15.07.05 Fonds / ETF

15.7.2005: ProVita will den Erfolg ausrechnen - neuer Nachhaltigkeitsfonds "IAM ProVita world fund" verwendet "mathematischen Handelsansatz" - ECOreporter.de-Interview mit Stefan Maiss, Gesch?ftsf?hrer der ProVita GmbH

Der Stuttgarter Finanzdienstleister ProVita bringt einen Nachhaltigkeitsfonds auf den Markt, der nach einem rein mathematischen Handelsansatz arbeitet. Der "International Asset Management Fund - ProVita world fund" (IAM ProVita world fund) sei in Zusammenarbeit mit der MK Luxinvest S.A., einer Tochtergesellschaft der M?nchner Kapitalanlage AG, und der Top Ten AG entwickelt worden, berichtet die ProVita. Besonderheit des Fonds: Mit Hilfe einer ausgekl?gelten mathematischen Stop-Loss-Technik soll der Gewinn gesteigert werden, gleichzeitig wollen die Stuttgarter das Verlustrisiko deutlich senken. Der Fonds kauft Anteile von bis zu zehn Nachhaltigkeitsfonds aus einem Investmentuniversum von 60 Fonds. ECOreporter.de sprach mit Stefan Maiss, Gesch?ftsf?hrer der ProVita GmbH, ?ber das neuartige Konzept des Fonds.


ECOreporter.de: Das Konzept Ihres neuen Fonds "IAM ProVita world fund" ist aufwendig, mit einer mathematisch gest?tzten Stopp-Loss Strategie wollen Sie den Investmenterfolg optimieren. Ist das nicht sehr teuer? Wie ist die Geb?hrenstruktur des Fonds?
Stefan Maiss: Die Verwaltungskosten betragen j?hrlich 1,5 Prozent. Als Ziel hatten wir uns vorgenommen, die Gesamtkostenquote (TER- total expense ratio) unter zwei Prozent hinzubekommen, womit wir h?ufig g?nstiger liegen als viele Einzelfonds.
Als institutioneller Investor k?nnen wir zu ganz anderen Konditionen bei unseren Fondspartnern einkaufen als ein privater Anleger. Und mit dem Finanzmathematiker Herrn Olaf-Johannes Eick haben wir einen ?berzeugten und begeisterten Partner gewonnen, der seine Stop-Loss-Technik zu fairen Konditionen eingebracht hat.


ECOreporter.de: Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die 60 Fonds, aus denen sich das Investmentuniversum des Fonds zusammensetzt, ausgesucht? Haben Sie für den Fonds eigene Negativ- und Positivkriterien erarbeitet?
Maiss: Mittlerweile verf?gen Anleger im deutschsprachigen Raum ?ber eine Auswahl von ?ber 100 Ethik-, ?kologie-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds. Die meisten sind allerdings erst in den vergangenen vier Jahren aufgelegt worden, ?ber die gibt es noch keine aussagef?higen Langzeitstudien.

Bei der Zusammenstellung der Fonds, in die der "IAM ProVita world fund" investiert, arbeiten wir nicht mit Kriterienlisten. Wir haben statt dessen einen Auswahlprozess entwickelt, der verschiedene Qualit?tsmerkmale ber?cksichtigt und den Darmst?dter Definitionen für Nachhaltige Geldanlage gen?gt oder am n?chsten kommt:

- finanztechnische Faktoren: Wir legen Wert auf eine hohe Best?ndigkeit und eine angemessene Volatilit?t (Anmerkung der Redaktion: Schwankungsintensit?t), achten aber auch darauf, wie h?ufig der Fondsmanager wechselt.

- Researcharbeit: Sie spielt eine wesentliche Rolle für die Entscheidungsfindung. Die Ergebnisse sollten zuverl?ssig, schl?ssig und transparent sein.

- Anlageentscheidungen: Wir pr?fen das Anlageprofil und die Definitionen der Fondsgesellschaften für Anlageentscheidungen. Dabei achten wir unter anderem auf die Ernsthaftigkeit und Glaubw?rdigkeit des Managements.

