01.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.3.2004: Wochenrückblick: Solar-Aktien: Kursgewinne auf breiter Front - Gamesa steigert Nettoergebnis um 50 Prozent - Weitere Offshorewindparks genehmigt

In der zurückliegenden Woche sank der DAX um ein Prozent. Der TecDAX verlor zwei Prozent. In Japan stieg der Nikkei-225 um drei Prozent an. Die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite verzeichneten leichte Einbußen. Der Euro kletterte zu Wochenbeginn auf über 1,267 Dollar, verbilligte sich dann jedoch gegenüber dem Vorwochenschluss um 0,3 Prozent auf 1,249 Dollar.

Bis zum 31. März müssen die europäischen Länder ihre nationalen Allokationspläne vorlegen. Diese Pläne legen fest, welchen Industrieunternehmen kostenlos Emissionsrechte für das Klimagas Kohlendioxid zugeteilt werden, und vor allem, in welchem Umfang. Im Januar 2005 soll dann der Handel mit diesen Verschmutzungsrechten starten. Man ist sich einig darüber, dass die Zuteilung und der spätere Handel entscheidenden Einfluss darauf haben werden, in welche Technologien künftig investiert wird. Nachdem sich Industrie und Politik in Deutschland bisher nicht auf die Erstverteilung (Allokation) der Rechte einigen konnten, gab es ein Gespräch zwischen Bundeswirtschaftsminister Clement und Bundesumweltminister Trittin im Bundeskanzleramt. Viele Interessengruppen werteten das Treffen als Krisengipfel.
Dementsprechend scharf wurden noch einmal die verschiedenen Erwartungen vorgebracht: Industrieverbände warnten vor den Folgen für den Produktionsstandort Deutschland, würden nicht alle Unternehmen bis 2012 "bedarfsgerecht" und kostenlos mit Zertifikaten ausgestattet. RWE und andere große Energieversorger warnten vor der Bedrohung des Energiestandortes Deutschland. Die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie warnte den Umweltminister davor, Kohlekraftwerke zu benachteiligen. Die Gewerkschaften ver.di und IG Metall warnten vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Der Naturschutzbund NABU warnte vor weiteren Zugeständnissen an die Industrie. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte vor einer Mogelpackung. Das Hamburgische Welt Wirtschafts-Archiv (HWWA) warnte vor einer Abschwächung des Emissionsziels durch "undurchsichtige Kniffe". Ginge es nach der deutschen Industrie, so das HWWA, würde der Emissionshandel zur Farce. Folgen wären entweder ein verschärftes Ordnungsrecht oder erhöhte Steuern - oder beides.

Die Kurse deutscher Solaraktien haben in der vergangenen Woche erneut kräftig zugelegt. Solon AG aus Berlin stiegen von 3,89 auf glatte fünf Euro - ein Zuwachs um 29 Prozent. Sunways AG aus Konstanz verteuerten sich um 18 Prozent auf 2,70 Euro, Solar-Fabrik AG aus Freiburg kletterten um sieben Prozent auf 3,80 Euro. Analysten aus dem Hause M. M. Warburg & Co. haben die Aktie der Bonner SolarWorld AG auf "halten" hochgestuft. Für das laufende Geschäftsjahr prognostizierten die Analysten einen Konzerngewinn von 4,3 Millionen Euro. SolarWorld notierten ein Prozent stärker bei 16,80 Euro.

Der Hamburger Windturbinenhersteller REpower Systems AG rechnet damit, dass seine 5-Megawatt-Anlage ab 2006/2007 in großer Stückzahl offshore zum Einsatz kommt. Das schrieb Kirsten Bienk, Korrespondentin der Vereinigten Wirtschaftsdienste, in einem Artikel über Finanzierung und Versicherung von Offshore-Windparks. Der REpower-Vorstand fordere einen Sinneswandel in der Politik, damit Deutschland bei der Entwicklung des Offshore-Geschäftes nicht noch weiter an den Rand gedrängt werde, hieß es weiter. Anderenfalls würden Banken und Finanzierer auf Anlagen ausländischer Unternehmen zurückgreifen, die bereits vor Ort getestet seien. Die REpower-Aktie legte sechs Prozent auf 20,65 Euro zu.

Weltmarktführer Vestas Wind Systems A/S aus Dänemark wird die Endfertigung von Maschinenhäusern der Windkraftanlagen am deutschen Standort in Husum einstellen. Das berichten die "Husumer Nachrichten". Das Blatt beruft sich auf Aussagen des Sprechers von Vestas Deutschland. Arbeitsplätze sollen nicht abgebaut werden, die betroffenen 60 Mitarbeiter sollen für Service, Wartung und Logistik eingesetzt werden, hieß es. Die Herstellung der Rotoren für die neue 3-Megawatt-Klasse wird laut der Zeitung in Dänemark angesiedelt. Vestas notierten fünf Prozent höher bei 114 Dänischen Kronen.

