14.06.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

14.6.2004: Wochenrückblick: RWE schluckt Harpen - Beate Uhse verschmäht Condomi - starke Kursschwankungen bei Solarenergieaktien

In der vergangenen Woche stiegen die Kurse, vor allem die der Schwergewichte. Der DAX kletterte um ein Prozent, der US-amerikanische Dow Jones Industrial Average Index um zwei und der japanische Nikkei-225 um vier Prozent. Die technologie-orientierten Indizes TecDAX und Nasdaq Combined Composite änderten sich hingegen gar nicht oder nur geringfügig.

Der Euro war am Dienstag zunächst über 1,233 US-Dollar geklettert, um dann bis auf 1,2006 Dollar zurückzufallen - ein Wochenverlust von 2,3 Prozent. Hintergrund für die heftigen Schwankungen könnten Äußerungen des Chairman der US-amerikanischen Notenbank sein. Alan Greenspan hatte auf einer geldpolitischen Konferenz gesagt, vor dem Hintergrund der hohen Ölpreise könnten kräftige Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen werden. Die Aussicht auf steigende US-Zinsen lässt Anlagen in Dollar attraktiver erscheinen, was den Kurs des Euro zunächst schwächte.

Die Preise für Rohöl-Kontrakte verhalten sich weiter volatil, sind jedoch von ihren Höchstständen etwas zurückgekommen. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat unterdessen ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage deutlich nach oben korrigiert. Bereits zuvor hatten sich die Schätzungen der IEA mehrfach als zu optimistisch herausgestellt. Nunmehr deutet sich an, dass der Bedarf in nicht mehr ferner Zukunft schneller wachsen könnte, als die Möglichkeiten der Ölförder-Länder, ihr Angebot auszuweiten. Weiter steigende Ölpreise wären die Folge.

Bedingt durch einen Feiertag in Europa und die Schließung der US-Börsen am Freitag gab es in der zweiten Wochenhälfte kaum Umsatz. Manche Kursveränderungen haben deshalb nur eingeschränkte Bedeutung. Hinzu kommt, dass einige Umweltunternehmen Dividenden ausgezahlt haben, was zu Dividendenabschlägen bei den Notierungen führte.

Hohe Volatilität war aufs Neue bei deutschen Solaraktien zu beobachten: Solon AG legten 16 Prozent zu, S.A.G. Solarstrom AG und Sunways AG gaben je über zehn Prozent ab. Bei der Solar-Fabrik AG und der SolarWorld AG waren die Kursverluste geringer, jedoch hatten die Papiere innerhalb der Woche eine Berg- und Talfahrt gezeigt.

Der Windturbinen-Hersteller Nordex AG, Hamburg, meldete eine Bestellung der e.disnatur über Großturbinen mit einer Gesamtleistung von 15 Megawatt. e.disnatur ist eine Tochtergesellschaft der E.dis AG, die zum E.on-Konzern gehört. Die sechs Anlagen sollen bereits im Dezember 2004 in Betrieb gehen. Man verhandle derzeit über weitere Projekte, teilte Nordex mit. Die Nordex-Aktie verteuerte sich um drei Cent auf 0,89 Euro.

In Ketzin-Knoblauch bei Berlin hat ein Forschungsprojekt zur unterirdischen Speicherung des Klimagases Kohlendioxid begonnen. Das berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung. Für das Vorhaben stünden 13 Millionen Euro zur Verfügung, davon 8,7 Millionen von der Europäischen Union. Das Gas soll in 700 Metern Tiefe gespeichert werden. Zunächst werde der Speicherraum untersucht und eine Risikoabschätzung erarbeitet, hieß es. Die e.disnatur wolle hier außerdem Windkraftanlagen sowie ein Biomasse- und ein Photovoltaik-Kraftwerk errichten, so die Zeitung weiter.

