13.12.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

13.12.2004: Wochenrückblick: Heftige Kursschwankungen bei Solaraktien - Neue Märkte: Vossloh, Interseroh, Condomi und SW Umwelttechnik zieht es nach Osten

Die Aktienindizes gaben in der vergangenen Woche nach. Der DAX verlor ein Prozent, der TecDAX zwei und der japanische Nikkei-225 drei Prozent. Bei den US-amerikanischen Indizes Dow Jones Average und Nasdaq Combined Composite lagen die Verluste unter einem Prozent. Der US-Dollar ist zeitweilig auf neue Allzeit-Tiefs gefallen, kam im Laufe der Woche jedoch wieder zurück. Zum Schluss waren 1,3226 Dollar für einen Euro zu zahlen, eine Stärkung des Dollar um zwei Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

Der Ölpreis entwickelte sich unterschiedlich. Während der Januar-Kontrakt für die Sorte Brent in London um zwei Prozent teurer wurde, gab Light Sweet Crude an der New Yorker Nymex vier Prozent auf 40,71 Dollar nach. CO2-Zertifikate im europäischen Handel wurden im Referenzpreis der Leipziger Energiebörse zwei Prozent höher mit 8,65 Euro je Tonne notiert.

Eine zweiwöchige Klimakonferenz der UNO hat am vergangenen Montag in Argentinien begonnen. Teilnehmer aus 189 Staaten beraten über konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Kyoto-Protokolls, sowie über weitergehende Maßnahmen zur Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2). Es sind die letzten Verhandlungen, bevor das Kyoto-Protokoll im Februar 2005 in Kraft tritt. Dieses Vertragswerk legt bestimmte Reduktionsziele für die Industrieländer bis 2012 fest. Zur Debatte stehen nun unter anderem marktorientierte Mechanismen zur praktischen, ökonomisch effektiven Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Die Europäische Union wird dazu ihr Handelssystem für CO2-Zertifikate vorstellen, das am 1. Januar 2005 starten soll. Des weiteren wird über Unterstützungsmaßnahmen für Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Klimaänderung beraten. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace wird der Klimawandel die armen Länder am härtesten treffen. Greenpeace und andere Organisationen hoffen auf Vereinbarungen der Staaten, die die durchschnittliche globale Erwärmung der Atmosphäre auf höchstens zwei Grad über das vorindustrielle Niveau beschränken - eine Zunahme, die unter Wissenschaftlern als gerade noch beherrschbar gilt.

Die SolarWorld AG weitet ihre Kapazitäten zur Herstellung von Solarsilizium aus. Silizium ist ein wichtiger Rohstoff für Solarzellen. Im sächsischen Freiberg werde das jährliche Produktionsvolumen um ein Drittel auf 160 Megawatt erhöht, meldete das Unternehmen. Das Investitionsvolumen für Gebäude und Maschinen betrage 24 Millionen Euro und enthalte Vorleistungen für künftige Erweiterungsschritte. Ab Juli 2005 solle die volle Produktion laufen. Zugleich werde für acht Millionen Euro die Waferproduktion um 30 Megawatt erweitert, teilte die Konzernzentrale in Bonn mit. Wafer sind ein Zwischenprodukt auf dem Weg vom Siliziumkristall zur Solarzelle.
Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG, sagte laut dem "manager-magazin", dass die Mitarbeiterzahl von derzeit 600 auf über 1000 steigen soll, ein Großteil des Zuwachses werde auf den Produktionsstandort Freiberg entfallen. Im kommenden Jahr solle das Auslandsgeschäft verstärkt werden. Die Verhandlungen mit einem chinesischen Zuliefererbetrieb stünden kurz vor dem Abschluss, in Spanien und Kalifornien sollten im Januar 2005 Vertriebsbüros öffnen, so Asbeck. Die Verlegung der Produktion in Billiglohnländer sei jedoch ausgeschlossen, sagte der Manager dem Magazin. SolarWorld verteuerten sich um 13 Prozent auf 64 Euro. Zeitweilig wurden am Freitag mehr als 65 Euro für die Anteile gezahlt.

Der Freiburger Solarmodul-Hersteller Solar-Fabrik AG plant im kommenden Jahr eine Kapitalerhöhung. Das geht aus einer Studie der Consors Capital Bank AG hervor. Die Autoren der Studie empfehlen die Aktie mit einem Kursziel von 16 Euro zu kaufen. Sie weisen zugleich auf das hohe Risiko hin. Solar-Fabrik stürzten um 22 Prozent auf 10,09 Euro ab.

