15.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

15.3.2004: Wochenrückblick: NEG Micon-Übernahme fast abgeschlossen - Aixtron schreibt rote Zahlen - Tomra nach erneutem Streit um Dosenpfand unter Druck

Ein blutiger Bombenanschlag in Madrid hat mindestens 200 Menschen getötet und weit über 1000 verletzt. Der Terror gegen die Zivilbevölkerung hat damit auch in Westeuropa Einzug gehalten. Die Aktienindizes reagierten mit Einbrüchen. Der DAX verlor fünf Prozent, der TecDAX sieben Prozent. Der japanische Nikkei-225 sowie die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite gaben je drei Prozent nach. Der Euro fiel gegenüber dem US-Dollar ein weiteres Prozent zurück, für ihn wurden 1,222 Dollar gezahlt.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognosen für die weltweite Ölnachfrage im laufenden Jahr deutlich erhöht. Vor allem in Asien steige der Bedarf schneller als zuvor angenommen, hieß es. Zugleich wies die IEA darauf hin, dass es voraussichtlich nicht zu Lieferengpässen kommen werde: Der Irak werde seine Lieferungen ausweiten, aber auch Nichtmitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wie Russland könnten ihre Produktion noch steigern, so die IEA.

Strom aus erneuerbaren Energien wird im nächsten Jahrzehnt billiger sein als Kohle- und Atomstrom. Das sagte Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie auf einer Anhörung im Umweltausschuss des Bundestags zum Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Lackmann wies darauf hin, dass zur Zeit "Auftragsgutachten wie Pilze aus dem Boden" schössen, die die Erfolge der Ökostromgesetze in Frage stellen sollten. Auf der Anhörung sprachen sich weitere Verbände für die Fortführung des EEG aus. Ablehnung kam von der FDP und vom Deutschen Industrie- und Handelkammertag (DIHK). Der CDU/CSU-Vertreter forderte Nachbesserungen.

Der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) kritisierte einen Artikel über die Wasserstoff-Energietechnologie in der März-Ausgabe der "bild der wissenschaft". Der Artikel enthalte "eine solche Menge von Unwahrheiten, Verdrehungen, Verfälschungen und Dummheiten, dass es langweilig und fruchtlos wäre, alles einzeln zu widerlegen". Die Verfasser würden auch vor der Verwendung völlig falscher Zahlen nicht zurückschrecken. Der Artikel sage über die Autoren und ihre Absichten mehr aus als über die Chancen und Probleme des Energieträgers Wasserstoff, so der DWV. Zu den Mitgliedern des Verbands zählen Unternehmen wie BMW AG, Linde AG und Vattenfall Europe.

Das Mannheimer Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie AG wird eine Dividende von 0,75 Euro je Aktie ausschütten. Die Aktionäre stimmten auf der Hauptversammlung auch dem Vorschlag zu, ein genehmigtes Kapital in Höhe von 20 Prozent des Grundkapitals zu schaffen. Die neuen Aktien sollen den Angaben des Vorstands zufolge in den Streubesitz gehen. MVV kündigte ferner Schritte zur Konzentration auf das Kerngeschäft an. Die dafür erforderlichen Einmalaufwendungen würden sich im ersten Schritt auf 31 Millionen Euro belaufen. Weitere Maßnahmen zur Neustrukturierung würden das Ergebnis des Konzerns im laufenden Geschäftsjahr zusätzlich belasten. Hier gehe es um kerngeschäftsferne Aktivitäten in den Bereichen Windenergie, Abwasser, Consulting und Projektentwicklung sowie um einige Auslandsengagements. Die ökologische Energieerzeugung solle aber als Markenzeichen der MVV Energie erhalten und gestärkt werden, sagte Dr. Rudolf Schulten, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens den Aktionären. MVV legten an der Frankfurter Börse zwei Prozent auf 16,64 Euro zu. Analysten der HypoVereinsbank senkten ihre Gewinnerwartung für den Mannheimer Konzern auf 0,08 von zuvor 0,16 Euro pro Aktie. Die Belastungen aus der Restrukturierung würden sich voraussichtlich auf 50 Millionen Euro summieren, schrieben die Analysten. Die Aktie werde mit "neutral" eingestuft.

