13.02.03

14.2.2003: Österreichische Naturschützer empfehlen Regenwald statt Blumen zum Valentinstag

(VU) Der Verein Regenwald der Österreicher, Wien, weist in einer Kampagne zum heutigen Valentinstag darauf hin, dass die Schnittblumenpracht, die viele an diesem Tag ihren Liebsten schenken, auch ihre dunklen Seiten hat: Energieverschwendung, Ausbeutung von Arbeiterinnen und Umweltzerstörung. Diese seien das Ergebnis energieintensiver Züchtung etwa in den Niederlanden oder aufwendiger Transporte der Blumen aus tropischen oder subtropischen Regionen, so der Verein. Mit ihrer Kampagne möchten die Regenwaldschützer Menschen überzeugen, Blumen symbolisch in ihrem Lebensraum zu schenken, statt "an der Verschwendung teilzuhaben". Der Verein hat ein Zertifikat entwickelt, mit dessen Hilfe er den Kauf von Grundstücken im Esquinas-Regenwald im Südwesten Costa Ricas finanziert. Gefährdete Flächen werden freigekauft und dem Nationalpark "Piedras Blancas" geschenkt.

Mit einem Zertifikat schenke man einer Unzahl von Blumen die Möglichkeit, weiter in einem intakten Regenwald zu gedeihen, wirbt der Verein. Im Esquinas-Wald, so der Regenwald der Österreicher, lebten 102 Orchideen-Arten, Passionsblumen, Helikonien und viele weitere prächtige Blütenpflanzen. Auf rund 140 Quadratkilometern lebten über 3000 Pflanzenarten - zum Vergleich heißt es, in ganz Österreich gebe es auf 84.000 Quadratkilometern 3300 Arten. Der Esquinas sei der artenreichste Wald Mittelamerikas und beherberge eine Vielzahl gefährdeter Tierarten. Pro Hektar gediehen bis zu 190 verschiedene Baumarten (in ganz Mitteleuropa kämen gerade mal 53 Arten vor).

Der Baumbestand bestehe aus einer Vielzahl wertvoller Hartholzarten, berichten die österreichischen Naturfreunde. Bis vor kurzem habe er sich im Besitz von etwa 140 Bauern aus den umliegenden Dörfer befunden, die den Wald abholzen durften, so lange er ihnen gehörte. Um die Abholzung aufzuhalten, habe die Regierung Costa Ricas 1991 beschlossen, das Gebiet zum Nationalpark zu erklären. Ihr fehlten allerdings die Mittel, das durchzusetzen.
Der Verein "Regenwald der Österreicher" springt ein, indem er die Grundstücke mit Hilfe von Spenden österreichischer NaturfreundInnen "freikauft" und der Republik Costa Rica schenkt. Ein Vertrag mit dem dortigen Umweltministerium garantiere, dass sie in den neuen Nationalpark eingegliedert werden, versichert der Verein. Bisher seien mehr als 27,5 Quadratkilometer von Österreichern freigekauft worden. Symbolisch erhielten die Flächen den Namen "Regenwald der Österreicher". Heute stehe bereits beinahe die Hälfte des Gebietes unter dem Schutz der Nationalparkverwaltung, die auch für die Bewachung sorge.

"Die Grenzen des neuen Parks wurden so festgelegt, dass niemand ausgesiedelt werden musste. Die Holzfäller erhalten den ortsüblichen Marktpreis von etwa 8 Euro je 100 Quadratmetern und bleiben meist als Bauern in der Gegend."
Jede Spenderin und jeder Spender erhält ein Farbzertifikat, das sich zum Beispiel zum Valentinstag weiter verschenken lässt. Den Namen des Empfängers kann jeder selbst bestimmen und eintragen lassen.
Der Verein bringt zudem noch einige interessante Fakten zu Blumenzucht und -Import an:

Die lange Reise in Kühlflugzeugen und -LKW aus Kenia, Kolumbien oder Thailand verbrauche große Energiemengen. Erstaunlicherweise aber zeige eine Untersuchung an der ETH Zürich, dass Rosen aus Kenia trotzdem weniger Energie brauchten als Rosen aus Holland, wo Gewächshäuser geheizt und die Pflanzen mit dem notwendigen Licht versorgt werden müssten.

Ein großes Problem seien die Biozide: Der Blumenanbau sei der giftintensivste Zweig der Landwirtschaft. In einer Untersuchung europäischer Schnittblumen seien 1997 nur bei 8 Prozent der Proben keine Pestizidrückstände gefunden worden. In den Entwicklungsländern sei der Einsatz hochgiftiger Biozide meist noch bedeutend höher. Die Blumenarbeiterinnen seien den Bioziden häufig ohne adäquate Schutzvorkehrungen ausgesetzt. Die Frauen in den Blumenplantagen würden in der Regel mit Hungerlöhnen abgespeist: Von einem Endpreis der Blume von 1 € bekomme die Arbeiterin cirka 0,03 Cent.

Bild: "Labios de mujer" (span: Frauenlippen), die wegen ihrer auffällig gefärbten Hochblätter auch "Küssende Lippen" genannt wird (siehe Foto). Mit diesen locken (und küssen) sie Kolibris und Schmetterlinge, damit diese die Bestäubung vornehmen.
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