Auch andere Aktien der Branche zeigten sich wieder recht schwankungsfreudig. Phönix SonnenStrom AG, ein Dienstleister und Großhändler aus dem Raum München, fielen zur Wochenmitte bis auf 7,22 Euro ab, um am Freitag mit 7,80 Euro zwölf Prozent schwächer zu schließen. Sunways AG, schwäbischer Hersteller von Solarzellen und Wechselrichtern, verloren bis auf 5,61 Euro, der Schlusskurs von 5,90 Euro lag um acht Prozent unter dem Vorwochenstand.

Im Gegensatz dazu stiegen Evergreen Solar Inc. in New York zunächst auf 4,14 Dollar, ein Sprung um 34 Prozent. Der US-amerikanische Solarzellenhersteller hatte einen Entwicklungserfolg gemeldet, der es künftig ermöglichen soll, bis zu zwei Drittel weniger Solarsilizium für die Herstellung der Zellen zu verbrauchen als bei "konventionellen" Methoden. Dies sei ein wichtiger Schritt, die Kosten je Produktionseinheit zu senken. Das Unternehmen erwarte, das neue Verfahren bis Ende 2005 zur Produktionsreife zu führen, hieß es. Der Wochenschlusskurs lag sieben Prozent höher bei 3,33 Dollar.

Über Potenziale einzelner Unternehmen, ihre Börsenbewertung und unentdeckte Aktien der Photovoltaik-Branche sprach der Finanzanalyst Philipp Spitz im Interview mit ECOreporter.de. Spitz ist Geschäftsführer der Bonner Investorengruppen Umwelt Aktiendepot Welt und Umwelt Aktiendepot Deutschland.

REpower Systems AG, Windturbinen-Hersteller aus Hamburg, gab einen Wechsel im Vorstand bekannt. Jens-Peter Stöhr, bisher Vorstand für Finanzen und Personal, wird den Angaben zufolge zum Jahreswechsel aus dem Vorstand ausscheiden. Nachfolger im Vorstand werde Pieter Wasmuth, zuvor tätig für die Firmen Price Waterhouse, Deutsche Shell AG, Tomorrow Internet AG sowie als Alleinvorstand der Bellevue and More AG. Die REpower-Aktie fiel am Freitag bis auf 12,80 Euro. Der Schlussstand von 13,19 Euro bedeutet einen Wochenverlust von acht Prozent.

Gamesa Eólica, Windturbinen-Tochter der spanischen Gamesa Corporación Tecnológica, meldete einen Auftrag aus Großbritannien im Wert von 20 Millionen Euro. Die 25 Windkraftanlagen der 850 Kilowatt-Klasse sollen bis Jahresmitte 2005 aufgestellt werden. Es sei der erste Auftrag aus Großbritannien, so Gamesa. Das deutsche Tochterunternehmen EBV Management Holding AG , teilte mit, dass die ersten drei Anlagen des spanischen Herstellers in Deutschland Anfang Dezember in Betrieb gegangen seien. Gamesa gaben in Madrid zwei Prozent auf 9,71 Euro nach.


Zwei Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien hatten in der zurückliegenden Woche ungewöhnliche hohe Börsenumsätze zu verzeichnen. P&T Technology AG kletterten um 31 Prozent auf 0,89 Euro, in der Spitze wurden am Freitag 0,94 Euro gezahlt. Unit energy europe AG stiegen um neun Prozent auf 0,175 Euro.

Das kanadische Geothermie-Unternehmen Western GeoPower Corp. berichtete über Fortschritte bei den Bohrungen für ein Kraftwerk in British Columbia (Kanada). Darüber hinaus gebe es Vorverhandlungen mit einem regionalen Versorger über die künftige Abnahme des Stroms. Western GeoPower stiegen an der Venture-Börse Toronto um ein Prozent auf 1,47 Kanadische Dollar.

Das deutsche Bundesumweltministerium hat eine Kampagne zum Klimaschutz gestartet, die sich besonders an Haushalte, Verbraucher und Hausbesitzer wendet. Im Gebäudebereich und im Verkehr gebe es "enorme Potenziale zur Einsparung von CO2", sagte Minister Trittin, allein das Potenzial für energetische Gebäudesanierungen sei "riesig". Einschlägige Unternehmen sind unter anderen die Centrotec Sustainable AG, zu deren Produkten Anlagen zur Wärmerückgewinnung gehören, sowie der Wärmedämm-Spezialist Sto AG. Centrotec gaben in der vergangenen Woche leicht auf 20,07 Euro nach; Sto Vorzugsaktien kletterten um vier Prozent auf 16,40 Euro. In der Bauwirtschaft Deutschlands ist die Krise aber noch längst nicht vorbei, wie aus aktuellen Zahlen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft hervorgeht.

