13.10.05 Erneuerbare Energie

13.10.2005: "In Polen k?nnen mit der Erzeugung von Windstrom angemessene Renditen erzielt werden" - ECOreporter.de-Interview mit Klaus ?verm?hle

Die deutsche Windkraftbranche dr?ngt verst?rkt ins Ausland. Ein nahe gelegener und interessanter Windmarkt ist Polen. Bis zum Jahr 2010 will die Regierung in Warschau die installierte Windkraftleistung mindestens verzehnfachen. Welche Bedingungen herrschen auf diesem Windmarkt, wo liegen für Investoren die Chancen, wo die Risiken? Antworten auf diese und weiteren Fragen gab Klaus ?verm?hle vom Beratungsunternehmen ?verm?hle Consult & Marketing GmbH im aktuellen ECOreporter.de-Interview.

ECOreporter.de: Wie gro? ist der Anteil der Windkraft an der Stromversorgung in Polen, wie gro? ist der Anteil der Erneuerbaren Energien dort insgesamt?
Klaus ?verm?hle: Im Jahr 2000 wurde durch die polnische Regierung ein Quotensystem für regenerative Energien eingef?hrt. Es wurde eine Verordnung durch das Wirtschaftsministerium erlassen, die die Energieunternehmen verpflichtete, mindestens 2,4 Prozent des im Jahr 2001 verkauften Stroms aus erneuerbare Energien zu produzieren oder einzukaufen. Die Mindestquote erh?ht sich bis auf 7,5 Prozent im Jahr 2010. Trotz der Einf?hrung der Quotenregelung sind in Polen bislang erst etwa 60 Megawatt an Windenergieleistung installiert. Der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung betr?gt daher unter 0,1 Prozent. Der gr??te Windpark befindet sich in der N?he von Wollin mit 15 Vestas 2,0 MW-Anlagen.

Die gesamten regenerativen Energien machen an der polnischen Stromversorgung im Jahr 2004 etwa 2,4 Prozent aus, wobei die Wasserkraft mit Abstand die gr??ten Beitr?ge mit 2,25 Gigawattstunden leistet. Die polnische Stromversorgung mit einer installierten Kapazit?t von etwa 34.000 Megawatt und einer Energieproduktion von 153.300 Gigawattstunden basiert zu mehr als 90 Prozent auf der Verbrennung der heimischen Stein- und Braunkohle.


ECOreporter.de: Wie wird aus Windenergie erzeugter Strom in Polen bezahlt?
Klaus ?verm?hle: Der Strom aus Windenergie wird mit 120 Zloty pro Megawatt verg?tet (1 Zloty = 0,26 Euro). Dieser Preis wird j?hrlich durch die Regulierungsbeh?rde URE neu festgelegt und orientiert sich an den durchschnittlichen Preissteigerungen für konventionellen Strom. Daneben erh?lt der Erzeuger von regenerativen Strom einen Herkunftsnachweis bzw. ein Zertifikat, das seit dem 1.10.2005 an der Warenb?rse frei handelbar ist. Wir gehen davon aus, das sich hier ein Preis von 220 bis 240 Zloty pro Megawatt einpendeln wird. Eine langfristiger Verkauf auf 10 bis 20 Jahre dieser Zertifikate bei fester Preisbindung ist m?glich. Der Gesamtpreis des Windstroms wird sich nach unserer Einsch?tzung zwischen 320 und 360 Zloty pro Megawattstunde einpendeln, was in etwa 80 bis 90 Euro entspricht.


ECOreporter.de: Wie lukrativ ist das Gesch?ft mit der Windkraft in Polen?
Klaus ?verm?hle: Bei Windgeschwindigkeiten an der polnischen Ostseek?ste um die 6,9 m/s in 100 Meter Nabenh?he, bei in etwa gleichen Investitionskosten wie in Deutschland und unter Einbeziehung von Investitionszusch?ssen k?nnen in Polen angemessene Renditen mit der Erzeugung von Windstrom erzielt werden. Bedingt durch die h?heren Risiken (u.a. Wechselkurs, keine Mindestpreisregelung ?ber 20 Jahre) erwarten die Investoren eine Rendite, die zwei bis drei Prozent h?her liegt, als in deutschen Windprojekten.


