13.01.03

13.1.2003: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Milliardengeschäft Dosenpfand: Jackpot für Tomra? - Studie: Deutsche kaufen kaum Ökostrom

(H.K.) In den großen Industrienationen wurden wieder verstärkt Arbeitsplätze abgebaut. Während der Anstieg der Arbeitslosenquote für Deutschland und Frankreich allgemein erwartet wurde, zeigten sich Volkswirte von den Zahlen aus den USA überrascht. Die USA gelten wegen ihrer starken Konsumnachfrage als einer der Motoren der Weltwirtschaft. Nach Bekannt werden der Arbeitslosenzahlen sanken einige Aktienindizes wie der deutsche DAX ab, während zugleich der Euro gegenüber dem Dollar an Wert gewann. Die US-Regierung will durch umfangreiche Steuersenkungen die Wirtschaft in Schwung bringen. Experten warnen allerdings vor dem absehbaren Anwachsen des Haushaltsdefizits der USA, in dessen Folge der Dollar weiter abwerten könnte. Für europäische Anleger könnte das bedeuten, dass der starke Euro eventuelle Kursgewinne US-amerikanischer Aktien schmälern und Verluste vergrößern würde, wenn diese in Europa gehandelt werden, oder wenn Verkaufserlöse in die europäische Währung konvertiert werden.

DAX und Nemax-50 verloren in der vergangenen Woche zwei Prozent. Dagegen stieg der amerikanische Dow Jones Industrial Average Index um zwei Prozent, der Nasdaq Combined Composite Index legte vier Prozent zu. Rohöl verteuerte sich um weitere drei Prozent.

Die Konjunkturerwartungen sind widersprüchlich. Während sich das Geschäftsklima in der Eurozone etwas aufgehellt hat und die Industrie über leicht steigende Auftragseingänge berichtet, äußern sich viele Volkswirte weiterhin pessimistisch hinsichtlich der Wachstumsaussichten in den Industrieländern. Die Wirtschaftsexperten der UNO haben dagegen ihre Prognosen leicht erhöht. Eine Militäraktion im Irak könne der Weltwirtschaft jedoch einen Schlag versetzen, heißt es im aktuellen Prognosebericht der UNO.

Eine Untersuchung des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat ergeben, dass das Potenzial des in Deutschland erzeugten Ökostroms bei weitem nicht ausgeschöpft wird. Zwar spreche sich jeder fünfte Haushalt für umweltfreundliche Energie aus und fast jeder zweite würde dafür auch mehr Geld ausgeben. Aber nur jeder hundertfünfzigste Haushalt beziehe derzeit tatsächlich Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft. Nur zwei Prozent des Erzeugungspotenzials würden nachgefragt, heißt es in dem Bericht, den das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zitierte.

Positive Geschäftszahlen präsentierte der Essener Energiekonzern RWE AG: Trotz der Liberalisierung des deutschen Strommarktes, die mehr Wettbewerb unter den Energieerzeugern bringen sollte, erzielte das Unternehmen kräftige Ergebnisverbesserungen im Strombereich, die vor allem auf gestiegene Preise zurückzuführen seien. In der Entsorgungssparte habe sich der Margendruck hingegen verschärft, was am Wettbewerbsdruck liege, erklärte RWE.

REpower Systems AG (WKN 617703) hat im Jahr 2002 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 222 Megawatt errichtet - zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Das wurde von dem Hamburger Windenergie-Unternehmen vorab mitgeteilt. Die Bilanz des Geschäftsjahrs will REpower am 26. März vorlegen. Analysten der WGZ-Bank nannten die REpower-Aktie einen "Qualitätstitel" und empfahlen, sie zu "akkumulieren". Für Deutschland seien die weiteren Wachstumsaussichten zunächst gering, Anleger sollten deshalb das Gelingen der internationale Expansion des Unternehmens beobachten, meinen die Analysten. REpower legten zehn Prozent auf 25,70 Euro zu.

Der Turbinenbauer Nordex AG (WKN 587357) kann bereits auf einen hohen Auslandsanteil seiner Umsätze verweisen. Aktuell berichteten die Norderstedter über Aufträge in Höhe von 25 Millionen Euro aus Japan und China, der Marktanteil in China liege aktuell bei 48 Prozent. Nordex kletterten vier Prozent auf 2,87 Euro.

Umweltkontor Finance, die Vertriebssparte der Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810), meldete ein starkes Jahresendgeschäft. Die Bilanzpressekonferenz am 28. März wird zeigen, ob die Erkelenzer ihre Wind- und Solarfonds gewinnbringend verkaufen konnten. Immerhin wurde über einen festen Kundenstamm berichtet, was auf stabiles Vertrauen in die Umweltkontor-Produkte hinweise. Zusätzlich seien 1.250 neue Kommanditisten gewonnen worden, hieß es. Umweltkontor stiegen um zehn Prozent auf 2,75 Euro.

Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032) aus Cuxhaven meldete, dass ein in Silbitz (Thüringen) errichtetes Biomasse-Heizkraftwerk den Probebetrieb aufgenommen habe. Künftig soll hier kontinuierlich Strom erzeugt werden, der dem Bedarf von 11.300 Haushalten entspreche; ein Teil der Wärme werde einem Fernwärmenetz zugeführt. Stündlich würden sieben Tonnen Holz zur Strom- und Wärmegewinnung verbrannt, hieß es. Plambeck legten leicht auf 6,50 Euro zu.

