagen im Einsatz. Umgerechnet auf seine Bevölkerungszahl weist China laut der Menschenrechtsorganisation amnesty international eine der höchsten Exekutionsraten der Welt auf. Die "Zeit" zitiert Tetsuo Kitagawa, Leiter der Abteilung für internationale Öffentlichkeit in der Tokyoter Toyota-Zentrale, mit der Aussage: "Der Kunde ist ein Staat. Ob wir da nein sagen können?"

Inzwischen reagiert das in diesem Jahr als umweltfreundlichste Firma Japans ausgezeichnete Unternehmen jedoch anders. Gegenüber ECOreporter.de bestätigte eine Sprecherin der Toyota Deutschland GmbH, dass von der Sichuan Toyota Motor Co. die erwähnten Busse vom Typ Coaster an den chinesischen Staat verkauft wurden. Für das Jahr 2003 bezifferte Petra Alefeld-Wehner die Zahl der gelieferten Busse mit 3.100 Stück. Die Muttergesellschaft Toyota Motor Corp. habe nichts von dem geplanten Umbau der Busse in Hinrichtungsbusse gewusst. Coaster würden normalerweise als kleine Reisebusse eingesetzt und seien als solche auch verkauft worden. Hätte Toyota von dem geplanten Umbau erfahren, wären die Busse laut Alefeld-Wehner nicht an den chinesischen Staat verkauft worden.

Man habe bei Toyota schockiert auf die Nachricht von der Umrüstung reagiert, so die Toyota-Sprecherin weiter. Zumal viele Kunden sich darüber betroffen geäußert hätten. Das Unternehmen sieht sich selbst als Opfer, sein Produkt auf "perfide" Weise durch die "außergewöhnlich grausame" Anwendung missbraucht. Das Vertrauensverhältnis zu seinen übrigen Kunden werde dadurch beeinträchtigt. Demzufolge fällt die Stellungnahme von Alefeld-Wehner eindeutiger aus als die von der "Zeit" zitierte ihres japanischen Kollegen: Toyota werde in Zukunft keine Busse verkaufen, wenn ersichtlich sei, "dass diese zu Tötungsmaschinerien umgebaut werden sollen." Einschränkend wies sie jedoch auf das Problem hin, dass solche Absichten der Kunden im Vorfeld kaum zu ermitteln sein. Auf Nachfrage von ECOreporter.de stellte die Toyota-Sprecherin explizit fest: "Wir verurteilen die Todesstrafe." Allerdings könne sie nicht für den gesamten Konzern sprechen, sondern nur für die Toyota Deutschland GmbH.

Toyota Motor Corp.: ISIN JP3633400001 / WKN 853510

Bildhinweis: Toyota-Bus vor der Umrüstung zur Hinrichtungsstätte / Quelle: Unternehmen
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