13.01.05 Erneuerbare Energie

13.1.2005: Die Energie voll aussch?pfen - Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung (GWE) setzt auf W?rme-Kraft-Koppelung und Energieportfoliomanagement

Als Fortsetzung der Schwerpunkt-Reihe von ECOreporter.de zum Thema "Private Equity und Erneuerbare Energien" lesen Sie heute ein Portrait der Freiburger Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung (GWE). An dem Freiburger Unternehmen hat sich die britische Investmentgesellschaft Star Capital beteiligt.
Von Heinz Siebold.

Wo W?rme gebraucht wird, kann auch Strom erzeugt werden. Nach diesem (richtigen) Grundsatz funktioniert Energiewirtschaft meistens nicht. Wertvolle Prim?renergie wie ?l, Gas und Kohle wird lediglich verfeuert, statt ihr volles Verwertungspotenzial zu nutzen. "Eine falsche Physik" nennt Diplomingenieur Karl-Ekkehard Sester so etwas. Mit der W?rme-Kraft-Koppelung l?sst sich der Wirkungsgrad deutlich steigern, n?mlich von 50 auf bis ?ber 95 Prozent: Die bei der Verbrennung freigesetzte W?rme wird ?ber W?rmetauscher zur Dampf- und Hei?wassererzeugung genutzt, der Strom wird durch einen Generator erzeugt. Nur noch f?nf bis f?nfzehn Prozent Energieverlust, "das ist gut für die Umwelt, ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung" unterstreicht Sester.

Seine Firma, die 1994 in Freiburg gegr?ndete Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung (GWE) mbH hat sich der "Begradigung" dieser falschen Physik verschrieben und stellt als Dienstleister die Bedingungen daf?r her, dass Unternehmen oder Kliniken mit einer dezentralen Energieversorgung flexibler und wirtschaftlicher ihren Bedarf decken k?nnen. Und zuweilen springt sogar für die Allgemeinheit etwas ab, denn ?berkapazit?ten von W?rme-Kraft-Koppelungs-Kraftwerken (WKK) k?nnen der ?ffentlichen Versorgung zur Verf?gung gestellt werden.

Auf der Schw?bischen Alb, in Heidenheim funktioniert das schon. Der Maschinenbaukonzern Voith braucht für seine Produktion st?ndig Unmengen von Hei?wasser, Dampf und Strom. Der GWE gelang es, Voith davon zu ?berzeugen, dass ein nachhaltiges Konzept mit Partnern g?nstiger ist als die Modernisierung von alten Dampfkesseln und Turbinen. Eine Betreibergesellschaft, bestehend aus dem Voith-Konzern und der GWE realisierte für 20 Millionen Euro ein Verbundkonzept für 36.000 Kilowatt elektrische Leistung. Neben die alten Anlagen traten zun?chst vier neue erdgasbetriebene Ottomotoren-Generatoren, in diesem Oktober kam ein weiteres Modul dazu. Sie liefern nicht nur W?rme und Strom für die acht Voith-Gesellschaften am Hauptstandort liefern, sondern decken auch 40 Prozent des Strombedarfs der 50 000 Einwohner von Heidenheim.

Ein idealer Fall für W?rme-Kraft-Koppelung sind auch Kliniken. Eine Einrichtung mit 1000 Betten verbraucht soviel Strom wie 5000 Haushalte, sie ben?tigt im Winter viel W?rme, im Sommer K?lte. K?che und W?scherei stehen st?ndig unter Dampf. Die Kreiskliniken in Ludwigsburg mit insgesamt 2500 Betten haben ihre Energiezufuhr für 15 Jahre in die H?nde einer von der GWE gegr?ndeten Betreibergesellschaft (EKL) gelegt, die das gesamte Herstellungs-, Betreiber- und Investitionsrisiko ?bernahm. Die Betreibergesellschaft ist vertraglich fest zur g?nstigen Lieferung von genau spezifizierten Energiemengen und -sorten verpflichtet, sie muss also aus naheliegenden Gr?nden an einer effizienten Ausnutzung des W?rme-Kraft-K?lte-Koppelung-Systems interessiert sein. Auch in Markgr?ningen und (demn?chst) in M?hlacker sind Kliniken eine derartige Kooperation mit der GWE eingegangen, die das gesamte Investitions- und Betriebsrisiko tr?gt.

Ein solches Modell kommt jeder Einrichtung gelegen, die keine eigene fachliche Kompetenz für ein modernes Energiemanagement aufbauen will und kann. Das Know-How für Konzeptionierung, Finanzierung und den Betrieb einer W?rme-Kraft-Koppelung einschlie?lich des Einkaufs von Erdgas und Heiz?l, hat die GWE, und sie bewegt sich zudem mit den ?bersch?ssen ihrer Anlagen auf dem liberalisierten Strom-Markt. Auch den ?berschussstrom der Freiburger Uni-Klinik vermarktet die GWE in dem von ihr betreuten Kundenkreis. Der Dienstleister hat ein "virtuelles Kraftwerk" mit mehreren Standorten aufgebaut, zwischen denen er Strom austauscht und an der Stromb?rse kauft und verkauft. Das lohnt sich, denn zuweilen gibt es Strom zu sehr niedrigen Preisen, in den hei?en Sommern?chten etwa und am Wochenende. Wenn Strom anderweitig billiger zu haben ist, l?sst die GWE ihre Anlagen runter fahren, steigt der Preis, wird die externe Bezugsmenge reduziert.

Mit der britischen Investmentgesellschaft Star Capital ist vor kurzem ein finanzstarker Investor mit einer Mehrheitsbeteiligung bei der GWE eingestiegen. Der Fonds managt ein Volumen von ?ber 600 Millionen Euro und hat sich auf den Erwerb und die Neuinvestition von kapitalintensiven Infrastrukturen spezialisiert. Prominente Investoren in den Star Fund sind die Royal Bank of Scotland, Santander Central Hispano, Bank 1 One, Nordea und weitere institutionelle Investoren. Der deutsche Kooperationspartner für den Finanzfonds ist die IKB Deutsche Industriebank. Die Zeichen stehen nun auf Wachstum, denn die GWE kann mit dem starken Partner im R?cken in den n?chsten Jahren ein Investitionsvolumen für W?rme-Kraft-Koppelungs-Anlagen weit im dreistelligen Millionenbereich anpeilen. Vorsitzender der Gesch?ftsf?hrung der GWE bleibt Ekkehard Sester, unterst?tzt wird er von Horst La?. Aufsichtsratsvorsitzender ist der fr?here Alstom-Pr?sident Karl-Heinz Stupperich.



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Bilder: IHKW Industrie-Heizkraftwerk Heidenheim GmbH bei Voith, Standort Heidenheim / Quelle: Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung (GWE)
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