Umweltkontor und Plambeck sind im Prime Standard der Deutschen Börse zugelassen worden. Nach Angaben des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse haben bisher 258 Unternehmen dieses Zulassung erhalten. Die Notierung im Premium-Segment sei Voraussetzung für die Aufnahme in einen der Auswahlindizes, über die am 11. Februar entschieden werden soll.

Die Berliner Solon AG (WKN 747119) hat ihre Kapitalerhöhng abgeschlossen. Von den rund 3,7 Millionen angebotenen Aktien seien 1,8 Millionen gezeichnet worden. Das Grundkapital der Gesellschaft betrage nun 3.656.905 Millionen Euro, teilte der Solarmodulhersteller mit. Die Aktie gab um zwei Cent auf 1,18 Euro nach.

Die Lübecker Drägerwerk AG (WKN 555063) hat ihre Luftfahrt-Tochter Dräger Aerospace GmbH an ein britisches Unternehmen verkauft. Der Kaufpreis betrage 28,4 Millionen Euro in bar, wovon 3 Millionen nach drei Jahren fällig werden. Die Transaktion bedürfe noch der Zustimmung der Aufsichtsgremien und Behörden. Die Drägerwerk AG ist ein Spezialist für Medizin- und Sicherheitstechnik. Die Vorzugsaktie verteuerte sich um drei Prozent auf 20 Euro.

Nach medienwirksamen Aktionen gegen die Einführung des sogenannten Dosenpfands gibt es nun Anzeichen, dass große deutsche Discounter wie Lidl und Aldi wieder Getränke in Dosen verkaufen werden. Das geht aus Mitteilungen der Deutschen Umwelthilfe sowie von Dosenherstellern gegenüber der Presse hervor. Der Bundesverband der Automatenwirtschaft schätzt, dass 40.000 Rücknahmeautomaten aufgestellt werden müssen. Zusammen mit der Umrüstung vorhandener Maschinen würde dies den Handel ein bis 2,5 Milliarden Euro kosten. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels rechnet "Focus Money" zufolge sogar mit bis zu 60.000 Automaten. Weltweit führender Hersteller solcher Rücknahmegeräte ist die norwegische Tomra Systems ASA (WKN 872535), die nach Einschätzung von Marktbeobachtern etwa drei Viertel der Bestellungen erhalten würde. Die Tomra-Aktie zeigte sich in den vergangenen Monaten recht volatil; in der zurückliegenden Woche stieg der Kurs um zehn Prozent auf 51 Norwegische Kronen (7,03 Euro).

Stericycle Inc. (WKN 902518) meldete den Abschluss der Übernahme der Scherer Healthcare Inc. Die Transaktion ist mit behördlichen Auflagen verbunden, die eine Monopolstellung des vergrößerten Unternehmens in einigen US-Bundesstaaten verhindern sollen. Stericycle ist ein US- amerikanischer Spezialist für die Entsorgung und das Recycling von medizinischen Abfällen mit Schwerpunkt scharfkantiger Abfälle wie zum Beispiel Spritzennadeln. Das Unternehmen ist in den USA, in Kanada, Puerto Rico und Mexiko aktiv. Anleger reagierten positiv auf die Nachricht, der Kurz zog um neun Prozent auf 35,99 Dollar an.

Der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller Hydrogenics Corp. (WKN 588386) hat die Greenlight Power Technologies Inc. übernommen. Greenlight produziert Ausrüstungen, die für die Herstellung von Brennstoffzellen benötigt werden und war auf diesem Gebiet ein Konkurrent der Hydrogenics Corp. Die Hydrogenics-Aktie ist in Toronto unter steigenden Umsätzen auf 6,45 kanadische Dollar (3,95 Euro) gestiegen - eine Zunahme um 15 Prozent.

Der Natur-Aktien-Index (NAI) wurde erweitert und bereinigt. Er umfasst nun 25 statt 20 Werte. Hinzugekommen sind Energy Conversion Devices (WKN 858643), Kansas City Southern Industries (WKN 502665), Kurita Water Industries (WKN 851119), Oxford-Health-Plans (WKN 882570) und Ricoh (WKN 882570). Außerdem wurde Timberland Co. (WKN 873525) durch Starbucks Corp. (WKN 884437) ersetzt. Nach Ansicht des NAI-Ausschusses könne Timberland nicht ausreichend sicherstellen, dass soziale Mindeststandards in den Zulieferfirmen eingehalten werden; offensichtlich hatten sich diesbezügliche Berichte des Informationsdienstes ECOreporter.de vom Dezember 2001 bestätigt.

Ohne dass neue Nachrichten bekannt geworden wären, stieg der Kurs der Nürnberger UmweltBank AG (WKN 557080) um 13 Prozent auf sechs Euro. Sto AG (WKN 727413) legten zehn Prozent zu. Die Bremer Woll-Kämmerei AG (WKN 527200) hingegen gab ihre starken Zugewinne wieder ab und sank um 31 Prozent auf 1,00 Euro zurück. Die Umsätze bei den drei Werten waren allerdings gering.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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