13.07.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

13.7.2007: Aktien-News: Wie nachhaltig ist der Bekleidungshersteller Timberland Company? ECOreporter.de-Interview mit Gordon Peterson, Leiter Unternehmenskommunikation Nachhaltigkeit

Der US-amerikanische Bekleidungshersteller Timberland Company bekennt sich zu nachhaltigen Produktionsverfahren. Das börsennotierte Unternehmen bemüht sich eigenen Angaben zufolge aktiv, Umweltbelastungen zu verringern, sowie Bürger- und Menschenrechte zu beachten. Umweltschützer und Nicht-Regierungs-Organisationen üben dennoch immer wieder heftige Kritik an Timberland. Häufiger Vorwurf: Timberland arbeite mit Lieferanten, die nicht ausreichend überprüft würden. Über das Nachhaltigkeitsmanagement des Bekleidungsherstellers sprach ECOreporter.de mit Gordon Peterson, Leiter Unternehmenskommunikation Nachhaltigkeit bei Timberland.


ECOreporter.de: Herr Peterson, wie kontrollieren Sie, dass Arbeitszeitenregelungen bei Ihren Lieferanten eingehalten werden?
Gordon Peterson: Wir erwarten von all unseren Herstellern und Zulieferern, die Timberland Produkte für uns produzieren – unsere Unterhändler eingeschlossen, dass sie die Vorschriften die in unserem Verhaltenskodex (Code of Conduct) festgelegt sind, einhalten. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Geschäftsvereinbarung. Dazu gehören auch Vereinbarungen, bei denen Timberland nicht direkt vom Lieferanten bezieht. Das trifft zum Beispiel auf Lizenznehmer, Agenten und Zwischenhändler zu.

Unser Verhaltenskodex sieht vor, dass die regulären Arbeitszeiten 48 Stunden pro sechs Tage-Woche nicht überschreiten dürfen. Angemessen bezahlte Überstunden sind von der Regel ausgenommen. Die Gesamtarbeitszeit inklusive der Überstunden darf 60 Stunden pro Woche oder 12 Stunden pro Tag nicht überschreiten. Arbeitnehmer sollen mindestens einen Tag frei bekommen, nachdem sie sechs Tage am Stück gearbeitet haben; alle weiteren Überstunden müssen freiwillig sein.

Hersteller und Vertragslieferanten unserer Kern-Produkte und Komponenten werden vor dem Produktionsstart der Timberland Produkte überprüft und anschließend bis zum Vertragsende jährlich kontrolliert.


ECOreporter.de: Handelt es sich um angemeldete Kontrollen? Wer führt die Kontrollen durch?
Peterson: Alle Kontrollen sind angekündigt. Wir möchten, dass das Werksmanagement bei der Kontrolle anwesend ist und alle Dokumente verfügbar sind. Unsere Prüfungen sollen den Betrieben helfen, die Regeln des Code of Conduct einzuhalten. Deshalb müssen sie nicht unangemeldet erfolgen.

Wir haben 12 Prüfer. Die überprüfen ungefähr 80 Prozent der zirka 300 Betriebe, die Timberland Produkte herstellen. Der Rest wird von neutralen Gutachtern der Cal Safety Compliance Corporation (CSCC) überprüft. CSCC Trainer und Kontrolleure nehmen an unseren Code of Conduct Trainings teil. Wir setzen CSCC in bestimmten Situationen ein, wie beispielsweise in Süd-Korea, wo die Herstellungsbetriebe relativ klein sind und wir keinen Prüfer mit lokalen Sprachkenntnissen haben. Die CSCC Kontrolleure führen die Überprüfung durch und arbeiten während des gesamten Sanierungsprozesses mit der Fertigungsanlage zusammen, beaufsichtigt durch einen Timberland Kontrolleur.

Im Anschluss an die Überprüfung gewährleisten wir den Produktionsbetrieben Schulungen und weiterführende Beratung, Unterstützung und Hilfestellung.


ECOreporter.de: Wie viele Zulieferfabriken sind in China, Mexiko oder Indien angesiedelt?
Peterson: Im Jahr 2006 waren 32 Prozent unserer Lieferanten in China ansässig, 9 Prozent in Indien und 1 Prozent in Mexiko.


ECOreporter.de: Wie viele Zulieferer gehören zu den Hauptzulieferern, die jährlich kontrolliert werden sollen?
Peterson: 2006 wurden insgesamt 296 Hersteller und Vertragslieferanten für unsere Kern-Produkte überprüft.


