14.02.03

14.2.2003: Sand in die Wüste - oder Holz ins Sauerland?

Der Bau eines von der Wind-Projekt Development (WPD), Bremen, im sauerländischen Bad Fredeburg geplanten Biomassekraftwerks ist gefährdet. Die bisherige Projektentwicklerin Babcock aus Gummersbach ist von der italienischen Unternehmensgruppe Fisia übernommen worden, die sich aus dem Biomassegeschäft zurückziehen will. Nun muss WPD einen neuen Partner suchen. Ein österreichischer Generalunternehmer, die A&E Energietechnik aus Graz, soll sich der Westfälischen Rundschau (WR) zufolge dafür angeboten haben. Für die schlüsselfertige Anlage soll sich allerdings ein Preisunterschied zur ursprünglichen Version von drei Millionen Euro ergeben.

Weiteres Problem der Planer: Ein lokaler Holzlieferant steht nicht mehr zur Verfügung. Das Biomassekraftwerk soll mit 160.000 Tonnen Holz im Jahr befeuert werden. Nun wird vielleicht eine holländische Firma einspringen. Auf die Anfrage von ECOreporter.de, ob es ökologisch sinnvoll sei, Holz aus Holland ins Sauerland zu verfrachten, antwortet Martin Fromus, Geschäftsführer der WPD: "Zumindest Teile der nötigen Holzmenge müssen überregional tätige Unternehmen liefern."

Die ursprüngliche Idee bei den Regenerativen Energien war es, Energie dezentral dort zu erzeugen, wo sie benötigt wird. Hier fragt sich aber, ob Projekte nicht dort gebaut werden, wo möglichst hoch gefördert wird. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Hochsauerlandkreises WFG hat die benötigten Grundstücke an die Entwicklungsgesellschaft für das Biomassekraftwerk verkauft. Derzeit schaltet sich die Landesentwicklungsgesellschaft LEG ein, um das Projekt zu retten, und sucht nach Investoren.

Weiterer kritischer Punkt: Das Holzheizkraftwerk mit einer elektrischen Nennleistung von 20 MW sollte ab 2004 mit Wirbelschichtbefeuerungstechnik jährlich rund 156.000.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit lassen sich laut WPD rund 42.000 Haushalte versorgen. Ein weit höherer Ausnutzungsgrad der Energie aber wäre möglich, wenn man auch die im Kessel entstehende Fernwärme nutzen könnte. Also müsste ein Biomassekraftwerk dieser Größenordnung in der Nähe von Siedlungen errichtet werden, die über ein Fernwärme-Netz versorgt würden. Erst dann erschiene ein solches Biomasse-Projekt ökologisch sinnvoll. Das ist den Planungen zufolge beim Biomassekraftwerk Bad Fredeburg nicht der Fall.
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