13.08.02

13.8.2002: Frank Asbeck, SolarWorld AG, zum Verkauf der WindWelt AG an seine Familienholding: "Für den Privataktionär hat sich nichts geändert!"

(CL) Die Bonner Solarworld AG hat ihre 87-prozentige Beteiligung an der Tochtergesellschaft WindWelt AG an die Eifelstrom GmbH verkauft. ECOreporter.de sprach mit Frank Asbeck, dem Vorstandsvorsitzenden der SolarWorld AG über die Gründe für die Transaktion. Frank Asbeck ist neben seiner Funktion bei der SolarWorld AG auch Vorstandsvorsitzender der WindWelt AG und Geschäftsführer der Solar Holding Beteiligungsgesellschaft mbH, der Eigentümerin der Eifelstrom GmbH.

ECOreporter.de: Herr Asbeck, Sie haben das WindWelt-Aktienpaket der SolarWorld AG an die Eifelstrom GmbH verkauft. Um wie viele Aktien der WindWelt AG handelt es sich?

Asbeck: Es wurden 5,2 Millionen Aktien übertragen.

ECOreporter.de: Wer sind die Gesellschafter der Solar Holding Beteiligungsgesellschaft mbH?

Asbeck: Die Solar Holding ist gewissermaßen eine "Familienholding", sie gehört vollständig mir und meiner Familie.

ECOreporter.de: Im April 2001 haben Sie SolarWorld-Aktionären und WindWelt-Interessenten mitgeteilt, WindWelt werde auch mittelfristig zur SolarWorld gehören. Noch im Januar dieses Jahres bezeichneten Sie es als Ziel, WindWelt stärker in SolarWorld einzubinden. Nun heißt es, die SolarWorld AG habe ihre Beteiligung "planmäßig" verkauft. Was hat zu diesem Sinneswandel geführt?

Asbeck: Strategische Aussichten ändern sich, wir müssen uns an veränderte Markbedingungen anpassen. Die Konzentration auf unser Kerngeschäftsfeld Solarenergie wurde uns vor allem von Seiten der Analysten immer wieder empfohlen. Wir haben das auch angekündigt; sowohl auf der Hauptversammlung der SolarWorld AG als auch vor den Aktionären der WindWelt wurde über die Pläne zum Verkauf der Beteiligung berichtet.

ECOreporter.de: Haben Sie das WindWelt-Aktienpaket auch anderen Investoren angeboten?

Asbeck: Wir standen in Gesprächen mit verschiedenen Energieversorgern. Innerhalb des von uns veranschlagten Zeitrahmens war es aber nicht möglich, in den Verhandlungen einen angemessenen Preis zu erzielen.

ECOeporter.de: Die SolarWorld AG hat einen erheblichen außerordentlichen steuerfreien Ertrag aus dem Verkauf der WindWelt-Aktien erzielt. Können Sie das genauer erklären?

Asbeck: In der Bilanz der SolarWorld wurde die Beteiligung an der WindWelt mit zwölf Millionen Euro bewertet. Die Differenz aus dem Verkaufserlös und dem bisherigen Buchwert dürfen wir als steuerfreien Ertrag vereinnahmen.

ECOreporter.de: Wie hoch ist der genaue Erlös aus dem Verkauf der Papiere an die Eifelstrom GmbH?

Asbeck: Der Gesamtkaufpreis beträgt 18 Millionen Euro. Grundlage ist der Schlusskurs für die Aktie der WindWelt vom Freitag. Der steuerfreie Ertrag beläuft sich auf sechs Millionen Euro.

ECOreporter.de: Im Januar 2002 hat die SolarWorld AG ihren Anteil an der WindWelt AG auf 87 Prozent erhöht. Was haben Sie für die Papiere bezahlt?

Asbeck: Der Kauf fand im Rahmen einer Kapitalerhöhung der SolarWorld gegen Sacheinlage statt. Die SolarWorld AG übernahm eine Million WindWelt-Aktien aus dem Besitz der Solar Holding und übertrug dieser im Gegenzug 200.000 SolarWorld-Aktien. Maßgeblich für das Tauschverhältnis von 5:1 war der Kurs beider Gesellschaften am Tag der Transaktion. Unser Ziel war die Bündelung der WindWelt bei der SolarWorld AG, um sie als Ganzes einem Investor anbieten zu können. 200.000 SolarWorld-Aktien wären nach heutigem Börsenkurs übrigens nur noch 1,3 Millionen Euro wert, die eine Million WindWelt-Papiere 3,5 Millionen Euro. Meine Familien-Holding hat mehr als zwei Millionen Euro bei dem Geschäft verloren!

ECOreporter.de: Sie haben angekündigt, die Eifelstrom GmbH werde den freien Aktionären der WindWelt "entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen ein Übernahmeangebot unterbreiten". Wie hoch wird das Angebot ausfallen?