- Nachhaltigkeit: Bei den 60 Fonds haben wir eine zus?tzliche Nachhaltigkeitseinsch?tzung vorgenommen; wir investieren in maximal zehn Fonds. Sollte die Mathematik also zwanzig ertragsstarke Fonds ausweisen, werden daraus die zehn nachhaltigsten ausgesucht und nur dort wird investiert.


ECOreporter.de: Wie viele Unternehmen sind in den 60 Fonds enthalten? Wie gro? ist also das Investmentuniversum an der "Basis"?
Maiss: Wenn man von den ?berschneidungen absieht - in manchen Fonds kommen einzelne Papiere mehrfach vor - sch?tze ich, dass es ?ber 500 Unternehmen sein werden, die in allen Umweltfonds enthalten sein k?nnen. Ein interessanter Sicherheitsaspekt dabei ist, dass man es mit einer gro?en Diversifizierung zu tun hat. Es handelt sich um sehr verschiedenartige Unternehmen, die sich in unterschiedlichsten Branchen bet?tigen und in unterschiedlichen W?hrungen gehandelt werden.


ECOreporter.de: Nutzen Sie externes Research für den Fonds?
Maiss: Da unsere Informationsquellen sehr zuverl?ssig sind, sehen wir darin keinen Handlungsbedarf. Es w?rde aus unserer Sicht kein Mehrwert entstehen, wohl aber Kosten.


ECOreporter.de: Welche Anbieter von Nachhaltigkeitsresearch sind ?ber die Auswahl der Fonds im Investmentuniversum mittelbar in Ihrem Fonds vertreten?
Maiss: Als unabh?ngige Researcher sind oekom research, ethibel, eiris, siri und imug vertreten; mit einem eigenen Team zum Beispiel die SAM Gruppe, die Bank Sarasin, und die Z?rcher Kantonalbank.


ECOreporter.de: Sie wollen den IAM ProVita world fund nach einer mathematisch optimierten Strategie f?hren, um die Vielzahl "menschlicher Fehler", die so oft den Erfolg eines Investments zunichte machen, zu vermeiden. Im Bereich des Nachhaltigen Investments ist das in dieser Form neu. Gibt es eine wissenschaftliche Begleitung des Fonds?
Maiss: Olaf-Johannes Eick von der Schweizer Multi-invest GmbH zeichnet für die mathematisch gef?hrte Strategie verantwortlich. Multi-invest ist auch im Anlageausschuss vertreten, die Gesellschaft ber?t Investmentfonds auf Basis mathematischer Prognosemodelle. Diese Modelle basieren auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung, zurzeit werden sie zum Beispiel bei dem Fonds "Oppenheim Multi-Invest OP" angewandt. Ziel ist es, alle Investmentrisiken konsequent zu reduzieren. In den betreuten Produkten wurde dieses Ziel in den vergangenen Jahren voll erreicht.


ECOreporter.de: Kann man den IAM ProVita world fund bei allen Banken, Sparkassen und Direktbanken kaufen?
Maiss: Nein, derzeit ist der Fonds nur ?ber die g?ngigen Plattformen wie ebase, Frankfurter Fondsbank, DAB, Moventum, Oppenheim, Augsburger Aktienbank, Metzler und bei der M?nchner Kapitalanlage AG erh?ltlich. Der Fonds wird voraussichtlich erst innerhalb der kommenden Woche in den Systemen der Anbieter gelistet sein, er ist aber bereits jetzt verf?gbar.


ECOreporter.de: Bei den meisten nachhaltigen Investmentfonds ist der "Anlageausschuss" ein unabh?ngiges Gremium, das ?ber die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien des Fonds wacht. In Ihrem Konzept scheint er die Aufgabe des Fondsmanagements zu ?bernehmen. Ist das richtig? Wie werden Sie das mit f?nf Ausschussmitgliedern an unterschiedlichen Orten praktisch umsetzen?
Maiss: Der Fonds wird nach dem mathematischen Ansatz von Olaf Johannes Eick gef?hrt. Der Anlageausschuss kann dar?ber hinaus festlegen, zu wie viel Prozent diese Stop-Loss-Technik Anwendung findet. Zur Zeit sind das 100 Prozent. Da dieses System tagesgenau die M?rkte analysiert und der Vorgang automatisiert ist, ist ein h?ufiges, regelm??iges und sehr aufwendiges Abstimmen des Ausschusses nicht erforderlich. Dadurch k?nnte kostbare Zeit für relevante Entscheidungen verloren gehen, durch die Technik wird das verhindert. Der Anlageausschuss hat bereits im Vorfeld durch die Definition des Zielfondsuniversums die Fondsauswahl festgelegt.

