01.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.4.2006: Deutscher Siliziumhersteller geht an die Börse: Aktien der Wacker Chemie AG sollen zwischen 70 und 80 Euro kosten

Die Aktien der Münchner Wacker Chemie AG werden vom gestrigen 31. März bis zum 7. April zur Zeichnung angeboten. Wie das Unternehmen mit Sitz in München bekannt gab, liegt die Preisspanne für die bis zu 15 Millionen Anteilsscheine bei 70 bis 80 Euro. Die Erstnotiz im Börsensegment Prime Standard der Frankfurter Börse sei für den 10. April geplant.

Der Börsengang des 1914 gegründeten Traditionsunternehmens ist möglicherweise das größte deutsche IPO in diesem Jahr ("Initial Public Offering"). Bei einer Zuteilung in der Mitte der Preisspanne würde das Volumen bei etwa 980 Millionen Euro liegen. Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption erhöhte sich der Betrag auf 1,125 Milliarden Euro. Der Streubesitzanteil der Wacker-Aktien soll nach dem Börsengang bei 28,75 Prozent liegen.

Wie das Unternehmen bereits zuvor mitgeteilt hatte, wird die Dr. Alexander Wacker Familiengesellschaft keine Aktien verkaufen. Ihr Anteil am Unternehmen wird weiterhin 55,64 Prozent betragen. Die nun angebotenen Aktien stammen von der Blue Elephant Holding, der Investmentbank Morgan Stanley sowie der Wacker Chemie AG selbst. Morgan Stanley führt gemeinsam mit der UBS auch das Bankenkonsortium der Emission an.

Nach dem Börsengang soll Blue Elephant noch 10,86 Prozent der Anteile und die Gesellschaft selbst 4,74 Prozent halten. Der Wacker Chemie AG würden so in der Mitte der Preisspanne nach Unternehmensangaben etwa 400 Millionen Euro zufließen. Dies ist etwas mehr als Finanzvorstand Joachim Rauhut noch Anfang der Woche erklärt hatte. Damals hatte er einen Betrag von 350 Millione Euro genannt. Wacker Chemie und die übrigen Altaktionäre haben sich zu einer Haltefrist von sechs Monaten verpflichtet.

Die Blue Elephant Holding gehört mehrheitlich Vorstandschef Peter-Alexander Wacker. Wacker will mit seinem Erlös den Kauf von Wacker-Anteilen refinanzieren, die im vergangenen Jahr von der französischen Sanofi-Aventis zurückerworben wurden.

Die Preisspanne von 70 bis 80 Euro erscheint in Finanzkreisen als angemessen. Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires hatte gestern sogar noch mit einem höheren Preis gerechnet.

Größter Geschäftsbereich der Wacker Chemie AG ist Silicones, ein Silan- und Silikonhersteller mit einem Umsatzanteil von 40,6 Prozent im Jahr 2005. Silicones beliefert unter anderem Elektro- und Chemie-, Kosmetik, Textil und Papierindustrie. Als besonders zukunftsträchtig wird der Bereich Polysilizium eingeschätzt. Hier liefert Wacker Reinsilizium, Chlorsilane und Kieselsäuren an die Halbleiter- und Photovoltaikindustrie zu. Der Bereich hatte 2005 mit 288,1 Millionen Euro einen Umsatzanteil von 10,4 Prozent im Konzern und wuchs um 11,3 Prozent. Bei der Festsetzung der Preisspanne haben Wacker und die beteiligten Banken offenbar der Versuchung widerstanden, diesen besonders interessanten Bereich zu ambitioniert zu bewerten. 2005 stieg das Ergebnis des Bereichs um über 40 Prozent auf 66,2 Millionen Euro, die Marge von 18 auf fast 23 Prozent.

Weitere Geschäftsbereiche von Wacker sind Polymere, Feinchemie sowie Siltronic, ein Hersteller von Wafern aus Reinstsilizium für die Chipindustrie. Letzterer sieht sich in seiner Branche einem harten Preiswettbewerb ausgesetzt. Nach einem gescheiterten Verkaufsversuch 2004 soll der Bereich jetzt im Konzern verbleiben, wie Konzernchef Wacker jetzt betonte.

Mit dem Erlösanteil des Börsengangs, der unmittelbar dem Unternehmen zufließt, will Wacker weiteres Wachstum finanzieren. Geplant sind etwa neue Produktionskapazitäten im Bereich Silikone in China sowie eine neue Produktionsanlage für Polysilizium im bayerischen Burghausen.

Wacker Chemie AG: ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888

Bild: Silizium / Quelle: Wacker Chemie AG
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