Der spanische Maschinenbauer Gamesa Corporación Tecnológica SA legte die Ergebnisse des Geschäftsjahrs vor. Der konsolidierte Konzernumsatz erreichte 1,6 Milliarden Euro, 46 Prozent mehr als im Jahr 2002. Der Nettogewinn stieg um 49 Prozent auf 202 Millionen oder 2,49 Euro pro Aktie. Vom Umsatz entfielen 853 Millionen Euro auf die Herstellung von Windturbinen. Mit der Projektierung und dem Verkauf kompletter Windparks setzten die Spanier 588 Millionen Euro um, was eine Steigerung um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Insgesamt seien im Geschäftsjahr 1.380 Megawatt Windturbinen und 691 Megawatt Windparks verkauft worden. Alle Ziele seien damit erreicht oder übertroffen worden.
Zum Jahresende waren 6.164 Mitarbeiter in der Gruppe beschäftigt, 1.220 mehr als zwölf Monate zuvor. Die Prognose für das Jahr 2004 wurde bestätigt: Der Umsatz soll auf 1,992 Milliarden Euro steigen, der Nettogewinn auf 230 Millionen. Der Auftragsbestand für Windturbinen betrage 6.803 Megawatt, davon 1.500 Megwatt für das laufende Jahr 2004. Dementsprechend soll der Umsatz in der Windturbinen-Sparte 1,149 Milliarden Euro erreichen. Die Projektpipeline für die Entwicklung von Windparks umfasse 15.074 Megawatt. Gamesa will künftig verstärkt im Ausland wachsen. Das Unternehmen legte Pläne für verschiedene Regionen vor. So plant man beispielsweise in Deutschland bis zum Jahr 2008 Windparks mit 420 Megawatt Leistung zu entwickeln und zu verkaufen. Darüber hinaus sollen aber auch Windkraftanlagen an andere Projektentwickler verkauft werden. Gamesa sieht nach eigenen Angaben noch Wachstumspotenzial für den Verkauf von Windparks für zehn bis 15 Jahre. Es gebe hohen Bedarf seitens der Versorger, Gamesa nannte hier Iberdrola, Electrabel, FPL, Enel und Nuon, auf Seiten von Ölkonzernen wie BP und Shell, aber auch bei Investmentfonds. Die Gamesa-Aktie verteuerte sich in Madrid um zehn Prozent auf 34,30 Euro.

Der Hamburger Windturbinen-Hersteller Nordex AG, dessen Geschäftsjahr am 30. September endet, legte die Ergebnisse des ersten Quartals vor. Der Umsatz lag den Angaben zufolge bei 66,7 Millionen Euro. Davon seien 68 Prozent in Deutschland erzielt worden. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) wurde auf 6,7 Millionen Euro gesenkt. Im ersten Quartal des Vorjahres waren noch 11,9 Millionen Euro Verlust angefallen. Der Personalaufwand habe sich um 17 Prozent auf 8,9 Millionen Euro reduziert, Nordex beschäftigte 142 Mitarbeiter weniger als im Vorjahr. Für das Gesamtjahr wurde ein EBIT von minus 30 Millionen angekündigt. Im kommenden Geschäftsjahr ist die Rückkehr in die Gewinnzone vorgesehen. Nordex teilte weiterhin mit, dass ein Nachfolger für den freien Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden gefunden sei. Dieses Amt werde der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler Eberhard von Perfall übernehmen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehöre die strategische Neuausrichtung von Unternehmen, hieß es. Nordex stiegen in Frankfurt um drei Cent auf 1,05 Euro.


Der Windpark-Projektierer P&T Technology AG hat nach eigenen Angaben Michael Bode zum zweiten Vorstand bestellt. Bode bleibe weiterhin auch Vorstand der Tochtergesellschaft EECH AG, hieß es. Der Umsatz mit der P&T-Aktie erreichte mit täglich durchschnittlich 23.000 gehandelten Aktien wieder ein nennenswertes Volumen. Der Kurs stieg in der vergangenen Woche um 18 Prozent auf 0,58 Euro.

Die unit energy europe AG prüft derzeit Möglichkeiten, das fertiggestellte, aber nicht ans Netz angeschlossene Wasserkraftwerk Ancinale in Süditalien zu verkaufen. Auch die Kraftwerke in Frankreich und Tschechien stünden zum Verkauf. Das geht aus dem aktuellen "Statusbericht" der Gesellschaft hervor. Den Angaben des Vorstands zufolge stehen "fast alle bisherigen Beteiligungen zur Disposition". Die AG mit Sitz in Bad Homburg, die als Holding der verschiedenen Tochtergesellschaften fungiert, habe nur noch zwei Mitarbeiter. Die Aktie wurde am Freitagabend bei 0,155 Euro notiert.

