14.09.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

14.9.2007: Aktien-News: Keine profitable Produktion von Bioethanol möglich? – Verbio-Tochter kündigt Kurzarbeit an, Firmenchef schiebt Politik den schwarzen Peter zu

Laut der in Zörbig ansässigen Verbio Vereinigte BioEnergie AG hat sie in dieser Woche „wie geplant“ die Produktion ihrer Bioethanolanlage in Schwedt heruntergefahren. „Derzeit sind wir voll damit beschäftigt intensive Reinigungs- und Wartungsarbeiten durchzuführen“, sagt Klaus-Dieter Bettien, Geschäftsführer der NBE Nordbandenburger BioEnergie GmbH & Co. KG, einer 100%igen Tochter der Verbio. Ab Oktober werden sein Unternehmen voraussichtlich Kurzarbeit anmelden müssen. „Sollten sich die Markt- und Rahmenbedingungen wieder verbessern, können wir die Anlage innerhalb von 72 Stunden zurück auf Vollauslastung hochfahren“, fügt Bettien hinzu.

Laut Angaben von Verbio lassen eine unbefriedigende Nachfrage, Billigimporte aus Brasilien und die hohen Getreidepreise eine profitable Produktion von Bioethanol nicht mehr zu. „Wir handeln nur konsequent“, erklärt Vorstandschef Claus Sauter. „Wenn wir unsere Rohstoffe lokal beziehen, müssen wir bei den derzeitigen Getreidepreisen höhere Bioethanolpreise erzielen können. Aufgrund der Billigimporte gibt der Markt dies aber aktuell nicht her“.

Handlungsalternativen gebe es, so Sauter weiter, „aber der politische Wille muss da sein“. Eine Erhöhung der Beimischungsquote, eine Limitierung der Billigimporte oder die fiskalische Honorierung einer umweltfreundlichen und CO2-effizienten Herstellung von Biokraftstoffen seien Optionen, eine wettbewerbsfähige Biokraftstoffbranche in Deutschland nachhaltig zu etablieren. Alternativ zu den bisherigen Produktionsverfahren prüft Verbio laut eigener Darstellung derzeit die Möglichkeit von Drittanbietern bezogenen Rohalkohol zu qualitativ hochwertigem Bioethanol aufzuarbeiten.

Die Börsianer schickten heute die Verbio-Aktie auf Talfahrt. Sie verlor in Frankfurt weitere vier Prozent und notiert nun bei 4,23 Euro. Nach einer Gewinnwarnung war der Anteilsschein im März bei einem damaligen Kurs von über 14 Euro auf unter acht Euro eingebrochen. Das Papier war im Oktober 2006 zu einem Preis von 14,50 an die Börse gegangen. Im ECOreporter.de-Interview vom 21. März hatte Vorstandschef Claus Sauter die Gewinnwarnung und die Chancen des Biokraftstoffherstellers erläutert. Vor einem Monat hatte das Unternehmen dann für das 1. Halbjahr einen starken Rückgang beim Umsatz und EBIT gemeldet ECOreporter.de-Beitrag vom 14. August).

Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W

Bildhinweis: Claus Sauter / Quelle: Unternehmen
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