15.11.07 Erneuerbare Energie

15.11.2007: „Gehst Du nach Peking oder nicht?“ – Teil 2 des Interviews mit Gianni Operto, Partner und Miteigentümer der Emerald Technology Ventures AG

Emerald Technology Ventures arbeitet schon seit dem Jahr 2000 im Sektor „clean technology“, zunächst jedoch unter dem Namen SAM Private Equity. Nachdem die Rabobank-Tochter Robeco Ende 2006 die Mehrheit der Anteile der SAM Group übernommen hatte, wurde durch ein Management-Buy-Out in 2007 aus SAM Private Equity die Emerald Technology Ventures. Zum Selbstverständnis von Emerald gehört, dass ein erfolgreicher Venture Capital (VC) Investor nicht nur ökonomisches sonder auch detailliertes technisches Verständnis benötigt. Im 2. Teil unseres Interviews berichtet Gianni Operto über Wachstumschancen, Risiken und spezifische Probleme seiner Branche.

ECOreporter.de: Legen Sie bei den Investments Schwerpunkte auf bestimmte Regionen?
Operto: Wir sind ausschließlich in der ersten Welt tätig, in den USA, Kanada, Europa, Australien, Neuseeland und Israel. Wir diskutieren derzeit intern, wann wir den Weg nach China machen wollen. China holt mit Siebenmeilenstiefeln auf. Was es dafür braucht, sind Technologie, Märkte und Unternehmer. Die chinesischen Forscher haben technologisch zur ersten Welt aufgeholt. Die Märkte explodieren. Und die Chinesen sind sehr unternehmerisch. Zulegen müssen sie bei Corporate Governance, das ist ein kulturelles Problem.
Dieser Sinn für unternehmerisches Handeln zeichnet die Chinesen vor anderen Ländern der Region wie Korea oder Japan aus. Wenn jemand den Schritt in diesen Raum macht, dann geht er nach China.

Es gibt bereits einen sehr erfolgreichen Fonds in China, zum Beispiel den „China Environmental“. Anfang Dezember findet die erste Clean-Tech-Konferenz in Peking statt. Unter Venture-Capital-Investoren ist das aktuell ein häufiges Gesprächsthema: „Gehst Du nach Peking oder nicht?“. Eine meiner Kolleginnen wird Emerald Ventures in Peking vertreten.

Die Chinesen haben erkannt, dass ihre Praxis, Technologie zu klauen, kontraproduktiv ist. Sie fangen an, seriöser zu spielen. Vor allem sieht die Regierung das Problem. Das vereinfacht es für ein Start up, nach China zu gehen.


ECOreporter.de: Wo liegen aus Ihrer Sicht Risiken für Private Equity Investments in der Erneuerbare Energie Branche?
Operto: Ein riesiges Risiko sind die Kapitalströme, die in den Bereich fließen. Erste Anzeichen dafür sind Leute, die Panik bekommen, dass sie nicht zum Zuge kommen. Das führt zu überhöhten Einstiegspreisen. Es wird zudem in Projekte investiert, die nicht lohnend sind. Ich befürchte eine Überhitzung. Die Bewertung von gewissen Firmen hat inzwischen teilweise ein Niveau erreicht, das rational nicht nachvollziehbar ist.
Die ganz Großen sind in den Markt eingestiegen, darunter Investmentbanken wie Goldmann Sachs. Sie investieren inzwischen in immer frühere Phasen der Unternehmensentwicklung.

Bei Erneuerbaren Energien gab es früher eine große Sorge um die Auswirkungen von Regulierungsmaßnahmen der Politik. An diese Thematik hat sich die VC-Welt gewöhnt. Man hat erkannt, dass das nur „Leitplanken“ sind, die die Regierungen aufstellen müssen, um eine Entwicklung einzuläuten, die ansonsten unumgänglich ist.
Zudem ist die Umstellung auf Erneuerbare Energien inzwischen ein allgemein anerkanntes Ziel. Die Befürchtung der VCs, die Regulierung würde unberechenbar sein, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: In der Regel wurde die Entwicklung der Erneuerbaren Energien begünstigt. Es werden heute verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen.


ECOreporter.de: Welche Auswahlkriterien muss ein Unternehmen der Neue Energie Branche erfüllen, an dem sich die SAM Private Equity beteiligt?
Operto: Das sind die üblichen Gesichtspunkte: eine gut geschützte, bahnbrechende Innovation; ein großes, möglichst leicht erschließbares Marktpotenzial; großer Kundennutzen, eine überzeugende Strategie; und wie immer last but not least, ein Management Team das das alles umsetzen kann... Oh, und beinahe hätte ich es vergessen: wir müssen vom Gebiet etwas verstehen, wir wollen ja mehr bieten als nur Geld.


ECOreporter.de: Wie knüpfen Sie Kontakt zu Erneuerbare Energie Unternehmen?
Operto: Den Kontakt muss man aufbauen, das ist das „tägliche Brot“ des VC. Wenn man nicht so bekannt ist, muss man sich bekannt machen. Ein gutes Netzwerk und ein guter Ruf sind essentiell. Das bedeutet: Klinken putzen bei Hochschulen und der Technologieförderung, Vorträge bei Konferenzen halten. Sinnvoll ist es auch, Kontakt zu den großen Fonds zu suchen. Die sehen gelegentlich ein Vorhaben, das für sie noch zu klein ist. Das reichen sie dann durch. Wichtig ist für uns auch der Kontakt zu einer Reihe von Professoren, deren Horizont über ihr eigenes Institut hinausreicht. Das sind gute Multiplikatoren.
Dann gibt es spezielle Internetseiten wie zum Beispiel cleantechventure.com.

