13.11.04 Erneuerbare Energie

13.11.2004: Windkraftpioniere an der Küste rüsten nach - Interview mit Dirk Ketelsen, dem Initiator des bisher größten deutschen Repowering-Projekts in den Reußenkögen

Die Windparks in den Reußenkögen stellen ein Paradebeispiel für ein Repowering-Projekt dar. Repowering steht für den Ersatz alter Windkraftanlagen durch neue mit größerer Leistung. Nirgends in Deutschland sind bislang mehr Anlagen auf einem Fleck ersetzt worden. Und die Betreiber der Bürgerwindparks in den Kögen haben den Umbau nicht nur zur Leistungssteigerung genutzt, sie haben das Terrain zugleich neu geordnet. Alte Anlagen auf Nichtvorrang-Flächen wurden abgebaut, ihre Betreiber konnten bei Neubauten an neun Standorten auf Vorrangflächen einsteigen. Alles in allem wurden 70 Millionen Euro in das Projekt investiert. ECOreporter.de hat Dirk Ketelsen, Projektierer und Geschäftsführer der Betreibergesellschaften für die Parks I,III und IV in den Reußenkögen, zu dem Repowering-Projekt befragt.

ECOreporter.de: Wie viel haben Sie in das Repowering insgesamt investiert?

Ketelsen: Wir haben ins Repowering allein rund 50 Millionen Euro investiert.

ECOreporter.de: Wie viele Anlagen standen früher auf der Flächen der Reußenköge, wie viele sind es heute?

Ketelsen: Da die neuen Turbinen mehr Platz beanspruchen, mussten wir die Gesamtzahl der Anlagen verringern. Früher hatten wir 35 Anlagen auf dem Gebiet der Parks Reußenköge I-III errichtet, nach Abschluss des Umbaus werden es noch 23 sein. Vier weitere Altanlagen aus Nichtvorangflächen haben wir ebenfalls abgebaut. Die Betreiber wurden in die Gesellschaften für Neuanlagen integriert. Zusätzlich haben wir in den Kögen neun neue Standorte für Windkraftanlagen entwickelt, so dass nun insgesamt 43 Anlagen dort arbeiten. Das Gesamtinvestment hat gut 70 Mio. Euro betragen.

ECOreporter.de: Haben Sie bei dieser Gelegenheit die Hersteller gewechselt?

Ketelsen: Beim Park Reußenköge I hatten wir vorher Enercons, Vestas und NEG Micons der Klasse um 500 kW, nun stehen dort Anlagen von Repower 2 MW, Vestas 2 MW und NEG Micons 2,75 MW. Bei Reußenköge II wurden Tacke-Anlagen (600 kW) gegen Vestas und Repower Anlagen (je 2 MW) ausgetauscht. Bei Reußenköge III Enercons gegen Vestas-Maschinen (ebenfalls 2 MW).

Bei den Windparks I, III und IV wurden acht weitere Neuanlagen zu jeweils 2 MW (4 x Repower und 4 x Vestas) auf neuen Flächen errichtet. Zwei weitere sind in Planung. Nach Errichtung der letzten beiden Anlagen sind wir in den Reußenkögen mit dem Ausbau fertig. Die Gesamthöhe der Anlagen war zuvor zwischen 50 und 85 Meter. Mit Errichtung der 2 MW-Klasse sind wir auf eine Gesamthöhe von 100 Meter gegangen. Da die Bevölkerung (gleichzeitig die Betreibergesellschaft) keine nächtliche Beleuchtung - so genannter Diskoeffekt - möchte, haben wir die 100-Meter-Grenze eingehalten.

ECOreporter.de: Wie lange wird es dauern, bis das Repowering sich amortisiert?

Ketelsen: Das Investment wird sich in zirka 10 Jahren amortisiert haben.

ECOreporter.de: Warum haben Sie repowert?

