13.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

13.9.2004: Wochenrückblick: Umweltkontor beantragt Insolvenz - REpower baut Rekord-Windmühle - Energiewirtschaft will 500 Milliarden Euro jährlich investieren

Die Aktienindizes zeigten in der zurückliegenden Woche wieder nach oben. Der DAX und der US-amerikanische Dow Jones Industrial Average, beides Indizes für große Industriewerte, zeigten leichte Aufschläge. Mit je drei Prozent Zuwachs kletterten TecDAX und Nasdaq Combined Composite Index stärker. Die Verluste aus der Vorwoche wurden damit mehr als ausgeglichen. Der japanische Index Nikkei-225 legte ein halbes Prozent zu. Um 1,7 Prozent auf 1,2262 US-Dollar verteuerte sich der Euro.

Der Preis für das Rohöl hat wieder leicht angezogen. Alan Greenspan, Chairman der US-amerikanischen Notenbank, sprach auf einer Anhörung zur Beurteilung der US-Konjunktur von "wachsenden Zweifeln" am langfristigen Öl-Angebot. Hintergrund sei die verstärkte Nachfrage aus China und Indien, so Greenspan.

Der Energiebedarf der Menschheit wird in den nächsten Jahren enorm wachsen. Das ist die Kernaussage des Welt-Energiekongresses im australischen Sydney. Wenn der weltweite Energieverbrauch wie in den vergangenen Jahrzehnten weiter mit einer jährlichen Rate von zwei Prozent anwachse, müsste die globale Energieerzeugung in diesem Jahrhundert mehr als verdreifacht werden, sagte der Delegierte Mohammed El-Ashry. Nach Darstellung der Vertreter der etablierten Energiewirtschaft sei das Kernproblem dabei das Geld: In den kommenden Jahrzehnten müssten jedes Jahr weltweit 500 Milliarden Euro investiert werden, um den Bedarf zu befriedigen. Dies sei nur möglich, wenn die fossilen Energieträger (Kohle, Öl und Gas) das Rückgrat der Energieversorgung blieben, hieß es. Vor allem die Vertreter der deutschen Stromwirtschaft kritisierten die Förderung der erneuerbaren Energien - diese seien viel zu kostspielig. Zu Beginn des Kongresses hatte der Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (World Business Council for Sustainable Development) eine Studie vorgestellt, die bereits zum Jahr 2050 eine Verdopplung des Kohlendioxid-Ausstoßes voraussagt. Kohlendioxid gilt als Auslöser des menschengemachten Klimawandels. Der Rat empfiehlt die "sofortige" Umstellung der Energieversorgung auf Erdgas, Atomenergie, erneuerbare Energien und energiesparsame Anwendungen.

Die Umweltkontor Renewable Energy AG hat Insolvenz beantragt. Es sei nicht gelungen, die Gespräche mit den Banken zu einem positiven Abschluss zu führen, so die Mitteilung des Erkelenzer Unternehmens. Zwei von sechs Banken seien nicht mehr bereit gewesen, die gewährten Kredite aufrecht zu erhalten. Dies, obwohl andere Banken in der Zwischenzeit über 30 Millionen Euro neue Finanzmittel in Aussicht gestellt hätten. Die Gesellschaft geht den Angaben zufolge davon aus, den Insolvenzantrag zurückziehen zu können, wenn in den nächsten Wochen doch noch eine Einigung erzielt wird. Die Geschäfte sollen auf der Basis des eingereichten Insolvenzplans weitergeführt werden. Die Tochtergesellschaften seien von der Insolvenz wirtschaftlich nicht unmittelbar betroffen.
Ferner teilte das Unternehmen die Konzernkennzahlen des Geschäftsjahrs 2003 mit. Der Umsatz ist demnach auf 174 Millionen Euro angewachsen, nach 143 Millionen Euro im Jahr 2002. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) weitete sich auf minus 46 Millionen Euro aus. Dieser Fehlbetrag enthalte Sondereffekte in Höhe von 38 Millionen Euro: Entkonsolidierung der Nevest New Energy AG (sieben Millionen), Abschreibungen im Bereich Biodiesel und Biomasse (20 Millionen), Abschreibungen auf Auslandsprojekte (drei Millionen) sowie Wertberichtigungen von Forderungen und Rückstellungszuführungen zur Risikovorsorge (zusammen acht Millionen Euro). Der Rückzug einiger Geschäftsbanken habe dazu geführt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young für den Jahresabschluss ein Versagungstestat erteilt habe.

Die Umweltkontor Renewable Energy AG ist nach zuletzt bekannten Informationen in den Geschäftsfeldern Windenergie, Solartechnologie, Kleinwasserkraft und Handel mit Biodiesel tätig. Projektierung und Vertrieb von Windparks stellen das Hauptgeschäft dar, wobei das Unternehmen mit 57 Megawatt installierter Leistung im Jahr 2003 zu den Marktführern in Deutschland gehörte. Im Dezember 2003 hatte Umweltkontor seine Beteiligung am Biodiesel-Produzenten Nevest verkauft. Auch Nevest hatte damals nach einer "überraschenden" Kündigung der Kredite - so die Aussage von Umweltkontor-Vorstand Lohmann gegenüber der Presse - Insolvenz angemeldet. Die Umweltkontor-Aktie stürzte um 42 Prozent auf 0,29 Euro.