ECOreporter.de: Wie ist es um die Netzanschlussm?glichkeiten in Polen bestellt?
Klaus ?verm?hle: Die Netzanschlussm?glichkeiten an der windreichen Ostseek?ste zwischen Stettin-Wollin-Koczalin-Slupsk-Danzig sind nat?rlich begrenzt. Es stehen nach Aussagen des für Netzstudien zust?ndigen "Institute of Power Engineering" aus Danzig etwa 1.500 bis 1.700 Megawatt an freier Kapazit?t zur Verf?gung. Dies unter der Pr?misse, dass regional begrenzte Netzverst?rkungen im 110 KV-Netz vorgenommen werden, aber keine neuen Hochspannungsleitungen gebaut werden m?ssen. Von diesen freien Kapazit?ten sind aber nach unserer Einsch?tzung bereits weit mehr als die H?lfte durch verbindliche Netzanschlusszusagen fest an Projektentwickler bzw. Investoren vergeben. Die Netzsituationen im S?d-Osten ist erheblich besser, da dort prim?r die polnische Energie- und Schwerindustrie angesiedelt ist, mit sehr gut ausgebauten und leistungsstarken Netzen. Das Gleiche gilt für den Gro?raum Warschau. Inwieweit in diesen Regionen die Windverh?ltnisse ausreichend sind, um Windenergienutzung unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen zu betreiben, muss noch ermittelt werden.


ECOreporter.de: Inwiefern bef?rdert die Regierung in Warschau den Ausbau der Windkraft in Polen? Mit welchem Ziel?
Klaus ?verm?hle:Die polnische Regierung will die regenerativen Energien weiterhin f?rdern. Gem?? der "Strategie zur Entwicklung der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020" ist weiterhin das politische Ziel, bis zum Jahr 2010 zwischen 600 und 1.600 MW an Windenergieleistung zu installieren. Um die angestrebten Werte zu erreichen, wurde Anfang des Jahres das polnische Energiegesetz mit erheblichen Verbesserungen für die erneuerbare Energien, unter Beibehaltung des Quotensystems novelliert. Nachfolgend die wichtigsten Neuerungen:
- Verpflichtung der Energieversorger die angebotene regenerative Energie vollst?ndig aufzukaufen. Der Preis betr?gt den durchschnittlichen Verkaufspreis der elektrischen Energie des Vorjahres, der durch den Pr?sidenten der Regulierungsbeh?rde bekannt gegeben wird.
- Schaffung von Herkunftsnachweisen/Verm?gensrechten für regenerativ erzeugten Strom und deren Handel an der Warenb?rse für Energie "Towarowa Gielda Energii S.A." ab 01.10.2005
- Festlegung einer verbindlichen "Ersatzgeb?hr" (maximal 240 Zloty pro Megawatt), wenn die Energieversorger die festgelegten Quoten nicht erf?llen
- Beteiligung der Energieversorger mit 50 % an den Anschlusskosten für regenerative Energieerzeugungsanlagen (befristet bis 31.12.2010)
- ?nderung der Bilanzierungsmethode für Windenergie


ECOreporter.de: Welche Hindernisse stehen dem Ausbau der Windkraft in Polen im Weg?
Klaus ?verm?hle: Die gesetzlichen Regelungen in Polen sind jetzt eindeutiger und m?ssen konsequent durchgesetzt werden. Hier ist man auf einem guten Wege. Aktuell gibt es noch eine recht gro?e Unwissenheit bei den zust?ndigen regionalen Beh?rden, die für die Bebauungsplan?nderungen zust?ndig sind. Das f?hrt oft zu Verz?gerungen bei den Baugenehmigungen. Eine bessere Information und Abstimmung unter den einzelnen zust?ndigen Institutionen w?re sehr hilfreich. Grunds?tzlich ist die Akzeptanz in den Gemeinden gegen?ber der Windenergienutzung gro? und entsprechende Unterst?tzung erfahren die solide geplanten Projekte vor Ort.


ECOreporter.de: Welche Auswirkungen hat die Mitgliedschaft in der EU für den Ausbau der Windkraft in Polen?
Klaus ?verm?hle: Der EU Beitritt Polens im Mai 2004 hat nat?rlich den erneuerbaren Energien zus?tzliche Impulse gegeben. Die oben genannten gesetzlichen Verbesserungen w?ren ohne den Beitritt sicherlich nicht so schnell und konsequent politisch durchgesetzt worden. Die EU Ziele hinsichtlich der erneuerbaren Energien für Polen sind noch bedeutend h?her, als die jetzt schon sehr ambitioniert erscheinenden 7,5 Prozent in 2010. Die Anstrengungen im Land m?ssen daher noch weiter forciert werden, was sicherlich zu neuen Impulsen f?hrt. Ein weiter positiver Aspekt ist, dass jetzt F?rdergelder für den Ausbau der Windenergie zur Verf?gung stehen, die die Projekte wirtschaftlich attraktiv machen.