Ketelsen: Das Gesetz für die Einspeisung Erneuerbarer Energien ist das Hauptmotiv. Da wir uns auf einem sehr guten Standort befinden, erhalten wir nur für eine begrenzte Zeit (bei den Neuanlagen 6-8 Jahre) eine erhöhte Vergütung nach EEG. Bei den Altanlagen zeichnete sich ein Auslaufen aus ökonomischen Gründen also ab. Durch die Inbetriebnahme der meisten Anlagen noch in 2003 haben wir uns bessere Vergütungssätze gesichert, was den Einwohnern der Reußenköge, die ausschließlich Gesellschafter der Bürgerwindparks sind, ihr zweites Standbein sichert. Es wurden für die Umsetzung des Repowerns vornehmlich hiesige Firmen eingesetzt. Die Anlagenauswahl fiel deswegen auch auf Firmen, die in Nordfriesland ansässig sind (Repower und Vestas) .

ECOreporter.de: Wie lange hat es für die Genehmigung gebraucht?

Ketelsen: Gut zwei Jahre.

ECOreporter.de: Wohin sind die Altanlagen gegangen? Wann sind sie errichtet worden?

Ketelsen: Der Windpark Reußenköge I wurde 1993 errichtet, Reußenköge II 1995, Reußenköge III 1997. Von den Altanlagen haben wir derzeit noch 8 Vestas frei zum Verkauf, die ich über meine Internetseite anbiete. Es gibt sehr sehr viele Interessenten, jedoch wenige, die bereits die Baugenehmigung und die Finanzierung haben. Es wurden bisher insgesamt 24 Anlagen nach Estland, Polen, Bulgarien, Holland, Korea und Burma verkauft. Weitere zwei Anlagen blieben bei Käufern in Deutschland, die die Anlage als Ersatzteil-Vorsorge gekauft haben.

ECOreporter.de: Wie viel Strom werden Sie nun produzieren?

Ketelsen: Die erwartete Stromproduktion der Anlagen nach dem Repowering beträgt 236.760.000 Kilowattstunden im Jahr, damit können 59.190 Haushalte versorgt werden.

ECOreporter.de: Wie teuer war der Netzanschluss? Gab es Probleme mit dem Netzbetreiber E.on?

Ketelsen: Wir haben ein eigenes Umspannwerk gemeinsam mit einem benachbarten Windpark errichten müssen, da die Anschlusskapazität im UW der E.on erschöpft war. In zwei Ausbaustufen ist unser Umspannwerk in Dörpum nun mit einer Gesamtübertragungsmöglichkeit von 103 MW ausgestattet, wovon 99,3 durch die e.on zum Anschluss freigegeben sind. Aus meiner Sicht klappt es mit der e.on soweit ganz gut, wenn man sich bewusst ist, dass es eben ein Riesenkonzern ist, der nicht unbedingt schnell und flexibel handeln kann. Wir merken zunehmend eine Öffnung und wohlwollende Haltung der E.on gegenüber Erneuerbare Energien.

Trotzdem gibt es natürlich auch temporäre Probleme. Ein Riesenproblem ist derzeit der "Stromstau". Wir können an windstarken Tagen nicht immer voll einspeisen. Bisher haben wir in diesem Jahr 15 mal das Signal der E.on für die Reduzierung der Einspeisung auf 60 % / 30 % und auch schon 0 % erhalten. Die Ursache liegt im mangelnden Netzausbau der E.on. Uns fehlt die Leitung von Nordfriesland zur Stromautobahn, die an der Ostseite Schleswig-Holsteins verläuft, in unserem Fall nach Flensburg. Die Überlandleitung ist erst vor zwei Jahren beantragt, und kann noch über Jahre im Genehmigungsverfahren stecken. Parallel wird von den Windpark-Betreibern ein Erdkabel favorisiert, was E.on für zu teuer hält. Eine Studie aber hat die Machbarkeit der Erdkabelverlegung bescheinigt. Schon in 2005 könnte es umgesetzt werden, wenn die E.on es begleitet. Diese Signalabschaltung kostet die Windparks in Schleswig-Holstein jährlich rd. 20 Mio. Euro an Einspeisungsvergütung, wovon wir mit unserem Umspannwerk einen großen Anteil verkraften müssen.

ECOreporter.de: Herr Ketelsen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweise: 1. Dirk Ketelsen, 2. Das Fundament einer alten Windkraftanlage in den Reußenkögen wird entsorgt, 3. Dirkshof in den Reußenkögen / Quelle: Dirkshof
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