Das Übernahmeverfahren des dänischen Windturbinen-Herstellers NEG Micon A/S durch den größeren Konkurrenten Vestas Wind Systems nähert sich seinem Ende. Mehr als 95 Prozent der NEG Micon-Aktionäre hätten das Angebot angenommen, ihre Aktien in Vestas-Papiere zu tauschen, teilte Vestas mit. Das mehrmals verlängerte Angebot war endgültig am 4. März ausgelaufen. Vestas hat die erforderliche Kapitalerhöhung für die neu auszugebenden Aktien durchgeführt. Zwar habe die britische Wettbewerbsbehörde der Übernahme noch nicht zugestimmt, deren Erlaubnis sei jedoch keine Bedingung für die Übernahme, hieß es. Vestas wird den verbliebenen NEG Micon-Aktionären ein letztes Angebot zum Umtausch unterbreiten. So bald wie möglich will das Unternehmen danach versuchen, die letzten Aktionäre zwangsweise auszuzahlen. Die Börsennotiz der NEG Micon-Aktien soll nach dem Willen des Vestas-Vorstands anschließend eingestellt werden. NEG Micon fielen in Kopenhagen um zehn Prozent auf 101 Dänische Kronen, Vestas gaben elf Prozent auf 100,50 Kronen ab.
Auch die Kurse der deutschen Wettbewerber brachen deutlich ein. Nordex AG stürzten um 14 Prozent auf 0,93 Euro, REpower Systems AG sanken um sieben Prozent auf 16,37 Euro. Die spanische Gamesa Corporación Tecnológica legte hingegen leicht auf 34 Euro zu.

Der Windparkprojektierer Plambeck Neue Energien AG, Cuxhaven, hat nach eigenen Angaben seine Wandelanleihe mit einem Volumen von 23,5 Millionen Euro voll platziert. Mit den eingeworbenen Mitteln sollen nun Windparkprojekte in Deutschland realisiert und Projekte in Frankreich sowie vor der deutschen Küste vorangetrieben werden. Die Plambeck-Aktie verlor neun Prozent auf 2,54 Euro.

Presseberichten zufolge ist der Solarpark Meerane (Sachsen) in Betrieb genommen worden. Die Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 1,1 Megawatt (peak) seien von der Erfurter ErSol Solar Energy AG, einer Tochter der Umweltkontor Renewable Energy AG, geliefert worden, hieß es. Umweltkontor verloren unter geringen Börsenumsätzen acht Prozent auf 0,96 Euro. ErSol ist nicht börsennotiert.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG hat es der SolarWorld AG gleich getan und einen Designated Sponsor mit der Betreuung der Aktie im elektronischen Handelssystem XETRA beauftragt. Der Kurs gab sechs Prozent auf 5,05 Euro nach.

Wettbewerber Solar-Fabrik AG aus Freiburg wirbt um Kunden. Die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen mit Komponenten der Solar-Fabrik können sich nach Angaben des Unternehmens nun gegen Ertragsausfälle, Sturmschäden und anderes versichern. Solar-Fabrik kletterten um drei Prozent auf 4,45 Euro.