Die meisten Projekte kommen aber eigentlich direkt zu uns. Wir waren in Europa der erste und sind nach wie vor der größte Finanzierer in unserem Bereich. Allein dadurch haben wir einen gewissen Bekanntheitsgrad.


ECOreporter.de: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen der Emerald Technology Ventures und den Gesellschaften, an denen Sie sich beteiligen konkret? Sind Sie über die Bereitstellung der Mittel hinaus beratend tätig? In wieweit sind Sie über das aktuelle operative Geschäft der Unternehmen informiert?
Operto: Jeder VC behauptet natürlich, dass er mehr bietet als nur Geld. Das dürfen Sie eigentlich keinen VC fragen! (lacht) Normalerweise kann man uns als "sehr aktive" Aufsichtsräte betrachten. Aktiv eingreifen tun wir eigentlich nicht. Im Rahmen unserer Verträge verlangen wir ein regelmäßiges ausführliches Reporting, aber wir verlassen uns nicht darauf, denn damit ist man immer zum Reagieren gezwungen. Ich mag den Begriff "Berater" nicht. Das tönt nach Besserwisser, der einem Nichtwisser seine Weisheit weitergibt. Wir versuchen mit der Gesellschaft ein Vertrauensverhältnis zu entwickeln, das uns erlaubt, mitzusteuern. Damit tragen wir aber gegebenenfalls auch Mitschuld an Fehlentscheidungen.


ECOreporter.de: Welche Besonderheiten hat das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens gegenüber dem anderer Akteure auf dem Markt für Private Equity und Venture Capital?
Operto: Dass wir nur investieren, wenn wir von den Technologien und Märkten auch etwas verstehen. Wir brechen nicht in Panik aus, wenn ein Problem entsteht, sondern helfen, Lösungen zu finden. Ich denke, dass wir von den Unternehmen als konstruktive Partner wahrgenommen werden.


ECOreporter.de: Wenn es Probleme gibt, wie entstehen sie?
Operto: Dabei geht es oft um Ermessensfragen. Ich bin Ingenieur. Der Worst Case in einem Technologieunternehmen ist, wenn die Ingenieure keine neuen Ideen mehr haben. So ging es uns beispielsweise mit Enginion. Dort hat man sich von einer Zwischenlösung zur nächsten gehangelt, ohne wirklich Boden unter den Füssen zu gewinnen.

Für uns wird es immer schwierig, wenn sich das Gefühl einstellt, dass es ein Fass ohne Boden wird. Das lässt sich nicht immer friedlich lösen. Die Trennung ist dann die mit Abstand schwierigste Entscheidung in unserem Beruf. Wann ziehe ich den Stöpsel? Wichtig: Die Perspektive auf diesen Prozess ist auf Seiten der Unternehmen ganz anders als bei uns. Für uns ist das bekannt, es gehört zu unserem Geschäft. Für die Unternehmen ist das dramatisch.

Von den Investments, die wir eingehen, stürzt etwa ein Drittel ab. Bei einem Drittel bekommen wir unseren Einsatz zurück. Ein Drittel muss mit seinem Überschuss die andern mittragen.

ECOreporter.de: Herr Operto, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Kontakt:

Europe Office
Emerald Technology Ventures AG
Seefeldstrasse 215
8008 Zurich
Switzerland
T: +41 44 269 61 00
F: +41 44 269 61 01
info@emerald-ventures.com

North American Office
Emerald Technology Ventures Ltd.
300, rue du Saint-Sacrement, Suite 425
Montreal, Quebec H2Y 1X4
Canada
T: +1 514 789 6458
F: +1 514 286 9817



Emerald Technology Ventures hat sich an folgenden deutschen Unternehmen beteiligt:

inge AG - www.inge.ag
Das Unternehmen mit Sitz in Greifenberg entwickelt innovative Ultrafiltrations-Technologien zur Aufbereitung von Trink-, Industrie-, Prozess- und Abwasser.

Ormecon GmbH - www.ormecon.de
Die Ormecon GmbH mit Sitz in Ammersbek nördlich von Hamburg beschäftigt sich mit Nanotechnologie.

EnOcean GmbH - www.enocean.com
Die EnOcean GmbH aus in Oberhaching bei München ist Erfinder und Hersteller von Systemen zur "batterielosen Funksensorik". Miniaturisierte Energiewandler werden mit einer zuverlässigen Funktechnik kombiniert. Ziel sind wartungsfreie und fexible Funkmodule.

O-Flexx Technologies GmbH - www.o-flexx.com
Die Ratinger O-Flexx Technologies GmbH gewinnt Energie aus der Temperaturdifferenz von Solarmodulen. Die Technik des Unternehmens kann an bestehenden Anlagen nachgerüstet werden.


Lesen Sie auch den 1. Teil unseres Interviews mit Gianni Operto: „Bis ein Produkt wirklich ausgereift und auf dem Markt akzeptiert ist, dauert es mindestens fünf bis sechs Jahre.“

Bild: Gianni Operto / Quelle: Unternehmen
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