14.12.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

14.12.2006: "Wind hat das Potential, einen großen Teil des nationalen Verbrauchs zu decken" - ECOreporter.de-Interview mit Taner Sahin, Energy Farming International AG (EFI), zur Entwicklung der Erneuerbare-Energien-Branche

Die Energy Farming International AG (EFI) aus Mülheim an der Ruhr hat sich als Dienstleister im Bereich der Erneuerbaren Energien etabliert. Das Unternehmen kümmert sich um Beratung und Finanzierung von Projekten, übernimmt die Betriebsführung und baut auch schlüsselfertige Anlagen. ECOreporter.de sprach mit Taner Sahin von der Projektentwicklung der EFI über die aktuelle Situation in der Erneuerbare-Energien-Branche und seine Einschätzung für die weitere Entwicklung.


ECOreporter.de: Durch die Änderung der Steuergesetzgebung Ende 2005 haben sich die Rahmenbedingungen für geschlossene Fonds im Bereich der Erneuerbaren Energien grundlegend verändert. Was müssen Fonds mitbringen, um unter diesen Bedingungen zu bestehen?
Taner Sahin: Der grundsätzliche Wechsel in der Fondstrategie vieler Initiatoren zeichnete sich schon im Vorfeld ab: weg vom Kommanditmodell hin zur Vermarktung an vermögende Einzelpersonen und institutionelle Investoren. Der Publikumsfonds mit Bürgerbeteiligung ist aber nicht tot. Neuerdings wird der Aspekt des Vermögensaufbaus für die Alterssicherung hervorgehoben. In diesem Zusammenhang wird die Anzahl der Genusscheinemissionen weiter zunehmen. Damit drängt man bereits in die Domäne der Kapitallebensversicherungen. Dem Bedürfnis weiter Anlegerkreise nach sicheren, kontinuierlichen Rückflüssen wird Rechnung getragen. Erfolg werden die Initiatoren haben, die handfeste Garantien für ihre Renditeversprechen geben können. Leistungsbilanzen und Ratings werden die Türen zu den Anlegern öffnen.

ECOreporter.de: Großinvestoren tragen heute entscheidend zum weiteren Ausbau der Windkraft bei. Aus welchen Ländern kommen sie?
Sahin: Steuerliche Vorteile und der Mangel an eigenen Investitionsmöglichkeiten begünstigen derzeit den Einstieg von Dänen im deutschen Markt. Das wird sich aber vermutlich bald ändern, auch in Dänemark stehen die Steuervorteile zur Disposition. Eine andere wichtige Gruppe sind die Investoren aus Übersee, sie sehen im deutschen EEG einen sicheren Hafen. Es gibt allerdings immer weniger Neuprojekte, die die Rendite- und Größenerwartungen dieser Gruppen erfüllen können.
Auf dem Gebrauchtmarkt werden ältere Windparks angeboten, die in Liquiditätsnot sind. Der Gebrauchtmarkt wird weiter wachsen, auch dank der ausländischen Investoren.

ECOreporter.de: Sie entwickeln Ihre Projekte nicht nur in Deutschland. Welche Märkte halten Sie derzeit für besonders interessant?
Sahin: Seit Beginn des Jahrzehnts sind wir in den USA aktiv, deren Markt treibt die Windbranche weltweit an. Das ist erstaunlich, immerhin lehnt die US-Regierung weiterhin das Kioto-Protokoll ab. Wir haben unsere US-Niederlassung personell aufgestockt und verfolgen dort Multimegawattprojekte.

ECOreporter.de: Wie aussichtsreich ist die Umrüstung bestehender Standorte mit leistungsfähigeren moderneren Anlagen, das so genannte "Repowering" in Deutschland?
Sahin: In 2006 sind, soweit ich weiß, weniger als zehn Standorte durch Repowering aufgerüstet worden. Das liegt oft an der Verwaltung. Wenn z.B. in NRW die neuen Baurichtlinien umgesetzt werden, mit verschärften Mindestabständen zu Wegen und Bebauungen, wird es schwer, neue Windräder mit größeren Flügeln an die Stelle der alten zu setzen.
Effizientere Anlagen sind ökonomisch sinnvoll. Das ist wie mit einer alten Wagenflotte, die durch neue, bessere Modelle erneuert wird. Wenn es gelingt, die Bevölkerung einzuspannen und Hemmnisse in Verwaltung und Politik abzubauen, wird bereits in fünf bis zehn Jahren ein Großteil der heutigen Windstandorte repowert werden.

ECOreporter.de: Ihr Unternehmen beschäftigt sich mit Windkraft, Solarenergie, Biogasnutzung, Solarthermie und Geothermie. Welche Technologie bietet aktuell die besten Entwicklungsmöglichkeiten?
Sahin: Eindeutig Wind. Wind hat das Potential, einen großen Teil des nationalen Verbrauchs zu decken. In Dänemark stellt die Windkraft an manchen Tagen mit Spitzenanteilen schon über 40 Prozent der Gesamteinspeisung. Durch intelligentes Netzmanagement könnte das Stromnetz in Deutschland zudem noch Zuwachs an Windkraftleistung verkraften.
Wir konzentrieren uns zurzeit auf Wind. Nächstes Jahr könnten Photovoltaik-Freilandprojekte hinzukommen.

ECOreporter.de: Wie stark ist die Windkraft-Branche in Deutschland auf die weitere Förderung durch die Politik angewiesen?
Sahin: Das EEG ist nach wie vor der Garant für die Entwicklung der Windenergie in Deutschland. Investitionen brauchen einen verlässlichen Rahmen. Und solange die Umweltfolgekosten den konkurrierenden fossilen Energieträgern nicht oder nur unzureichend aufgebürdet werden, haben es die Erneuerbaren Energien schwer. Aber die Kostenschere nimmt stetig ab. Der nationale Windanlagenpark wird in den nächsten zehn Jahren mit den traditionellen Grundlastkraftwerken im Preis mithalten können. Davon bin ich überzeugt. Bis dahin werden Wind-Investitionen auf das EEG angewiesen sein.

ECOreporter.de: Wo sehen Sie die besonderen Stärken Ihres Unternehmens im Bereich der Erneuerbare-Energien-Branche?
Sahin: Am meisten verstehen wir von der Windenergie. Hier werden wir auch in Zukunft unsere Brötchen verdienen. Beratung, Projektplanung, Finanzierung, Vertrieb und Betrieb der Windparks sind die Haupttätigkeitsgebiete. Dabei können wir in fünf Sprachen mit unseren Kunden sprechen: Spanisch , Deutsch, Englisch, Russisch und Türkisch. Hinzu kommen Detailkenntnisse der Märkte in Deutschland, Spanien und Nordamerika. Internationale Geschäftspartner schätzen an uns vor allem die kulturelle Vielseitigkeit.

ECOreporter.de: Die EFI firmiert als Aktiengesellschaft. Kann man sich auch direkt beteiligen?
Sahin: Die EFI-Aktien befinden sich im Besitz der langjährigen Eigentümer; ein Handel findet nicht statt. Beteiligen kann man sich an unserem "Windpark Schonach", der steht seit Anfang November in dem idyllischen Ort Schonach im Hochschwarzwald.

ECOreporter.de: Herr Sahin, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bilder: Taner Sahin; Windpark Schonach / Quelle: Unternehmen
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