12.05.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

13.5.2003: ECOreporter.de-Interview mit Ralf König, Wedeco AG: "Die Fixkosten sind im Augenblick zu hoch."

Die Düsseldorfer Wedeco AG hat die Märkte in der vergangenen Woche mit einem negativen Ausblick auf die Zahlen zum ersten Quartal 2003 geschockt (siehe auch die ECOreporter.de-Meldung vom 8.5.2003). Hintergrund sei unter anderem die gescheiterte Übernahme durch einen Konkurrenten, hieß es. Der Kurs der Wedeco-Aktie brach daraufhin um über 20 Prozent ein. Die Spezialistin für Wasseraufbereitung mittels UV-Licht und Ozon will am Dienstag den 13. Mai ihre Quartalszahlen bekannt geben, für den 21. Mai hat das Unternehmen seine Aktionäre zur Jahreshauptversammlung eingeladen. ECOreporter.de sprach mit Ralf König, Pressesprecher der unter anderem im Natur-Aktien-Index (NAI) vertretenen Gesellschaft:


ECOreporter.de: Worauf führen Sie den Rückgang des operativen Geschäftes im ersten Quartal 2003, den Sie am Donnerstag vergangener Woche gemeldet haben, zurück?
Ralf König: Die schwache konjunkturelle Wirtschaftslage hatte auf das erste Quartal einen negativen Einfluss. So musste die Wedeco AG einen starken Umsatzrückgang verkraften. Die auf Wachstum ausgerichteten Fixkosten der Wedeco sind, bezogen auf den geringen Umsatz, im Augenblick zu hoch.

Deutlich ergebnisbelastend wirkten sich ferner einmalige außerordentliche Aufwendungen von drei Millionen Euro im Zusammenhang mit beendeten Verhandlungen über einen möglichen strategischen Unternehmenszusammenschluss mit einem ausländischen Wettbewerber aus.

ECOreporter.de: Handelt es sich dabei um Ihren kanadischen Konkurrenten auf dem Markt für UV-Desinfektionstechnologie Trojan?
König: Wir haben zu diesem Thema eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben, an die sich die Wedeco AG auch halten wird. Ich kann Ihnen deshalb auf diese Frage leider nicht antworten.

ECOreporter.de: Die Wedeco AG hat mit der Verlustmeldung erneut die eigenen Prognosen verfehlt. War diese Entwicklung nicht frühzeitiger erkennbar?
König: Die Aufstellung des Jahresabschlusses 2003 und die Verhandlungen haben im ersten Quartal zu einer extrem hohen Belastung geführt, die es nicht ermöglichte, sich wie sonst üblich intensiv um das operative Geschäft zu kümmern.

ECOreporter.de: Wie wollen Sie das verlorene Vertrauen der Marktteilnehmer zurückgewinnen?
König: Wir werden zum einen unsere Unternehmenskommunikation verstärkten. Zum anderen rechnen wir auf ein in den kommenden Quartalen wieder anziehendes Geschäft und eine daraus resultierende günstigere Bewertung seitens der Analysten.

ECOreporter.de: Wie lauten die aktuellen Prognosen Ihres Unternehmens für Umsatz und Ertrag im laufenden Geschäftsjahr 2003?
König: Die Jahresprognose muss jetzt natürlich auf die neue Situation angepasst werden. Die Wedeco AG wird das avisierte Jahresergebnis in Höhe von 10,5 Mio. Euro voraussichtlich nicht erreichen, wird das Geschäftsjahr 2003 aber mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen. Die vollständigen Zahlen, auch die der neuen Prognosen, werden am Dienstag veröffentlicht.

ECOreporter.de: Die Wedeco AG ist seit ihrer Gründung vor allem durch Akquisitionen stürmisch gewachsen. Sind nun die Grenzen erreicht? Mit welchen Zuwachsraten rechnen Sie für die nächsten fünf Jahre?
König: Wedeco ist nun in den wichtigsten Wirtschaftsregionen mit Tochtergesellschaften vertreten und damit gut positioniert. Zur Zeit sind keine weiteren Akquisitionen geplant. Wir rechnen jährlich mit einem durchschnittlichen organischen Wachstum von 20 Prozent.