ECOreporter.de: Inwiefern k?nnen Unternehmen aus dem Ausland in Polen in Windkraft investieren? Inwiefern ist dies schon geschehen? Inwiefern ist dies zu empfehlen, wo liegen die Risiken?
Klaus ?verm?hle: Ausl?ndische Unternehmen k?nnen weitestgehend unbegrenzt in polnische Windparks investieren. Die Betreibergesellschaft ist meisten eine in Polen ans?ssige Gesellschaft, mit ausl?ndischen Gesellschaftern, die das notwendige Eigenkapital stellen und das Fremdkapital am (internationalen) Kapitalmarkt akquirieren. Das aktuelle Interesse von Investoren an polnischen Windparks ist sehr gro?. Nach unseren Wissenstand wollen besonders englische, amerikanische aber auch spanische Unternehmen in diesen Markt investieren. Beim gr??ten polnischen Windpark Wollin z.B. ist der d?nische Energieversorger Elsam der Hauptgesellschafter. Unsere Firma betreut seit 2002 als Berater u.a. die Entwicklung des 90 MW Windparks Resko, der von einem spanischen Investor geplant wird.


ECOreporter.de: Welches sind die Hauptunterschiede zwischen den Stromm?rkten und den Windm?rkten in Deutschland und Polen? Welche Gemeinsamkeiten gibt es?
Klaus ?verm?hle: In beiden Stromm?rkten haben wir oligopolistische Anbieterstrukturen mit ?berkapazit?ten bei den Erzeugungskapazit?ten, die besonders in Polen gr??tenteils veraltet sind. Obwohl beide M?rkte liberalisiert sind, wird der polnische Strompreis für die Privatverbraucher (etwa 8 Cent per Kilowattstunde) noch von der staatlichen Regulierungsbeh?rde (URE) j?hrlich festgesetzt. Das Niveau ist noch weit von einer wettbewerblichen Preisstruktur entfernt. Zum Beispiel betrug der durchschnittliche Strompreis in Deutschland im Jahr 2004 Cent 17 per Kilowattstunde. Wir gehen daher von weiter stark steigenden Strompreisen in Polen aus. Im Gegensatz zu Deutschland wird der Pro-Kopf Energieverbrauch (und damit auch der Stromverbrauch) in Polen in den n?chsten Jahren weiter steigen. Im Jahr 2002 betrug der Gesamtenergieverbrauch je Einwohner 1.409 (Kilogramm Roh?leinheiten), w?hrend der durchschnittliche Verbrauch in den15 alten L?nder der EU etwa 2.541 (Kilogramm ROE) betrug. Hier wird es sicherlich in den n?chsten Jahren eine Angleichung geben.

In Deutschland haben wir für Strom aus Windenergie eine Mindestpreisverg?tung (Erneuerbare- Energien-Gesetz). Die Verg?tungsh?he pro Kilowatt wird für 20 Jahre im voraus garantiert. In Polen haben wir ein Quotenmodel und Zertifikatshandel, wo sich entsprechende Marktpreise bilden. Die Gesamtverg?tung wird daher variabel sein, was entsprechende Risiken, aber auch Chancen bietet. Wer in Polen in Windparks investiert, muss die Funktion eines "Independent Power Producer" ?bernehmen wollen und k?nnen, um wirtschaftlich wirklich erfolgreich zu sein. Nicht ohne Grund sind in Polen prim?r englische Investoren aktiv, da das polnische Verg?tungssystem dem in England ?hnlich ist und dort positive Erfahrungen damit gemacht wurden.

ECOreporter.de: Wo k?nnen sich interessierte Unternehmen ?ber das Windgesch?ft in Polen informieren, welche Ansprechpartner gibt es?
Klaus ?verm?hle: Interessierte Firmen k?nnen sich bei der Deutschen Energie Agentur (www.dena.de und www.exportinitiative.de) informieren. Daneben stehen wir nat?rlich gerne als Berater zur Verf?gung.


ECOreporter.de: Wie wird sich der Anteil der Windkraft in Polen Ihrer Meinung nach in den n?chsten Jahren entwickeln?
Klaus ?verm?hle: In 2006 werden voraussichtlich 100 bis 150 Megawatt in Polen an Windenergie neu errichtet. Bis zum Jahr 2010 sind nach unserer Einsch?tzung insgesamt 1.000 bis 1.600 Megawatt realistisch. Viele Windenergieanlagen-Hersteller und Zulieferer pr?fen zur Zeit, auch Produktionskapazit?ten in Polen zu errichten, um eine entsprechende Wertsch?pfung im Lande zu erzielen. Diese Vorhaben werden stark von der polnischen Regierung unterst?tzt und erh?hen weiter die Akzeptanz der Windenergienutzung in der Bev?lkerung.


ECOreporter.de: Herr ?verm?hle, wir danken Ihnen für das Gespr?ch.

Bildhinweise:
Klaus ?verm?hle / Quelle: ?verm?hle Consult & Marketing GmbH;
Errichtung eines Windkraftanlage / Quelle: REpower AG;
Windpark in Deutschland / Quelle: Unternehmen


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