14.04.03

14.4.2003: Wochenrückblick: Tendenz uneinheitlich - Windanlagenbauer enttäuschen, andere Umweltaktien gewinnen zeitweise zweistellig

Die Indizes der deutschen Börsen sind in der vergangenen Woche weiter angestiegen. DAX und MDAX kletterten um drei Prozent, TecDAX und Technology All Share Index legten vier Prozent zu. In den USA hingegen sank der Dow Jones Industrial Average Index um ein und der Nasdaq Combined Composite Index um zwei Prozent. Der japanische Nikkei-225 gab drei Prozent ab.

Nach Angaben des Bundesverbandes WindEnergie e.V. wurden im ersten Quartal des Jahres 2003 in Deutschland Windmühlen mit einer Gesamtleistung von 357,3 Megawatt neu installiert. Das sei ein Rückgang um 22 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Verband forderte, Verwaltungshindernisse abzubauen, um weiterhin gute Rahmenbedingungen für die Windkraftnutzung zu erhalten.

Der Hamburger Windturbinen-Hersteller Nordex AG (WKN 587357) meldete stark gesunkene Auftragseingänge im ersten Geschäftshalbjahr, das am 31. März endete. Der Eingang von Aufträgen für neue Windenergieanlagen sei von 180 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nur noch 70 Millionen zurückgegangen, hieß es. Infolge hoher Lagerbestände sei zudem das Liquiditätsziel verfehlt worden. Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit wurden durch Nordex dementiert. Den Halbjahresabschluss will das Unternehmen am 27. Mai bekannt geben. Analysten verschiedener Häuser stuften das Papier auf "verkaufen" ab, WestLB Panmure nannten als derzeit faire Kursbewertung 0,80 Euro. Der Turbinenbauer gab weiterhin bekannt, dass mit Stefan Klebert nun ein neuer Vorstandsvorsitzender bestellt sei. Klebert, zuvor unter anderem Geschäftsführer des Aufzugherstellers Schindler, soll sein Amt Ende Juli antreten. Die Nordex-Aktie gab im Wochenverlauf 17 Prozent auf 1,09 Euro ab.

Der Ende März veröffentlichte Jahresabschluss der Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032) wurde von mehreren Analystenhäusern als "enttäuschend" eingestuft. Die Anlageempfehlung der Nord-LB lautet "reduzieren", die österreichische Erste Bank bleibt beim "Halten". Der Kurs des Cuxhavener Windpark-Projektierers sank auf 3,88 Euro, ein Minus von zwölf Prozent.

Der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769) teilte mit, dass die Aktionäre auf der Hauptversammlung allen Vorschlägen des Vorstands zugestimmt hätten. Analysten von JP Morgan stuften die Vestas-Aktie mit "untergewichten" ein, zur Begründung verwiesen sie auf die Schwierigkeiten beim Konkurrenten Nordex. Vestas gaben in Kopenhagen vier Prozent auf 52 dänische Kronen nach.

Der Kölner Entsorgungs- und Rohstoffkonzern Interseroh AG (WKN 620990) sieht nach eigenen Angaben Chancen, an Aufbau und Betrieb der zentralen Clearing-Stelle für das Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen beteiligt zu werden. Die Vergabe der Clearing-Stelle an das Duale System Deutschland (DSD) war zuvor vom Bundeskartellamt abgelehnt worden. Interseroh verteuerten sich um 25 Prozent auf 10,10 Euro. Auch dem norwegischen Automatenhersteller Tomra Systems ASA (WKN 872535) trauen die Börsenteilnehmer offenbar wieder mehr Chancen zu: Die Aktie kletterte in Oslo um drei Prozent auf 34 norwegische Kronen. Der Kurs des Münchener Entsorgungsdienstleisters CCR Logistics Systems AG (WKN 762720) stieg um 14 Cents auf 1,04 Euro - ein Anstieg um 16 Prozent.

Die Sto AG (WKN 727413), Wärmedämm- und Fassadenspezialist aus Stühlingen, steigerte nach vorläufigen Angaben im Geschäftsjahr 2002 den Konzernumsatz auf 655 Millionen Euro. Das EBIT sei moderat auf 22 Millionen Euro geklettert, der Jahresüberschuss leicht auf 8,8 Millionen zurückgegangen, hieß es. Der Konzern will auf die Vorzugsaktien - nur diese werden an der Börse gehandelt - 0,79 Euro Dividende zahlen. Der Kurs der Sto-Vorzugsaktie zog um 16 Prozent auf 11,60 Euro an.