Asbeck: Die Solar Holding ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von vier Wochen ein Angebot vorzulegen, dass dem Durchschnittspreis der Aktie in den letzten drei Monaten entspricht. Sobald jemand mehr als 30 Prozent der Anteile an einem Unternehmen kauft, das am Geregelten Markt notiert ist, muss er das tun. Ich rechne mit einer Größenordnung von 4,50 bis 4,60 Euro. Das Angebot ist aber vollkommen freilassend, das ist keineswegs ein Squeeze Out! Die Aktionäre können annehmen oder nicht, die Entscheidung bleibt dem Einzelnen überlassen. Betrachten Sie es einmal nüchtern: Für den Privataktionär hat sich nichts geändert, außer dass jetzt nicht mehr die SolarWorld AG Hauptaktionär ist, sondern die Asbeck-Familienholding. Unser Ziel ist nicht das Delisting der WindWelt AG, sondern die strategische Ausrichtung der SolarWorld. Das Geschäft der WindWelt geht weiter, und wir laden alle Aktionäre ein, dabei zu bleiben.

ECOreporter.de: Aus Sicht der WindWelt-Aktionäre, die im letzten Jahr die Aktien der WindWelt für fast 20 Euro gekauft haben, könnte es so aussehen, als ob das Unternehmen bisher vor allem dazu gedient hätte, den Bilanzgewinn der SolarWorld AG zu sichern. Was sagen Sie nun zum Wertverlust der Aktie?

Asbeck: Es ist bedauerlich, dass der Kurs auf drei Euro gefallen ist. Aber vergleichen Sie den Kurs der Windwelt mit dem der anderen börsennotierten Windkraftprojektierer, die notieren auch alle so um drei Euro herum. Von unserem Bestand her müssten wir viel höher bewertet werden. Immerhin ist die WindWelt AG im Besitz von Windkraftstandorten mit insgesamt 36 Megawatt Leistung. Es scheint, dass die drei zur Zeit eine magische Zahl zur Bewertung von Unternehmen mit dem Wort "Wind" im Firmennamen ist.

Der Markt ist einfach verrückt! Ich kann ein Unternehmen führen, auf die Bewertung durch die Börse habe ich keinen Einfluss. Den Aktionären der WindWelt rate ich, die Aktien zu behalten. Wenn der Markt sich erholt, wird es auch wieder eine angemessene Bewertung für das bisher stetige Wachstum der WindWelt geben, davon bin ich überzeugt. Was den Emissionspreis angeht: Im Frühjahr 2001 waren 19,75 Euro marktgerecht. Sie müssen das vor dem Hintergrund der Bewertung vergleichbarer Titel sehen, die damals auch wesentlich höher notierten als heute. Schließlich wurde niemand gezwungen, zu diesem Preis zu kaufen.

ECOreporter.de: Ihre Ad hoc-Mitteilung berichtet vom Verkauf einer 82prozentigen Beteiligung an der WindWelt AG. Als Sie im Januar Aktien Ihres Tochterunternehmens gekauft hatten, meldeten Sie die Kontrolle über 87 Prozent der Papiere. Hat die SolarWorld AG zwischenzeitlich WindWelt-Aktien verkauft?

Asbeck: Nein, wir haben nicht eine einzige Aktie verkauft! Auch meine Familie hat noch keine einzige Aktie des Unternehmens über die Börse verkauft. Die SolarWorld AG darf das übrigens überhaupt nicht, es gibt keinen entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung. Die Differenz in den Zahlen geht - auch wenn das etwas unwahrscheinlich klingen mag - einzig auf einen Zahlendreher zurück, der einem unserer Mitarbeiter bei der Bearbeitung der Ad Hoc-Meldung unterlaufen ist.

Mit der SolarWorld haben wir Großes vor. Dieses Unternehmen ist für mich persönlich eine Vision. Die 18 Millionen Euro, die wir durch den Verkauf der WindWelt-Aktien an Liquidität gewonnen haben, stammen immerhin aus dem Privatvermögen meiner Familie! Nachdem wir mit unserer Holding bereits bei der letzten Kapitalerhöhung für 6,5 Millionen Euro junge Aktien gezeichnet haben, haben wir im letzten halben Jahr umgerechnet fast 50 Millionen Mark in das Unternehmen investiert. So viel Geld habe ich nicht unter dem Sofa liegen. Ich habe Kredite aufgenommen. Die außerordentlichen Erträge aus dem Börsengang der WindWelt im letzten Jahr und dem Verkauf der Aktien jetzt an die Solar Holding tragen wesentlich dazu bei, dass die SolarWorld weiterhin schnell wachsen kann. Wir wollen dieses Unternehmen fett und stark machen, nur so haben wir eine Chance, im Wettbewerb mit Shell, BP und den anderen Großen mitzuhalten.

Bild: Frank Asbeck
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