ECOreporter.de: Herr Maiss, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!



Zur Methodik des IAM ProVita world fund

Die Arbeitsweise des IAM ProVita world fund beschreiben die Initiatoren wie folgt: "In aus mathematischer Sicht als stabil erkannten Abw?rtsphasen werden die Engagements in Umweltrenten- und Geldmarktfonds ?berbr?ckt oder die gehaltene Kasse aufgebaut. Im Aufw?rtstrend investiert der IAM ProVita world fund in die nach dem mathematischen Ansatz aussichtsreichsten der ?ber 60 Einzelfonds. Diese Einzelfonds besitzen unterschiedliche Anlagecharakteristiken, besetzen unterschiedliche Branchen, investieren in unterschiedliche W?hrungen und werden nach unterschiedlichen Kriterien gemanagt."
Der Fonds ist laut der ProVita vollkommen frei in der Veranlagung seiner Mittel. Er kann seine Gewichtung zwischen 0 und 100 Prozent auf Aktien- und Rentenfonds sowie Kassenbest?nde verteilen. Direkte W?hrungsrisiken und W?hrungsschwankungen werden durch eine 100-prozentige Euro Quote ausgeschaltet.

Ziel der speziellen Investmentstrategie sei eine hohe Streuung der Anlegergelder, damit solle das "Sicherheitsmoment deutlich erh?ht werden", hie? es. F?r die Auswahl der Fonds, die das Investmentuniversum bilden, ist ein f?nfk?pfiger Anlageausschuss zust?ndig. Ihm geh?ren neben Stefan Maiss auch der Moraltheologe und Universit?tsprofessor Prof. Dr. Johannes Hoffmann sowie der Finanzmathematiker Olaf-Johannes Eick an.

Offizieller Fondsstart in Deutschland war der 13. Juli 2005. In ?sterreich wurde der Fonds schon vor rund f?nf Wochen zum Vertrieb zugelassen. Seit Auflegung des IAM ProVita world fund wuchs das Volumen auf ?ber 5,6 Millionen Euro, der Kurs legte um 4,8 Prozent zu.


Basisdaten des Fonds laut der Initiatorin

Auflegungsdatum: 1.4.2005
Fondsvolumen: 5.645.737,73 Euro
Gewinnverwendung: thesaurierend
Fondsw?hrung: Euro
Fondsgesellschaft: MK Luxinvest S.A.
Gesch?ftsjahr: 1.01. - 31.12.
Fondsinitiator: Provita GmbH, Stuttgart
ISIN: LU0206716028
WKN: A0D84R
Fondsberatung: Multi-Invest Gesellschaft für institutionelles Advisoring GmbH; CH - 6614 Brissago

Ausgabeaufschlag bis 5,26% des Nettoanlagebetrages
Verwaltungsgeb?hr bis zu 1,5%
Benchmark: MSCI The World Euro


Folgende Fonds sind aktuell im Portfolio des IAM ProVita world fund enthalten:

Pioneer Global Ethical Equity - 9,70 Prozent
Sarasin New Energy - 9,69
DAB Advisor Meridio Green Balance - 9,67 Prozent
Dexia Sustainabilty Accent Social - 9,62 Prozent
JB Multipartner SAM Sustainable Water - 9,61 Prozent
AGIF Global Sustainability - 9,57 Prozent
MEAG Nachhaltigkeit - 9,56 Prozent
?kovision - 9,56 Prozent
?k? Aktienfonds - 9,44 Prozent
Pictet European Sustainability - 9,41 Prozent

Kasse - 4,17 Prozent


Bild: Stefan Maiss / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x