Die Aixtron AG legte die Ergebnisse des Geschäftsjahrs vor. Der Spezialmaschinenbauer aus Aachen setzte 91,3 Millionen Euro um, nach 150,7 Millionen Euro im Jahr 2002. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei minus 28,8 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von 21,1 Millionen Euro angefallen. Das Nettoergebnis wird durch außerplanmäßige Abschreibungen und weitere Einmalkosten noch tiefer in die roten Zahlen gedrückt. Der Vorstand wird aufgrund des hohen Verlusts für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Dividendenzahlung vorschlagen. Den schlechten Geschäftsverlauf begründet der Hersteller von Anlagen für die Herstellung von Verbindungshalbleitern mit dem schwierigen Marktumfeld, geopolitischen Unsicherheiten und dem Kursverfall des US-Dollar. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand nach eigenen Angaben mit Umsätzen von 121 Millionen Euro und dem Wiedererreichen der Gewinnschwelle. Das Unternehmen weist den Zahlen zufolge keine Bankverbindlichkeiten auf und verfügt über eine Eigenkapitalquote von 79 Prozent. Die Aktie verlor elf Prozent auf 5,84 Euro. Aixtron steht traditionell stark im Blickpunkt der Analystenhäuser. Mit nur wenigen Ausnahmen wurde zum "Verkaufen" der Aktie geraten. Zwar hätten die Zahlen weitgehend im Rahmen der Erwartungen gelegen, hieß es, doch erscheine das Papier gegenwärtig als zu teuer.

Die init innovation in traffic systems AG hat die vorläufigen Ergebnisse für das abgeschlossene Geschäftsjahr bestätigt: Bei einem Umsatz von 30 Millionen Euro wurde ein EBIT von 0,8 Millionen Euro erzielt. Gegenüber dem Vorjahresgewinn von zwei Millionen Euro ist dies ein deutlicher Rückgang. Der Verkehrstelematik-Anbieter aus Karlsruhe führte den schwachen Dollar und Verzögerungen bei Großprojekten als Gründe an. Für das laufende Jahr sei man optimistischer, init verfügte am Jahresanfang über Aufträge im Wert von 35,9 Millionen Euro, sagte Gottfried Greschner, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Die Aktie sank zeitweilig unter vier Euro, insgesamt gab sie sechs Prozent auf 4,22 Euro nach.

Wettbewerber IVU Traffic Technologies AG setzte im Jahr 2003 ebenfalls 30 Millionen Euro um. Der EBIT-Verlust der Berliner weitete sich um 0,8 Millionen auf minus 6,2 Millionen Euro aus. Eine Reihe von Sondereffekten habe negativ auf Umsatz und Ergebnis durchgeschlagen, hieß es. Aller Voraussicht nach werde zum Ende des ersten Quartals 2004 mehr als die Hälfte des Eigenkapitals aufgezehrt sein. Besondere Kapitalmaßnahmen seien nicht vorgesehen, das Softwarehaus will die Eigenkapitalsituation allein durch gutes Wirtschaften verbessern. IVU stürzten um 23 Prozent auf 1,33 Euro ab.

Tomra Systems ASA hat Gerüchte zurückgewiesen, im laufenden ersten Quartal würden Aufträge aus Deutschland im Zusammenhang mit dem Pfand auf Einwegverpackungen erwartet, die sich auf Umsatz und Gewinn auswirken könnten. Der Hersteller von Rücknahme-Automaten erwarte eine flache Geschäftsentwicklung in diesem Quartal. Der Umsatz werde voraussichtlich um 20 Millionen Norwegische Kronen auf 550 Millionen Kronen steigen, der Gewinn werde wie im ersten Quartal 2003 bei 30 Millionen Kronen erwartet, so Tomra. Die Börsenteilnehmer sahen dies wohl als Vorboten einer Gewinnwarnung an: Tomra brachen nach der Mitteilung um 18 Prozent auf 36,70 Kronen ein. Die Verkaufswelle könnte auch durch eine Gesetzesinitiative Hessens im deutschen Bundesrat beeinflusst worden sein. Das Bundesland hatte vorgeschlagen, das sogenannte Dosenpfand ganz abzuschaffen und statt dessen eine Einwegabgabe zu erheben. Das Bundesumweltministerium, Brauereien und Getränkeverbände, aber auch die FDP lehnten die Initiative ab. Aus dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels war hingegen Zustimmung zu vernehmen.