Laut Tagesordnung zur außerordentlichen Hauptversammlung der B.A.U.M. AG plant der Vorstand der Hamburger Unternehmensberatung ein freiwilliges Delisting der Aktien. Die Hauptversammlung muss wegen des Verlustes von mehr als der Hälfte des Grundkapitals einberufen werden. Es ist von einem Kapitalschnitt im Verhältnis 20:1 die Rede. Mehrere Aktionäre haben Gegenanträge gestellt. Der Kurs der B.A.U.M.-Aktie lag am Freitag bei 0,097 Euro.

Das Verkehrstelematik-Unternehmen init innovation in traffic systems AG, Karlsruhe, meldete einen Großauftrag im Wert von zwei Millionen Euro. Analysten von Independent Research stuften die Aktie nach der Rücknahme der Umsatz- und Gewinnerwartungen mit "halten" ein. Der Kurs gab drei Prozent auf 4,40 Euro nach.

IVU Traffic Technologies AG, ein Softwarehaus aus Berlin, wird das Europäische Parlament mit einem elektronischen System für die Europawahl beliefern. Über das Volumen des Auftrags wurde nichts mitgeteilt. IVU verteuerten sich um zwölf Prozent auf 1,64 Euro.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG gab das vorläufige Ergebnis des Geschäftsjahrs bekannt. Der Umsatz ist den Angaben zufolge um acht Prozent auf 74,7 Millionen Euro gestiegen. Das EBIT verbesserte sich um 169 Prozent auf 3,2 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird jedoch durch das negative Finanzergebnis auf nur 0,5 Millionen Euro gedrückt. SW Umwelttechnik führt als Grund die Wechselkursverluste infolge der teilweisen Euro-Finanzierung in Ungarn an. Der Jahresüberschuss ist ausgeglichen, im Vorjahr lag er bei minus 1,2 Millionen Euro. Der Buchwert der Aktie wurde mit 26 Euro angegeben. Trotz der Abwertung des ungarischen Forint habe der Anteil Ungarns am Gesamtumsatz auf 67 Prozent erhöht werden können, hieß es weiter. In den mittel- und osteuropäischen Ländern steige die Nachfrage in den Bereichen Wasserschutz, Abwasserentsorgung, Infrastruktur und erneuerbare Energie. Das Klagenfurter Unternehmen sieht sich mit seinem Produktionsstandort in Budapest hier gut positioniert. Aber auch in Österreich erwartet der Vorstand anziehende Nachfrage nach Gewässerschutzanlagen, Masten und Biogasanlagen. Die Aktie legte in Wien unter dünnen Umsätzen vier Prozent auf 21,75 Euro zu.

Natural Alternatives International Europe S.A., Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Natural Alternatives International Inc., hat nach eigenen Angaben die Lizenz der Schweizer Behörden für den Verkauf ihrer Pharmaprodukte erhalten. Das Unternehmen hofft nun, den Kundenkreis für die aus natürlichen Rohstoffen hergestellten Produkte erweitern zu können. Der Kurs stieg in New York um zwölf Prozent auf 7,72 Dollar.

Die Naturkost-Einzelhandelskette Wild Oats Markets Inc. berichtete Umsätze von 969,2 Millionen Dollar für das abgelaufene Geschäftsjahr, eine Zunahme um 5,4 Prozent. Zu dem Umsatzanstieg hätten auch die Streiks in den kalifornischen Ladenketten der Konkurrenz United Food und Commercial Workers beigetragen, hieß es. Der Nettogewinn hat sich jedoch auf 3,6 Millionen oder 0,12 Dollar pro Aktie halbiert. Der Wild Oats-Vorstand führt dies auf die laufende Umstrukturierung der Zulieferer-Beziehungen zurück. Diese sollen im laufenden Quartal abgeschlossen werden. Die Aktie fiel um 14 Prozent auf 12,70 Dollar. Analysten von Merrill Lynch empfahlen, die Papiere zu verkaufen.

Die Verschiebungen in den Wechselkursen ziehen kuriose Folgen nach sich. So gab die Aktie der britischen Ladenkette Body Shop International plc in London einen halben Pence auf 131,5 Pence nach. In Euro umgerechnet, ergab sich in der gleichen Zeit aber ein Kursgewinn von 1,96 auf 1,97 Euro. Umgekehrt lief es bei der kanadischen Trojan Technologies Inc.: Einem Kursverlust von 8,02 auf 8,00 Kanadische Dollar stand ein theoretischer Kursgewinn von 4,79 auf 4,80 Euro gegenüber.

Bildnachweise: Sunways PV-Modul; Gamesa Windturbinen; Offshorewindkraftanlagen

B.A.U.M. AG (ISIN DE0005083109 / WKN 508310)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
unit energy europe AG (ISIN DE0007760100 / WKN 776010)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)



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