14.02.02

14.2.2002: Wolfgang Schuler, KWA AG: "Biomasse ist heute auch ohne Zuschüsse schon wirtschaftlich"

Die KWA Contracting AG aus Bietigheim-Bissingen führt zur Zeit eine Kapitalerhöhung durch. Das Unternehmen übernimmt die Anfangsfinanzierung für Biomassekraftwerke, die später von Kommanditgesellschaften übernommen werden. ECOreporter.de sprach mit Diplom-Ingenieur Wolfgang Schuler, dem Vorstand der KWA Contracting. Die Aktie mit einem Nennwert von 100 Euro kostet 110 Euro. Das Mindestzeichnungsvolumen beträgt 2.750 Euro.

ECOreporter.de: Biomasse wird immer wieder als Energie der Zukunft genannt. Windkraft und Solarenergie scheinen jedoch derzeit die Nase vorn zu haben.

Schuler: Biomasse, vor allem Holz als Energieträger ist heute auch ohne Zuschüsse in zahlreichen Fällen schon wirtschaftlich und damit weitgehend unabhängig von politischen Veränderungen. Biomassefeuerungen werden hauptsächlich zur Wärmeerzeugung eingesetzt. Mit steigenden Öl- und Gaspreisen verbessern sich Wirtschaftlichkeit und Rendite.

ECOreporter.de: Wenn sich ein Aktionär an der KWA AG beteiligt, erwirbt er dann Anteile an Biomasse Kraftwerken oder ähnlichen Kraftwerken?

Schuler: Nein. Die Aktionäre sind an der Projektentwicklung und Projektumsetzung beteiligt. Der Betrieb der Biomasseheizwerke und Kraftwerke erfolgt in Energiefonds. Das sind Kommanditgesellschaften.

ECOreporter.de: Will die KWA AG Projekte länger betreiben oder nur anschieben und komplett veräußern?

Schuler: Um mit der bestehenden Kapitalbasis möglichst viele Projekte zu initiieren, geben wir sie möglichst rasch an einen Energiefonds weiter. In unserem Hause betreiben wir seit 1994 insgesamt neun solcher Kommanditgesellschaften mit 25 Energieprojekten.
Eine Veräußerung nach außerhalb steht zur Zeit nicht
zur Diskussion.

ECOreporter.de: Wie schneiden die Renditen von
Holzheizkraftwerksprojekten und Windfonds im
Vergleich ab?


Schuler: Holzenergieprojekte haben derzeit ähnliche
Renditen wie Windfonds. Die Gesamtausschüttungen
betragen 230 Prozent bis 290 Prozent über die Laufzeit gerechnet. Bei Windfonds ist die Wirtschaftlichkeit
vom Wind und von der Einspeisevergütung
nach EEG abhängig. Die Wirtschaftlichkeit von Holz
hängt dagegen im Wesentlichen von den Konkurrenten
Öl und Gas ab, deren Preis sich seit 1999 etwa
verdoppelt hat. Hier liegen Chancen und Risiken.

ECOreporter.de: Sind die Einnahmen der Holzheizkraftwerksprojekte
durch das Erneuerbare Energiegesetz
(EEG) abgedeckt?


Schuler: Bei Holzheizkraftwerken werden für den erzeugten
Strom folgende Vergütungen bezahlt: bis 500
Kilowatt: 19,8 Pfennig je Kilowattstunde; 500 bis 5000
Kilowatt: 17,8 Pfennig je Kilowattstunde. Die Vergütung
wird 20 Jahre lang gezahlt. Für Inbetriebnahmen
nach 2002 wird für jedes spätere Jahr die Vergütung
um ein Prozent gekürzt, die Vergütungsdauer ändert
sich jedoch nicht.

ECOreporter.de: Auf welche Laufzeiten sind die
Kommanditgesellschaften ausgelegt?


Schuler: In der Regel auf eine Laufzeit von 15 bis 20
Jahren. Es ist aber beabsichtigt, Kommanditgesellschaften
nach zehn bis zwölf Jahren durch eine neue
Gesellschaft zu übernehmen. Vor allem, wenn aus steuerlichen Gründen die Fortführung der KG für die
Kommanditisten nicht mehr so interessant ist.

ECOreporter.de: Wird die KWA Einnahmen aus der
Geschäftsführung von Fonds haben, die sie initiiert?


Schuler: Nur indirekt über die Kraftwärmeanlagen
GmbH, wenn diese als Beteiligung der KWA Contracting
AG übernommen wurde.

ECOreporter.de: Was sind die Unternehmensziele?

Schuler: Die Unternehmensziele sind: Bau und
Betrieb von Holzheizzentralen und Holzheizkraftwerken
in Deutschland, eine Wiederbelebung der Kraft-
Wärmekopplung mit Blockheizkraftwerken, Konzeption
dieser Anlagen für den jeweiligen Anwendungsfall
mit möglichst hoher Energie- und Umwelteffizienz,
keine Kraftwerke auf der grünen Wiese; Anwendung
von innovativen Energiesystemen; Umsetzung von Kombinationsprojekten aus Biomasse und Solarenergie.
Mittelfristig sind es die Beteiligung an der Brennstofflogistik
und an Firmen und Projekten.

ECOreporter.de: Wo sehen sie das Risiko Ihres Geschäftsmodells?

Schuler: Einerseits müssen wir jährlich ein ausreichendes
Projektvolumen auf dem Markt erobern. Andererseits
müssen diese Projekte für unsere Kapitalanleger
solch attraktive Renditen abwerfen, dass sie
Anteile an neuen Kommanditgesellschaften zeichnen.
Außerdem ist die Entwicklung der Energiepreise von
erheblichem Einfluss.

ECOreporter.de: Für welchen Zeitpunkt erwarten Sie
die Einführung der KWA AG-Aktie im Freiverkehr?


Schuler: Zunächst streben wir einen außerbörslichen
Handel an, vor 2004 geht es nicht in den Freiverkehr.
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