Gamesa Eólica, Windturbinen-Tochter des spanischen Konzerns Gamesa Corporación Tecnológica, hat eine Absichtserklärung über den Kauf von 31 Turbinen der zwei Megawatt-Klasse aus Japan erhalten. Bis zum Jahresende soll die Liefervereinbarung unterschrieben werden, die Auslieferung der Turbinen ist für den Februar 2006 geplant. Die Gamesa-Aktie wurde im Verhältnis 1:3 gesplittet: Aus einer vorhandenen Aktie wurden drei neue, während sich der Kurs drittelte. WKN und ISIN sind unverändert. Bereinigt um den Split ergibt sich ein Kursrückgang um ein Prozent auf 12,47 Euro (Börse Madrid).

GE Energy, Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co., wird neun 1,5 Megawatt-Windturbinen nach Portugal liefern. Die Anlagen sollen in Noblejas (Spanien) montiert werden und noch im laufenden Jahr ans Netz gehen. GE Energy hat nach eigenen Angaben bisher 6.600 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 4.700 Megawatt aufgestellt.

Eine Windmühle im Landkreis Rendsburg-Eckernförde hat während eines Unwetters Feuer gefangen und ist ausgebrannt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa war die Anlage des Herstellers Vestas Wind Systems A/S mit einem Blitzschutzsystem ausgestattet. Die Vestas-Aktie kletterte an der Heimatbörse Kopenhagen um elf Prozent auf 92,50 Dänische Kronen.

Der Windparkprojektierer Energiekontor AG, Bremen, berichtete über positive Ratings für zwei seiner Beteiligungsangebote. Der EuropaFonds, ein Dachfonds im Bereich der Windkraft, und der portugiesische Windpark Trandeiras seien durch die Rating-Agenturen G.U.B., Unternehmensanalyse Stephan Appel und TKL.Fonds mit guten Noten bewertet worden. Die Energiekontor-Aktie legte zwei Prozent auf 1,69 Euro zu.

Gerd Kück, Finanzvorstand der Plambeck Neue Energien AG, hat das Unternehmen verlassen. Das teilte der Windparkprojektierer aus Cuxhaven mit. Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt. Die Aufgaben des Bereichs Finanzen würden gegenwärtig vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang von Geldern mit übernommen, hieß es. Plambeck gaben leicht auf 2,18 Euro nach.

Die Dortmunder Harpen AG wird voraussichtlich vollständig von der RWE AG übernommen. Dies kündigte der Essener Versorger RWE an. RWE hält den Angaben zufolge 95,052 Prozent der Harpen-Anteile. Die freien Aktionäre sollen im Rahmen eines squeeze out-Verfahrens abgefunden werden. Als Barabfindung wurden 19,50 Euro je Harpen-Aktie genannt. Sollte jedoch der Ertragswert höher sein, werde die Barabfindung erhöht. Dies sei jedoch nach gegenwärtigem Kenntnisstand allerdings nicht zu erwarten, so die Mitteilung der RWE AG. Die Notierung der Aktie wird den Angaben zufolge nach Abschluss des Übernahmeverfahrens eingestellt. Harpen ist eines der ältesten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Die Gesellschaft wurde 1856 als "Harpener Bergbau AG" in Dortmund gegründet. Im Jahre 1969 gab das Unternehmen seine Aktivitäten im Bergbau endgültig auf. Seit 1995 investiert die Harpen AG in die Projektierung und den Betrieb von Kraftwerken der erneuerbaren Energien, dieser Bereich wurde 2001 erstmals als strategisches Wachstumsgeschäftsfeld definiert. Vor allem in südeuropäischen Ländern betreibt die Gesellschaft Wind- und Wasserkraftwerke. Der Kurs stieg um elf Prozent auf 20,13 Euro.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat seinen Jahresbericht vorgestellt. Nach Angaben von VDEW-Präsident Dr. Werner Brinker wurde im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland aus Braun- und Steinkohle erzeugt. Zwar seien die Strompreise seit der Marktöffnung stark gesunken: um rund 40 Prozent bei den Industriekunden, nur halb so stark, nämlich um 20 Prozent, bei den Haushalten. Jedoch gebe es deutliche Kostenerhöhungen bei den Brennstoffen. Zudem bestehe in den kommenden Jahren erheblicher Ersatzbedarf für veraltende Kraftwerke, sagte Brinker. Der Verband forderte Klarheit über den energiepolitischen Kurs in Deutschland und Europa.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. wies in einer Stellungnahme zum VDEW-Bericht darauf hin, dass nach seiner Einschätzung Strom aus erneuerbaren Energien ab der Mitte des nächsten Jahrzehnts im Schnitt günstiger sein werde als Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Zudem könnten erneuerbare Energien in den kommenden 15 Jahren allein in Ostdeutschland 200.000 Arbeitsplätze schaffen. Dies geht aus einer Arbeitsplatzprognose hervor, die der Verband dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse überreicht hat.


