14.01.06 Erneuerbare Energie

14.1.2006: Commerzbank-Ziel: Nummer eins im Kreditgeschäft mit Erneuerbaren Energien - ECOreporter.de Interview mit Torsten Hinsche von der Commerzbank AG

Die Frankfurter Commerzbank AG will die Nummer eins im Kreditgeschäft mit Erneuerbarer Energie werden. ECOreporter.de sprach darüber mit Torsten Hinsche, Leiter des Center of Competence Renewable Energies bei der Commerzbank AG in Hamburg.

ECOreporter.de: Welche Branchen interessieren die Commerzbank am meisten? Wind, Sonne, Biodiesel, Biogas, Geothermie?
Torsten Hinsche: Wir beschäftigen uns mit allen Sparten der Erneuerbaren Energien. Entsprechend ihrer Bedeutung am Markt haben wir auch eine Gewichtung in unserem Portfolio.

ECOreporter.de: Welche Branchen haben Ihrer Meinung nach die höchsten und die niedrigsten Kredit-Risiken?
Torsten Hinsche: Unserer Meinung nach gibt es keine Abstufung zwischen hohen und niedrigen Risiken. Wir unterscheiden nicht zwischen Energiegewinnungsformen mit einem niedrigerem oder höherem Risiko als andere. Jede Energiegewinnungsform hat ihre eigenen spezifischen Risiken, die es jeweils zu berücksichtigen gilt. Selbstverständlich gibt es aber auch wiederkehrende Risikofaktoren.

ECOreporter.de: Welche Projektgröße und welches Kreditvolumen gehört zur angestrebten Hauptzielgruppe?
Torsten Hinsche: Der Bestimmungsfaktor ist für uns nicht in erster Linie die Projektgröße oder das Kreditvolumen. Entscheidend ist für uns vielmehr, dass das Chancen- und Risikoprofil und die Wirtschaftlichkeit für das Projekt stimmen. Und für uns, die Bank.

ECOreporter.de: Welche Anforderungen stellen Sie an die Unternehmer der Projekte? Und welchen Eigenkapitalanteil sollte das Projekt aufweisen?
Torsten Hinsche: Das ist jeweils projektspezifisch und lässt sich nicht pauschal beantworten.

ECOreporter.de: Welche Rolle spielen gesetzlich geregelte Einspeisevergütungen für die Kreditvergabe?
Torsten Hinsche: Bei cash-flow-basierten Projektfinanzierungen ist die Sicherheit der Einnahmen-Prognose einer der wesentlichen Faktoren. Da sind gesetzlich geregelte Einspeisevergütungen eine wichtige Säule. Aber wir werden auch Projekte finanzieren, die für die es keine gesetzlich geregelten Einspeisevergütungen gibt.

ECOreporter.de: Welche Anforderungen stellen Sie an die Versicherungen des Projektes?
Torsten Hinsche: Es ist eine Grundvoraussetzung, dass das Projekt angemessen versichert ist.

ECOreporter.de: Wird die Commerzbank in der Regel alleine oder im Konsortium finanzieren?
Torsten Hinsche: Das ist projektabhängig. In Deutschland werden wir eher allein auftreten, im Ausland spielen Konsortien eine deutlich größere Rolle.

ECOreporter.de: Welchen Anteil soll das deutsche Kreditgeschäft in dem Erneuerbare-Energien-Segment dabei haben und welchen Anteil das ausländische?
Torsten Hinsche: Das ist letzlich marktabhängig. Aber wir erwarten das größere Wachstum im Ausland. Wir sehen uns angesichts unseres Track-Records seit 1986 und unserer Erfahrung gut gerüstet, in diesem Wettbewerb zu bestehen.

ECOreporter.de: Wollen Sie "nur" Kredite vergeben oder auch selbst als Eigentümer einsteigen bei Erneuerbare-Energien-Unternehmen?
Torsten Hinsche: Nur von der Kreditvergabe können Banken schon lange nicht mehr existieren. Unsere Rolle ist nicht nur hier deutlich weiter gefasst. Dazu gehören zahlreiche Dienstleistungen wie z.B. Kapitalmarktprodukte, Derivate, alternative Finanzierungsformen, Begleitung bei Börsengängen, etc. Eine Eigentümerfunktion ist dabei aber normalerweise nicht vorgesehen.

ECOreporter.de: Welche Börsengänge wird die Bank 2006 begleiten?
Torsten Hinsche: Das kann und möchte ich verständlicherweise nicht beantworten.

ECOreporter.de: Wie steht die Commerzbank zu jungen, unbekannten, kleinen, innovativen Erneuerbare-Energie-Unternehmen, Unternehmern und Ideen?
Torsten Hinsche: Grundsätzlich aufgeschlossen! Nur so ist ja auch die Wind-und die Photovoltaik-Branche groß geworden.

ECOreporter.de: Herr Hinsche, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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