Die Kurse anderer Windparkprojektierer sanken ebenfalls. Energiekontor, Bremen, verloren zwölf Prozent auf 0,99 Euro; hier wurde das Wochentief von 0,83 Euro allerdings bereits am Mittwoch erreicht - vor der Bekanntgabe des Umweltkontor-Insolvenzantrags am Donnerstagabend. Plambeck Neue Energien AG, Cuxhaven, gaben elf Prozent auf 1,08 Euro ab.

REpower Systems AG, Windturbinen-Hersteller aus Hamburg, berichtete über die Aufstellung der Windenergieanlage 5M in Brunsbüttel. Mit einer elektrischen Nennleistung von fünf Megawatt sei dies die derzeit stärkste Anlage der Welt, so das Unternehmen. Sie sei für Offshore-Anwendungen konzipiert, solle aber zunächst an Land getestet werden. Die Einzelteile des ersten Prototypen würden derzeit an den Standort Brunsbüttel transportiert, in den nächsten Tagen solle der Aufbau beginnen und nach cirka zehn Tagen abgeschlossen sein, gutes Wetter vorausgesetzt. Der Rotordurchmesser der 5M beträgt laut der Meldung 126 Meter - auch dies ist Weltrekord. REpower-Vorstandsvorsitzender Fritz Vahrenholt sagte dem Hamburger Abendblatt, bei der Größe der Anlage sei es nicht um Rekorde gegangen, sondern um Effizienz. Die Leistung nehme viermal so stark zu wie der Durchmesser der Flügel. Nach den Vorstellungen Vahrenholts werde die Windenergie im Jahr 2014 so effizient sein, dass sie keine Subventionen mehr brauche, so das Abendblatt. Die REpower-Aktie legte leicht auf 16,48 Euro zu.

Der Stromerzeuger unit energy europe AG, Bad Homburg, informierte über Fortschritte bei dem Wasserkraftwerk Ancinale in Italien. Der Netzbetreiber Enel SpA habe Anfang August mit den Arbeiten am Netzanschluss begonnen. Das habe das Unternehmen in Schreiben an die italienischen Rechtsanwälte der unit energy AG bestätigt. Enel habe in Aussicht gestellt, dass die Arbeiten Ende Oktober 2004 abgeschlossen sein könnten, so die Mitteilung des unit energy-Vorstands. Das süditalienische Kraftwerk gilt als wichtigstes Projekt der Bad Homburger. Es ist laut Unternehmensangaben seit langem im wesentlichen fertiggestellt, konnte jedoch infolge des fehlenden Netzanschlusses bisher nicht einmal im Probebetrieb gefahren werden. Der Kurs reagierte mit einem Anstieg um 4,7 Cent auf 0,147 Euro.

Der Kurs der Vossloh AG brach bis zum Mittwoch auf 31,50 Euro ein, um danach wieder auf 34,03 Euro zu steigen - ein Wochenminus von drei Prozent. Hintergrund könnten Spekulationen über den Eintritt der General Electric Co in den deutschen Lokomotiven-Markt sein. Dies würde für Vossloh eine starke Konkurrenz bedeuten und könnte die Margen drücken, hieß es. Der Hersteller von Lokomotiven und Schienentechnik steht des weiteren unter dem Druck der Ausgabenkürzungen des Bundes für die Deutsche Bahn AG.

Der Kölner Dienstleistungs- und Rohstoffkonzern Interseroh AG hat nach eigenen Angaben in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) eine Kunststoffaufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Die Anlage könne als eine der modernsten in Europa gebrauchtes Styropor aufbereiten, so Interseroh. Das gewonnene Granulat könne in der Kunststoffindustrie als Rohstoff verwendet werden. Die Aktie notierte vier Prozent schwächer bei 13,20 Euro.


Transmeta Corp., US-amerikanischer Hersteller stromsparsamer Mikroprozessoren, hat seine Prognose für das dritte Quartal (24. September) gesenkt. Nunmehr würden Umsätze im Bereich von 6,8 bis 7,5 Millionen Dollar angestrebt. Zuvor galten 8,0 bis 8,7 Millionen Dollar als Ziel. Zur Begründung führte der Chiphersteller die Produktionsaufnahme eines neuen Prozessors sowie die schwache Nachfrage nach Halbleiter-Produkten an. Transmeta brachen elf Prozent auf 1,34 Dollar ein.

Die Aktie des Luftfilter-Spezialisten CECO Environmental Corp. aus den USA verteuerte sich um 39 Prozent auf 2,05 Dollar. Active Power Inc., Hersteller von batterielosen Stromspeichergeräten, kletterten zehn Prozent auf 3,08 Dollar. Hingegen verloren die im Bulletin Board gehandelten Papiere der WorldWater Corp. zwölf Cent oder 35 Prozent auf 0,22 Dollar. An der Frankfurter Börse fielen der Telematik-Anbieter init innovation in traffic systems AG mit einem Plus von elf Prozent sowie der Solarmodul-Produzent Solon AG mit einem Minus von acht Prozent auf.

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
CECO Environmental Corp. (ISIN US1251411013 / WKN 906379)
Enel SpA (Ente Nazionale Energia Elettrica SpA, ISIN IT0003128367 / WKN 928624)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
unit energy europe AG (ISIN DE0007760100 / WKN 776010)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
WorldWater Corp. (ISIN US98155N1063 / WKN 909889)

Bilder: Umweltkontor-Windpark Gangelt; Flügel einer REpower MM82 Windkraftanlage bei der Montage in Portugal; Tomra-Pfandrücknahmeautomaten

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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