Der britische Wasserversorger und Entsorgungskonzern Severn Trent plc gab die vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahrs zum 31. März bekannt. Der Konzernumsatz kletterte den Angaben zufolge um 8,8 Prozent auf 2,0 Milliarden Britische Pfund. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Goodwill (PBITA) stieg um 8,9 Prozent auf 422 Millionen Pfund. Im Wasserbereich ergab sich ein Umsatzanstieg um 4,2 Prozent auf 957 Millionen Pfund, das PBITA stieg um 3,8 Prozent auf 338 Millionen Pfund. Weitaus stärker wuchs die Entsorgungssparte Biffa, hier wurde ein Umsatzplus von 23,9 Prozent auf 633 Millionen und ein PBITA-Zuwachs um 16,6 Prozent auf 38,7 Millionen Pfund gemeldet. Der Kurs zog in London leicht auf 822,5 Pence an. Analysten von Goldman Sachs stuften die Aktie mit "outperform" ein, während die Kollegen von Lehman Brothers ihr Rating bei "equal weight" beließen.

Einem Bericht der in New York erscheinenden "Financial Times" zufolge wird sich der Ölkonzern Royal Dutch/Shell möglicherweise aus Nigeria zurückziehen müssen. In dem afrikanischen Land komme es immer wieder zu Unruhen. Die Konflikte seien durch das Vorgehen von Shell verstärkt worden. Berater hätten dem Konzern deshalb den Rückzug nahegelegt. Nach Angaben der Zeitung entfallen rund zehn Prozent der Ölförderung von Shell auf Nigeria.

Die Aktie der B.A.U.M. AG verlor ein Drittel ihres Werts. Bei insgesamt nur 1.250 gehandelten Aktien lag der Kurs am Freitagabend in Frankfurt bei 0,60 Euro. Kräftige Kursabschläge bei ebenfalls nur schwachen Börsenumsätzen verzeichneten CCR Logistics Systems AG und Windwelt AG. Deutlich aufwärts ging es hingegen mit Interface Inc. (Fußbodenbeläge, USA), Body Shop International plc (Einzelhandel, Großbritannien) sowie Aixtron AG (Spezialmaschinenbau, Deutschland). Die Aktie der IVU Traffic Technologies AG stieg um zwölf Prozent auf 1,03 Euro und hat somit den Pennystockbereich wieder verlassen.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
B.A.U.M. AG (ISIN DE000A0AYX23 / WKN A0AYX2)
Body Shop International plc (ISIN GB0001083137 / WKN 870803)
CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
E.on AG (ISIN DE0007614406 / WKN 761440)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
RWE AG (ISIN DE0007037129 / WKN 703712)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Severn Trent plc (ISIN GB0000546324 / WKN 878228)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vestas Wind Systems, nye (junge Aktien, temporäre ISIN DK0010306125)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.



Bildnachweis: Nordex-Windkraftanlage N80; Biomasseheizkraftwerk der Harpen AG in Berlin; Bunt und elastisch: Produkte der Condomi AG / Bilder: Unternehmen
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