14.11.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

14.11.2007: Aktien-News: Wie stellt sich der Börsenneuling KTG Agrar AG zu den Medienvorwürfen? ECOreporter.de sprach mit Unternehmenssprecher Fabian Lorenz

Der Börsenneuling KTG Agrar AG wurde in einem Beitrag der Zeitung Financial Times Deutschland (ftd) angegriffen. Laut dem Blatt wurde Vorstandsvorsitzender der Siegfried Hofreiter Konkursverschleppung und des Bankrotts schuldig gesprochen. Außerdem sei eine KTG-Tochter Anfang 2007 auf die Herausgabe gepachtet Flächen verklagt worden (wir berichteten).

ECOreporter.de hat beim Unternehmen nachgefragt, wie es sich zur Darstellung der ftd stellt. Fabian Lorenz, Pressesprecher der KTG Agrar, erklärt: „Der Vorfall liegt 15 Jahre zurück. Anfang der 90-ziger hatte Herr Hofreiter mit Partnern eine Fahrradproduktion in Jugoslawien aufgebaut. Im Balkankrieg wurde die zerstört. Die Anmeldung der Insolvenz hat sich durch die Kriegswirren hinausgezögert, man hat erst versucht herauszufinden, ob noch etwas von dem Werk übrig geblieben ist. Letztendlich musste für zwei Unternehmen Insolvenz angemeldet werden, für die Produktionstochter und die Vertriebstochter. Herr Hofreiter hat das 2002 akzeptiert. Bei den Investoren war die Geschichte übrigens ein vollkommen unkritischer Punkt. Das Ganze wird im Wertpapierprospekt auch offen kommuniziert.“

Inzwischen sei Hofreiter ein erfolgreicher Unternehmer, so der Sprecher. Die KTG Agrar sei 1994 mit einem Eigenkapital von 100.000 Euro an den Start gegangen, vor dem Börsengang habe das Unternehmen über mehr als zehn Millionen Euro Eigenkapital verfügt. Jahreslang seien die Gewinne wieder in das Unternehmen investiert worden.

Die von der ftd berichtete Nutzung von Flächen, deren Pachtvertrag bereits abgelaufen war, beruhe auf einem "Missverständnis“, so Lorenz. KTG habe sich gütlich mit dem Verpächter geeinigt, zudem betreffe der Fall nur 500 Hektar. Das Unternehmen bewirtschaftet eigenen Angaben zufolge derzeit insgesamt rund 14.000 Hektar in Deutschland und Litauen.

Wie der Sprecher im Gespräch mit ECOreporter.de weiter berichtet, wurden acht Prozent der Aktien aus der vorbörslichen Platzierung Privatanlegern zugeteilt. Der größte Teil sei von institutionellen Investoren aus dem deutschsprachigen Raum gezeichnet worden. „Viele Käufer kamen aus Österreich und der Schweiz, besonders die Nachhaltigkeitsfonds, die dort ihren Sitz haben, haben Aktien gezeichnet“, sagt Lorenz.

Wie wichtig ist dem Unternehmen die Sparte ökologischer Landbau? Laut dem Sprecher stand bei Gründung der KTG 1994 der ökologische Landbau im Vordergrund. Idee sei es gewesen, Bioprodukte in den Supermarkt zu bringen. Seit 2000 sei der Geschäftsbereich konventionelle Landwirtschaft dazu gekommen. Ziel sei ein Verhältnis 50 zu 50 zwischen den beiden Sparten, aktuell sei der Ökolandbau mit 45 Prozent des Geschäftvolumens noch unterrepräsentiert.

Auch in konventionell bewirtschafteten Betrieben der KTG werden seinen Angaben zufolge ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt. „Oberstes Gebot ist zum Beispiel, dass keine Gentechnik verwendet wird. Die konventionelle Betriebe stellen sehr hochwertige Lebensmittel her. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Müslihersteller, die erwarten ein sehr hohes Qualitätsniveau“, so Lorenz gegenüber ECOreporter.de.

Die gesamte landwirtschaftliche Produktion hat bisher aber nur etwa 50 Prozent Anteil am Ertrag der KTG. Die restlichen 50 Prozent Wertschöpfung habe das Unternehmen mit „ergänzenden Agraraktivitäten erwirtschaftet. Lorenz: „Darunter versteht man vor allem den Handel mit Flächen und Betrieben. Die KTG hat beispielsweise ehemalige LPG-Betriebe gekauft. Die Betriebsteile, die man nicht selbst weiter nutzen wollte, wurden ausgegliedert und verkauft.“ Dem Sprecher zufolge wird die Bedeutung dieser Handelsaktivitäten in Zukunft stark abnehmen. Statt dessen erwarte man wachsende Erträge aus dem neuen Geschäftsbereich Biogas.

KTG Agrar AG: ISIN DE000A0DN1J / WKN A0DN1J
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