ECOreporter.de: Wie oft werden die anderen kontrolliert?
Peterson: Unterhändler und Lieferanten von Nicht-Kernprodukten müssen unsere Vorschriften ebenso einhalten. Zwar werden diese Einrichtungen nicht notwendigerweise von einem Timberland Verhaltenskodex-Spezialisten überprüft, die Unternehmen müssen aber nachweisen, dass sie faire, sichere und nicht-diskriminierende Arbeitsplätze bereitstellen. Dies kann durch eine unabhängige Beglaubigung oder durch Ergebnisse einer Markenbeurteilung geschehen.


ECOreporter.de: Wer kann derartige „unabhängige Beglaubigungen“ ausstellen? Und was ist mit „Markenbeurteilung“ gemeint?
Peterson: Beispiele für unabhängige Organisationen, die eine Kontrolle bei einem Lieferanten von Nicht-Kernprodukten durchführen können und deren Ergebnisse wir anerkennen, sind die Social Accountability International (SAI), die Fair Labor Association (FLA) und die Worldwide Responsible Apparel Production (WRAP).

Mit dem Schlagwort Markenbeurteilung ist gemeint, dass wir auch die Überprüfung durch eine andere Marke anerkennen, für die der betreffende Zulieferer produziert. Das können beispielsweise Levis, GAP oder Nike sein. Diese Firmen führen diese Kontrollen in einer ähnlichen kooperierenden Art und Weise wie Timberland durch.

Wenn nicht gewährleistet ist, dass unsere Standards eingehalten werden, kann eine Überprüfung durch einen Timberland-Kontrolleur notwendig sein. Oder wir beenden die Produktion von Timberland-Produkten an diesem Standort.


ECOreporter.de: Gibt es für alle Zulieferer Arbeitszeitenregelungen?
Peterson: Wir haben einen Kodex für alle Lieferanten. Die eingangs erläuterten Arbeitszeiten treffen auf alle direkten und indirekten Lieferanten gleichermaßen zu.


ECOreporter.de: Wie viele Produktionsbetriebe hatten sie vor fünf Jahren selbst und wie viele Zulieferbetriebe?
Peterson: Im Jahr 2002 hat Timberland zwei eigene Herstellungsbetriebe besessen und von ungefähr 200 Lieferanten bezogen.


ECOreporter.de: Arbeiten Sie mit Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) zusammen?
Peterson: Basierend auf Bedarfsanalysen, fördern wir lokale und internationale Nicht-Regierungsorganisationen, um die soziale Infrastruktur und das ökonomische Wohlbefinden der Arbeiter und ihre Gemeinschaften zu verbessern. Das Spektrum der Themen ist breit: Bildung, Infrastruktur, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Zugang zu Finanzen und Krediten, Ernährungshilfe, Sekundärmarkt für Abfallprodukte und ungenutzte Produkte, Bildung von Märkten oder Bedarf für erneuerbare Energien.

Zusätzlich zu den Projekten in den Gemeinschaften berücksichtigen wir Initiativen rund um die Fertigungsanlagen. Dazu zählen Grundbedürfnisse und Themen, die einen Einfluss auf das Leben der Arbeiter innerhalb und außerhalb der Fabrik haben, wie Kindererziehung, Umgang mit PC’s und Computerbildung, Mathematikkenntnisse, Ernährung- und Gesundheitsbewusstsein, Führungsqualitäten, Konfliktmanagement und zwischenmenschliches Verhalten. Die gesamte Liste unserer strategischen Initiativen und der Nicht-Regierungsorganisationen mit denen wir zusammenarbeiten, finden Sie auf unserer Website.


ECOreporter.de: Haben Sie zertifizierte Umweltmanagementsysteme?
Peterson: Unsere Produktionsanlage in der Dominikanischen Republik ist dabei, ein ganzheitliches Umweltmanagementsystem einzuführen. Wir verlangen von unseren Lieferanten keine ISO 14001 Zertifizierung, fordern sie aber dazu auf, effektive Managementsysteme einzuführen und helfen ihnen dabei, dies umzusetzen.


ECOreporter.de: Sie wollen bis 2010 Ihre CO2-Bilanz "negativ" drehen. Wie soll dieses Ziel erreicht werden?
Peterson: Mit unseren Geschäftseinheiten entwickeln wir eine detaillierte Strategie, um den Ausstoß der Emissionen zu vermeiden, die durch die Betriebe und durch die Reisetätigkeiten unserer Mitarbeiter verursacht werden. Unsere erste Priorität dabei ist, den Energiebedarf durch Energieeffizienzverbesserungen zu reduzieren. Im zweiten Schritt werden wir saubere, erneuerbare Energie zukaufen oder wo es uns möglich ist, vor Ort eigene erneuerbare Energie generieren. Unsere letzte Alternative besteht darin, erneuerbare Energiekredite zu kaufen, um den Ausstoß der Emissionen auszugleichen und dazu beizutragen, lokale erneuerbare Energieprojekte zu entwickeln.


