01.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.3.2006: Details zum überraschenden Gewinneinbruch bei der S.A.G. Solarstrom AG - Finanzvorstand Benedikt Ortmann: " Marge reichte nicht, um Projektrisiken zu sichern"

Die S.A.G. Solarstrom AG wird für das Geschäftsjahr 2005 einen Verlust ausweisen. Das teilte das Freiburger Solarunternehmen gestern mit. Das Konzernergebnis werde rund zwei Millionen Euro tiefer ausfallen als geplant und das Planergebnis 2005 voraussichtlich unter Null liegen, hieß es. Lesen Sie heute , was S.A.G.-Finanzvorstand Benedikt Ortmann ECOreporter.de später über die Ursachen des Gewinneinbruchs mitteilte, der viele Marktteilnehmer vor dem Hintergrund der boomenden Solarbranche überraschte.

"Wir mussten bei unserem wichtigsten Projekt, dem Solarpark Erlasee, erheblichen Margenverluste verbuchen", erklärte Ortmann. Im Geschäftsjahr 2005 habe der Solarpark in der Nähe von Würzburg 57 Prozent des Gesamtumsatzes der S.A.G. ausgemacht. "Noch im Dezember liefen Verhandlungen mit Großinvestoren zum Kauf von "Solar-Movern", die schließlich gescheitert sind. Wir haben vierzig Prozent der Mover, die wir 2005 verkaufen wollten, dann in eine eigene Fondsgesellschaft eingebracht. Diesen Fonds wird die S.A.G jetzt selbst vertreiben, und das verursacht neue Kosten zum Beispiel für das Fondsmanagement und die Buchhaltung; deshalb konnten wir Margenziel nicht erreichen", sagte der S.A.G.-Finanzvorstand.
Auf zwei Millionen Euro summieren sich laut dem Unternehmen die zusätzlichen Aufwendungen und entgangenen Margen: 700.000 Euro für mehr Marketing, 1,3 Millionen Euro für geringere Margen und 150.000 Euro für nicht näher beschriebe "diverse Kosten".

Wie der Manager weiter erklärte, begann der Vertrieb des Solarparks Erlasee unter dem Label "SolarOptimal" im Juni 2005, ab September habe man dann die Aufwendungen für das Marketing gesteigert. Das Beteiligungsangebot sei am Markt nicht so angenommen worden, wie man es sich vorgestellt habe, beklagte Ortmann. Durch die verstärkten Anstrengungen in der Vermarktung sei der Verkauf zwar in Gang gekommen - aber zu spät. "40 Prozent der Umsätze fielen im Dezember an."

Früheren Meldungen des Unternehmen zufolge sollten bis Ende 2005 insgesamt 900 Anlagen vom Typ "Solon-Mover" verkauft werden. Damit sollte eine Leistung von sieben Megawatt installiert werden. Insgesamt wollte das börsennotierte Freiburger Unternehmen bis Ende 2006 Käufer für 1.500 Anlagen finden; das entstehende Solarkraftwerk sollte insgesamt 12,4 Megawatt Leistung liefern.

Dem Unternehmen liege viel an einer transparenten Kommunikation der Fehler, die im Zusammenhang mit dem Großprojekt gemacht wurden, berichtete Ortmann: "Letztlich mussten wir uns eingestehen, dass die Marge nicht ausreichte, um die Projektrisiken zu sichern. Der "Mover" ist gut, aber auch teuer, deshalb mussten wir knapp kalkulieren. Wir kommunizieren das ganz offen: Es ist uns nicht gelungen, die Markterwartungen an dieses Großprojekt auszufüllen. Wegen der niedrigen Gewinnspanne konnten wir zudem nicht noch einmal in die Marketingoffensive gehen."

Die S.A.G. Solarstrom AG will das Konzept SolarOptimal weiterführen. Interessant seien dafür vor allem Projekte im Ausland, hieß es. In Ländern wie Spanien könne man mit den nachführbaren Anlagen einen Mehrertrag gegenüber fest installierten Anlagen von bis zu 60 Prozent erwirtschaften, in Deutschland sei ein Plus von 30 Prozent möglich. "Das hängt mit der häufigeren direkten Sonneneinstrahlung in diesen Ländern zusammen, bei uns herrscht viel öfter diffuses, durch Wolken gestreut auftreffendes Licht", erläuterte Finanzvorstand Ortmann. Bei der Vermarktung der Mover im Ausland würden vermutlich überwiegend Fondskonstruktionen zum Einsatz kommen.

Im laufenden Geschäftsjahr 2006 wollen die Freiburger alles besser machen. Die Struktur des Geschäftes werde ganz anders aussehen, hieß es; man wolle das Risiko deutlich stärker streuen, um weniger von einzelnen Projekten abhängig zu sein. Deshalb solle das Franchisegeschäft stark ausgebaut werden. (Lesen Sie dazu auch unseren Bericht vom 25. Februar 2006.) Voraussichtlich nur 33 Prozent der Erlöse würden über ein einzelnes Projekt erzielt, so S.A.G. Die einzelnen Vorhaben seien viel kleiner, die durchschnittliche Größe in Italien und Spanien liege bei einem Megawatt peak.

"Auch wenn wir mit unserem Angebot in 2005 nicht den Erfolg erreicht haben, den wir uns gewünscht hätten, schwer verkäuflich waren die Anlagen nicht. Die Kunden sind begeistert, besonders bei unseren Bestandskunden konnten wir erfolgreich Anlagen platzieren. Der Verkauf an Großkunden verlief dem gegenüber eher schleppend. Die Großkunden wollten Mengenrabatte von uns, aber hinter eine gewisse Linie sind wir nicht zurückwichen. Schließlich haben wir uns dann entschieden, die restlichen Anlagen in den Fonds einzubringen", so Ortmann weiter.

Der neue Fonds solle ab März verkauft werden, sagte er, er solle eine Rendite von 5,5 bis 6 Prozent haben. Das Angebot richte sich in erster Linie an Privatkunden. "Der Fonds ist vor allem für Leute interessant, die sich nicht selbst um das Management der Anlagen kümmern wollen. Die Mover des Fonds sind schon 2005 ans Netz gegangen, sie erhalten entsprechende Einspeisevergütungen. Wir rechnen mit einem raschem Abverkauf des Fonds trotz der veränderten steuerlichen Situation."

Parallel zu dem Fonds laufe auch der Einzelverkauf weiter, berichtete Ortmann: "In 2005 haben wir selbst insgesamt 900 Mover verkauft. Unser Partner Solon AG für Solartechnik hat auch einige Mover behalten, dabei handelt es sich um den letzten Bauabschnitt mit 180 Movern."

Bild: S.A.G.-Finanzvorstand Benedikt Ortmann / Quelle: Unternehmen

S.A.G. Solarstrom AG: ISIN DE0007021008 / WKN 702100
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