Rückläufige Umsatzzahlen meldete hingegen die Creaton AG (WKN 548303): zehn Prozent Minus ergaben 125,1 Millionen Euro. Das EBIT von 10,3 Millionen liege um 27 Prozent unter dem Vorjahreswert, der Konzern-Jahresüberschuss habe nur noch 100.000 Euro erreicht, teilte der schwäbische Hersteller von Tondachziegeln mit. Die Creaton-Vorzugsaktie wurde unverändert mit 10 Euro notiert.

Um 18 Prozent auf 14,85 Euro stieg der Kurs der Düsseldorfer Wedeco AG (WKN 514180). In der Presse waren Gerüchte kolportiert worden, nach denen der Schweizer Nahrungsmittel-Konzern Nestlé an einer Übernahme des Wasseraufbereitungs-Spezialisten interessiert sei, was Wedeco umgehend dementierte.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Filialen der Deutschen Post gegen den Verkauf bestimmter Briefumschläge protestiert. Laut Greenpeace werde für die Herstellung dieser Umschläge Holz aus finnischen Urwäldern verwendet. Nach Darstellung der Aktivisten der Umweltorganisation sei der schwedisch-finnische Holz- und Papierkonzern Stora Enso Oyj (WKN 871004) der Rohstofflieferant für die Kuverts und somit "maßgeblich an der Abholzung der letzten finnischen Urwälder beteiligt". Stora Enso gilt vielen Nachhaltigkeitsfonds als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen.

Die Precious Woods Holding AG meldete den Kauf von 750 Quadratkilometern Wald im Amazonasgebiet. Das Schweizer Unternehmen verfüge nun über 2.450 Quadratkilometer eigenen Wald, was die nachhaltige Versorgung der eigenen Holzverarbeitzungswerke sicherstellen solle, hieß es. Der Precious Woods-Kurs liegt unverändert bei 60 Schweizer Franken.

Analysten von Merrill Lynch haben die Aktie der Stericycle Inc. (WKN 902518) von "kaufen" auf "neutral" herabgestuft und das Kursziel auf 41 Dollar festgesetzt. Stericycle ist ein US-amerikanischer Spezialist für die Entsorgung medizinischer Abfälle. Das Papier gab fünf Prozent auf 37,28 Dollar nach.

Der Jahresbericht der Spire Corp. (WKN 870534) verzeichnet um fünf Prozent auf 14,822 Millionen Dollar gestiegene Umsätze. Die Steigerung sei auf höhere Erlöse aus Forschung, Service und Lizenzen zurückzuführen, bei den verkauften Gütern sei der Umsatz dagegen gesunken. Einen besonders starken Einbruch um 13 Prozent verzeichne der Solarbereich, hieß es. Das US-amerikanische Unternehmen stellt Solarsysteme, Ausrüstungen für die Produktion von Solaranlagen und medizinische Geräte her. Die Aktie verlor acht Prozent auf 2,43 Dollar.

Härter traf es die Anteilsscheine der AstroPower Inc. (WKN 912953). Der Kurs der Aktie des Solartechnik-Herstellers aus den USA brach um ein Drittel auf zum Schluss 2,65 Dollar ein. Der Grund für den fortgesetzten Kursverfall könnte in Klagen von Aktionärsvertretern wegen falscher Unternehmensmeldungen liegen.

Erfreuliche Kurszuwächse verzeichneten das Dortmunder Energie- und Immobilienunternehmen Harpen AG (WKN 603400) mit einem Plus von 14 Prozent sowie die Vorzugsaktien der Lübecker Drägerwerk AG (WKN 555063), einer Spezialistin für Medizin- und Sicherheitstechnik, die um 16 Prozent stiegen. Die Papiere der österreichischen Adcon Telemetry AG (WKN 922220) legten 34 Prozent oder 29 Cents auf 1,15 Euro zu.

Bild: Laut Greenpeace holzt Stora Enso (hier bei der Arbeit in Schweden) die letzten finnischen Urwälder ab (Quelle: Unternehmen)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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