Der Schienenfahrzeugtechnik-Hersteller Vossloh AG hat seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr leicht gesenkt. Im kommenden Jahr sei mit einem kräftigen Einbruch des Gewinns zu rechnen. Vossloh begründet die Korrektur mit gestiegenen Stahlpreisen, vor allem aber mit der "extrem schwierigen Gesamtsituation" der Bahnindustrie. Die Investitionszurückhaltung der Deutschen Bahn AG habe vor allem den Lokbereich des Konzerns stark getroffen. Im Jahr 2005 stünde deshalb eine weit reichende Restrukturierung auf der Tagesordnung. Deren Kosten würden das Ergebnis belasten, so dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um elf Prozent auf etwa 93 Millionen Euro sinken werde. Zu dem Sparprogramm werde auch die Entlassung von Beschäftigten am Lokomotiven-Produktionsstandort Kiel gehören, darüber hinaus überlege man, Teile der Produktion nach Osteuropa zu verlagern, sagte Vorstandsvorsitzender Burkhard Schuchmann. Ab dem Jahr 2006 sei dann wieder mit steigenden Gewinnen zu rechnen. Die Bahntechnik bleibe europaweit eine Wachstumsbranche, so Schuchmann. Vossloh waren in den Vorwochen beständig gefallen. Der Kurs stieg nun um vier Prozent auf 35 Euro. Das entsprach genau dem Kursziel der Analysten vom Bankhaus Lampe, die den Anlegern das "Halten" der Papiere empfahlen. Die Analysten der Westdeutschen Landesbank senkten ihr Kursziel auf 37 Euro.

Der Kölner Recycling- und Rohstoffkonzern Interseroh AG hat nach eigenen Angaben die Genehmigung für ein Rücknahmesystem in Slowenien erhalten. Noch im laufenden Jahr sei der Abschluss erster Verträge mit Herstellern und Inverkehrbringern von Verpackungen zu erwarten, so Interseroh. Der Kurs stieg um acht Prozent auf 18 Euro. Zeitweilig notierte die Aktie bei 18,45 Euro.

Condomi AG, Kondomhersteller aus Köln, meldete den Abschluss der Kapitalerhöhung des polnischen Tochterunternehmens unimil S.A. Der Emissionskurs habe am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne gelegen, und es sei nur das Mindestemissionsvolumen gezeichnet worden. Deshalb hätten sich unimil und die Banken darauf verständigt, dass - entgegen ursprünglicher Vereinbarungen - Verbindlichkeiten der Muttergesellschaft in Höhe von 1,5 Millionen Euro erst zu einem späteren Zeitpunkt übertragen werden sollen. Kapitalerhöhung und Verträge stünden nun noch unter der aufschiebenden Bedingung der Eintragung ins Handelsregister bis zum 15. Januar 2005. Condomi legten an der Frankfurter Börse 13 Prozent auf 1,43 Euro zu.

Die SW Umwelttechnik AG expandiert in Osteuropa. Im kommenden Jahr werde in Rumänien ein Werk für Kanalsysteme errichtet. Bisher sei der rumänische Markt von Ungarn aus beliefert worden, künftig sollen Rohre und Schächte im Land hergestellt werden. Die Investitionskosten liegen bei zwei Millionen Euro. In Ungarn, derzeit Hauptstandort des österreichischen Unternehmens, soll am Standort Budapest-Süd ein automatisches Rohrwerk zu den bestehenden Einrichtungen hinzukommen. SW Umwelttechnik berichtete zudem über einen Auftrag aus Rumänien im Gesamtwert von cirka sechs Millionen Euro. In den nächsten zwei Jahren soll im Gebiet um Zalau bei Cluj ein Trinkwassernetz errichtet und das Trinkwasserreservoir saniert werden. Das Projekt werde von der Europäischen Union gefördert, hieß es. SW Umwelttechnik gaben in Wien unter gewohnt niedrigen Umsätzen sieben Prozent auf 23,50 Euro ab.

Die magische Zahl der Umweltaktien-Woche war der Evergreen-Schlusskurs von 3,33 Dollar am Freitag. Mit dem gleichen Wert gingen Ceco Environmental Corp. aus dem Handel sowie - allerdings in Euro - die Aachener Aixtron AG.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
Ceco Environmental Corp. (ISIN US1251411013 / WKN 906379)
Centrotec Sustainable AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Phönix SonnenStrom AG (ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
unit energy europe AG (ISIN DE0007760100 / WKN 776010)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
Western GeoPower Corp. (ISIN CA95827Q1037 / WKN 254049)

Bilder: Ziel des Kyoto-Protokolls ist die Verringerung klimabelastender Emissionen: Braunkohlkraftwerk Grevenbroich; Gebäude der Solar-Fabrik AG in Freiburg; Windkraftanlagen der deutsch-dänischen Kooperationspartner AN-Bonus; Weiche der Vossloh-Tochter Cogifer; Condomi AG: Produkte / Quellen: Unternehmen


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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