ECOreporter.de: Wo sehen sie die zur Zeit entwicklungsfähigsten und attraktivsten Märkte für Ihre Produkte?
König: Bezüglich der regionalen Verteilung bietet der nordamerikanische und südamerikanische Markt sowie Teile Asiens das größte Entwicklungspotential. Bezüglich der Technologieanwendung sehen wir nach wie vor den Markt für die chemikalienfreie Abwasseraufbereitung mit UV-Licht und Ozon sowie die Kombination beider Verfahren, beispielsweise zur Entfernung hormonell aktiver Arzneimittelreste (Endokrine Stoffe) im Abwasser, als besonders entwicklungsfähig an.

ECOreporter.de: Die Wedeco AG hat ihre Produktpalette in den letzten Monaten besonders auf dem Gebiet der Ozonwasserdesinfektion ausgebaut. Auf Ihrer Homepage zeigen Sie anhand einer Grafik, das die UV-Technik gegenüber dem Einsatz von Ozon erhebliche Kostenvorteile hat. Weshalb entschieden Sie sich dennoch für das verstärkte Engagement bei der Ozon-Technologie?
König: Die UV-Technik wird fast ausschließlich für die Wasserdesinfektion benutzt. Hierfür kann natürlich auch Ozon verwendet werden, jedoch ist dessen Einsatz im Vergleich zu UV teurer. Aus diesem Grunde wird Ozon hauptsächlich zur Oxidation von Schadstoffen im Wasser benutzt. Außerdem findet Ozon im Bereich der Papier- und Zellstoffbleichung sowie in der Produktveredelung Einsatz.

Darüber hinaus geht der Trend zunehmend zur Kombination beider Verfahren. Die Oxidation des Wassers mittels Ozon führt zur Ausbildung reaktiver OH-Radikale, die ihrerseits vorhandene Schadstoffe zerstören. Dieser Prozess wird durch das UV-Licht aktiv unterstützt wodurch das Verfahren noch effektiver wird. Die Ozontechnologie hat demnach einen zunehmend wichtiger werdenden Stellenwert.

ECOreporter.de: Der französische Wasserkonzern Veolia (ehemals Vivendi Environnement) hält eine Beteiligung von gut 15 Prozent an der Wedeco Gesellschaft für Umwelttechnologie, Ihrer Ozon-Tochtergesellschaft. Gibt es Pläne für eine intensivere Kooperation Ihres Unternehmens mit Veolia?
König: Zur Zeit gibt es keine weiteren Pläne. Wir werden die Kooperation mit Veolia intensiv für den Absatz von Ozon- und UV-Produkten nutzen.

ECOreporter.de: Die Hauptversammlung soll die Ermächtigung des Vorstands zum Erwerb eigener Aktien verlängern. Welche Rolle spielte dieses Recht bisher und wie viele eigene Aktien hält Ihr Unternehmen derzeit?
König: Wir halten zur Zeit keine eigenen Aktien. In der Vergangenheit haben wir eigene Aktien als Akquisitionswährung eingesetzt. Die Ermächtigung soll dem Unternehmen die Möglichkeit geben, bei Bedarf aktiv zu werden.

ECOreporter.de: Der Bilanzgewinn 2002 in Höhe von 5.48 Mio. Euro soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Wann planen Sie die Zahlung von Dividenden an Ihre Aktionäre?
König: Wir haben uns vorgenommen ab 2005 eine Dividende zu zahlen.

ECOreporter.de: Laut der Einladung zur Hauptversammlung wollen sie den Aktionären die Option auf eine Erhöhung des Grundkapitals um über fünf Mio. Euro (Genehmigtes Kapital I und II) vorschlagen. Die Eigenkapitalquote der Wedeco AG ist infolge der Akquisitionen von über 70 Prozent auf 50 Prozent gesunken. Planen Sie in nächster Zeit eine Kapitalerhöhung?
König: Nein, es gibt keine Pläne dieser Art.

ECOreporter.de: Die Homepage Ihres Unternehmens erscheint in deutscher, englischer, französischer Sprache, das ist für ein weltweit operierendes Unternehmen nichts ungewöhnliches. Weshalb gibt es aber auch eine portugiesische und eine spanische Version?
König: Wedeco ist in Portugal und Spanien Marktführer für UV- und Ozontechnik. Wedeco ist zusätzlich auch in Mittel- und Südamerika aktiv und unterhält in Sao Paulo eine eigene Tochtergesellschaft.

ECOreporter.de: Herr König, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Wedeco AG Water Technology: ISIN DE0005141808 / WKN 514180
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