Der österreichische Karton- und Faltschachtelproduzent Mayr-Melnhof Karton AG legte das vorläufige Konzernergebnis 2003 vor. Die Umsätze stiegen um 4,3 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis verbesserte sich leicht auf 136 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss lag bei 90 Millionen Euro, acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hier wirkte sich dem Unternehmen zufolge ein geringerer Steuersatz aus. Eine Prognose für die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr könne frühestens im zweiten Quartal gegeben werden, hieß es. Mayr-Melnhof kletterten in Wien um ein Prozent auf 99,80 Euro. Analysten der RCB sowie der Ersten Bank bestätigten ihre Empfehlung, die Aktie "überzugewichten" beziehungsweise zu "kaufen".

Stuart Energy Systems Corp., kanadischer Hersteller von Wasserstoff-Tankstellen, gab die Ausübung der Mehrzuteilungs-Option in der aktuellen Kapitalerhöhung bekannt. Zusätzlich zu den bereits ausgegebenen sieben Millionen neuen Aktien zu je drei Kanadischen Dollar sei eine weitere Million Aktien zum gleichen Preis verkauft worden. Stuart Energy gab zudem die Ausweitung der Kooperation mit der Technology Partnerships Canada bekannt. Ziel dieses Projekts sei es, erneuerbare Energie aus Wind und Sonne in Wasserstoff zu speichern, um diese für Notstrom-Aggregate und als Treibstoff für Autos nutzen zu können. Stuart gaben in Toronto vier Prozent auf 2,95 Kanadische Dollar nach.

FuelCell Energy Inc. gab den Auftrag zur Lieferung eines 500 Kilowatt Brennstoffzellengeräts für eine Abwasser-Aufbereitungsanlage in Santa Barbara (USA) bekannt. Strom und Wärme würden aus Methan erzeugt, welches aus einer Biogasanlage stamme. Nach Angaben der Wasseraufbereitungs-Gesellschaft El Estero Wastewater Treatment Plant haben sich die Stromkosten in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt; die innovative Energiegewinnung mittels Brennstoffzellen aus Biogas werde deshalb ökonomisch machbar. Das Projekt wird durch den Bundesstaat Kalifornien finanziell unterstützt. FuelCell setzte nach eigenen Angaben im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 13,3 Millionen Dollar um, nach 10,3 Millionen im Vergleichsquartal des Vorjahres. Der Nettoverlust lag bei 27,9 Millionen Dollar und sei durch Einmaleffekte beeinflusst, die aus der Übernahme der Global Thermoelectric Inc. herrühren. FuelCell sanken an der Nasdaq um drei Prozent auf 13,80 Dollar.

Transmeta Corp. korrigierte das zuvor bekannt gegebene Jahresergebnis um 0,3 Millionen Dollar nach unten. Der US-amerikanischer Hersteller besonders stromsparsamer Mikroprozessoren begründete diesen Schritt mit zusätzlichen Ausgaben, die dem vierten Quartal 2003 zuzuordnen seien. Der korrigierte Nettoverlust des Geschäftsjahrs wurde nun mit 87,6 Millionen oder 0,63 Dollar pro Aktie angegeben. Transmeta legten drei Prozent auf 3,92 Dollar zu.

Der Kurs der farmatic biotech energy AG brach in der vergangenen Woche um 17 Prozent auf 0,35 Euro ein. Der Hersteller von Biogasanlagen steht zur Zeit in einem Insolvenzverfahren. Zweistellige Kursverluste gab es auch bei zwei Brennstoffzellen-Herstellern, der kanadischen Hydrogenics Corp. und der US-amerikanischen Millenium Cell Inc. Der Kurs des Pharma-Unternehmens Natural Alternatives International Inc. aus den USA hatte in den Vorwochen stark zugelegt, er ging nun um zwölf Prozent auf 8,46 Dollar zurück.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
Millenium Cell Inc. (ISIN US60038B1052 / WKN 940511)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)


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