Nachhaltige Aktien, Meldungen

15.3.2007: Umwelt Aktiendepot Welt (UAD) trennt sich von Aktien der Biopetrol Industries AG - Kritik an Einsatz von Palmöl - ECOreporter.de sprach mit Biopetrol-Vorstand Henschel und UAD-Geschäftsführer Spitz

Das Bonner Umwelt Aktiendepot Welt will nicht mehr in die Aktie des Biokraftstoffherstellers Biopetrol Industries AG investieren. Wie Murphy&Spitz Umwelt Consult mitteilt, hat der Anlageausschuss des Umwelt Aktiendepot Welt dies auf seiner letzten Sitzung entschieden. Wie es weiter heißt, hatte der Anlageausschuss die Geschäftsführung zuvor beauftragt, die Verwendung von Palmöl bei den gehaltenen Beteiligungen zu überprüfen, insbesondere bei der Biopetrol Industries AG. Nachdem Biopetrol der Darstellung der Bonner zufolge auf mehrfache schriftliche Anfrage und über Monate hinweg keine Auskunft zu Herkunft und Art der verwendeten Rohstoffe gegeben habe, würden jetzt alle Beteiligungen am Unternehmen abgestoßen.

Philipp Spitz, Gesellschafter von Murphy&Spitz, ist Geschäftsführer der Umwelt Aktiendepots Welt und Deutschland. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte er: "Wir haben am 4. Januar eine Mail mit unseren Fragen an das Unternehmen geschickt, am 31. Januar ein Fax. Am 22. Februar haben wir dann bei Biopetrol angerufen und nachgefragt. Dort sagte man uns, es sei keine Anfrage angekommen. Am 23. Februar schickten wir daraufhin ein weiteres Fax mit der Bitte um rasche Antwort an das Unternehmen. Erneut hat sich Biopetrol nicht bei uns gemeldet." Kopien der beiden Faxnachrichten liegen der Redaktion vor.

Laut eigener Darstellung hat der Anlageausschuss des Umweltaktiendepot "anhaltende Zweifeln über die Umweltverträglichkeit bei der Verwendung von Palmöl in der Biodieselherstellung". Die Verwendung von Palmöl in Europa könne zu riesigen Monokulturen auf den Plantagen insbesondere in Asien führen. Umweltschutzorganisationen berichteten zudem über verstärkte Brandrodungen des Regenwaldes, um Platz für Palmölpflanzen zu schaffen. Weiterer Kritikpunkt sei die Trockenlegung von Torfschichten zur Nutzbarmachung von Anbauflächen: Es würden kurzfristig erhebliche zusätzliche Mengen an Kohlendioxid freisetzt und wertvoller Lebensraum für einheimische Arten vernichtet.
"Unter diesen Umständen fällt die Ökobilanz katastrophal aus. Das Tragische daran ist, dass Palmöl zunehmend Raps ersetzt und der Verbraucher davon ausgeht, er schütte Ökodiesel in seinen Tank", so Thomas Hoffmann, Mitglied des Anlageausschusses.

Auf welche Informationen und Quellen stützt sich die Entscheidung der Bonner Wertpapierexperten? Spitz: "Wir haben verschiedenen Quellen zusammengetragen, die übereinstimmend auf die Problematik hinwiesen. Unter anderem sind Informationen der Umweltorganisation Wetlands International in die Urteilsbildung eingeflossen, zudem Veröffentlichungen in den Zeitungen Financial Times (FTD) und Herald Tribune." Laut Spitz haben die Umwelt Aktiendepots Welt und Deutschland zurzeit keinen anderen Biokraftstoffhersteller in den Portfolios. Man spreche aktuell mit einem anderen Unternehmen, so Spitz: "Bevor nicht geklärt ist, ob das Palmöl, das dort verwendet wird, aus sauberen Quellen kommt, investieren wir aber nicht."

Der Investmentexperte fordert eine Art "Runden Tisch" zum Thema. Verbände und Unternehmen sollten definieren, welche Art von Palmölnutzung nachhaltig ist. "Wir brauchen einen Diskurs zwischen Unternehmen, Verbänden und den Kapitalanlegern", sagt Spitz.

Weshalb hat sich die Biopetrol Industries AG nicht zur Anfrage der Bonner Analysten geäußert? Setzt das Unternehmen mit Sitz in Zug, Schweiz, in seinen Werken tatsächlich Palmöl ein? Und wie sehr bemüht sich die Gesellschaft um Nachhaltigkeit? ECOreporter.de fragte bei Biopetrol nach und sprach mit Klaus-Ulrich Henschel, Vorstandsmitglied (CEO) des Biokraftstoffherstellers. "Bei mir kommen täglich rund 150 E-Mails an, darunter ein großer Teil von unseriösen Anfragen. Bei einer 60 bis 70 Stundenwoche kann es passieren, dass die eine oder andere Sache übersehen wird", führt er entschuldigend an. Die Biopetrol habe in ihren Werken "bis heute" kein Palmöl eingesetzt, so der Vorstand weiter. Das Unternehmen habe die Auseinandersetzung mit der Thematik jedoch bereits aktiv begonnen. "Wir sind dem "Roundtable on Sustaibable Palm Oil" (RSPO) beigetreten; das ist eine Vereinigung in Asien, der auch Großunternehmen wie Shell oder ADM angehören. Das Board hat sich das Ziel gesetzt, Standards für ein Zertifizierungssystem für nachhaltiges Palmöl zu schaffen."

Wie Karl Steinle, Pressesprecher der Biopetrol, auf Nachfrage von ECOreporter.de bestätigte, hat das Unternehmen den Antrag auf assoziierte Mitgliedschaft in der RSPO "vor wenigen Wochen" gestellt. Es könne sein, dass die Mitgliedschaft noch nicht aktiv sei. Auf der Webseite der RSPO wird die Biopetrol denn auch als "current applicant RSPO membership" geführt - als Bewerber auf eine Mitgliedschaft.

"Wenn wir Palmöl einsetzen würden, halten wir es für essentiell, dass es sich um zertifizierte Ware handelt", so Henschel weiter: "Ende des Jahres werden wir unser Werk in Rotterdam in Betrieb nehmen und es kann sein, dass wir uns in 2008 aus wirtschaftliche Erwägungen dem Palmöleinsatz nicht mehr entziehen können. Es hilft nichts, wenn wir stattdessen Pleite gehen."

Biopetrol Industries AG: ISIN CH0023225938 / WKN A0HNQ5

Bilder: Philipp Spitz; Werk der Biopetrol Industries AG / Quelle: Unternehmen
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