ECOreporter.de: Beeinflussen Sie auch den Energieverbrauch der Zuliefer-Unternehmen?
Peterson: Der Energieverbrauch wird bei der jährlichen Kontrolle unserer Lieferanten bewertet. Wir verfolgen ihren jährlichen Energieverbrauch und bewerten Sie positiv, wenn sie Energieeinsparregeln und -verfahren einführen.
Bei unseren Produkten können wir den Energieverbrauch und die Auswirkungen auf die Umwelt beeinflussen, indem wir Materialien und Herstellungsverfahren bevorzugen, die weniger energieintensiv sind. Unser Green Index™, ein Nachhaltigkeitsbewertungssystem, ist ein neues Instrument, das unseren Produktenwicklern dabei hilft, umweltbewusstere Entscheidungen zu treffen.


ECOreporter.de: Wie viel Ihrer bei Timberland selbst verbrauchten Energie stammt aus Wind-, Wasser, Sonnenkraft oder Biomasse?
Peterson: Im Jahr 2006 waren dies etwa 7 Prozent.


ECOreporter.de: Inwieweit ist gewährleistet, dass nicht nur die Produktion, sondern auch die Produkte umweltschonend sind?
Peterson: Unser Hauptaugenmerk liegt bei diesem Gesichtspunkt auf der Erhöhung der Transparenz, was die Auswirkungen unserer Produkte auf die Umwelt betrifft. Durch das Green Index™ Programm bieten wir dem Konsumenten eine Messgröße für die Auswirkungen auf das Klima, den Einsatz von Chemikalien und die verwendeten Materialien. Diese Auswirkungen beziehen sich nicht nur auf unsere direkte Produktion, sondern auch auf alle weiteren Einflüsse die mit der Produktion der von uns verwendeten Materialien zusammenhängen. Dazu gehört beispielsweise auch der Einsatz von Chemikalien bei der Baumwollproduktion oder der Kraftstoffaufwand bei der Herstellung von Nylon.

Statt Behauptungen über Umweltfreundlichkeit aufzustellen, stellen wir unseren Kunden spezifische und transparente Zahlen zur Verfügung. Wir wollen dem Konsumente gerne detaillierte Informationen geben. Zum Beispiel berichten wir, wie viel Prozent unserer Schuhe lösemittelfreie Klebstoffe verwenden oder wie viel Prozent unserer Schuhe PVC-frei sind. Das bietet nicht nur unseren Konsumenten mehr Informationen, sondern ist auch eine starke Inspiration für Designer und Techniker in ihren Bemühungen unsere Produkte permanent besser zu machen.

Im Hinblick auf Wiederverwertung, schreiben wir die Umweltvorteile des Recyclings für gewöhnlich unseren Produkten zu, wenn diese tatsächlich wiederverwertete Materialien beinhalten. Das hilft uns ehrlich zu bleiben. Denn oft werden Gegenstände als „recycelbar“ bezeichnet, obwohl sie wegen einer mangelhaften Infrastruktur faktisch nicht recycelt werden.

Jährlich erhöhen wir die Verwendung von biologischen, schnell erneuerbaren und recycelten Materialien in unseren Produkten. Wir haben eine Grafik vorbereitet, die zeigt, wie produktiv diese Materialien momentan in unseren Kollektionen verwendet werden. (Anmerkung der Redaktion: Die Grafik finden Sie unten.)


ECOreporter.de: Wer ist für Umweltschutz, CSR und verwandte Themen in der Geschäftsleitung in welcher Position verantwortlich?
Peterson: Die ökologische Verantwortung ist eine unternehmensweite Strategie. Diese Funktion befindet sich innerhalb des CSR-Teams. Der Vizepräsident des CSR-Teams berichtet an den Corporate Culture Beauftragten, der im Gegenzug direkt an unseren Präsidenten und CEO (Jeffrey Swartz) berichtet. Wir haben einen mit Vorständen besetzten CSR Ausschuss, der die Aufsichtsführung bei allen CSR bezogenen Themen gewährleistet.

ECOreporter.de: Herr Peterson, wir danken Ihnen für das Gespräch!



Bild: Produktion für Timberland in der Fabrik Pyuen; Schuh "Yellow Boots" / Quelle: Timberland
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