16.12.02

16.12.2000: Der Schuldenberg wächst: Geht condomi das Geld aus?

Dem Kölner Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490) steht das Wasser bis zum Hals, das behauptet Joachim Spiering unter dem Titel "Gummiland ist abgebrannt" in der Zeitung Euro am Sonntag. Der aktuelle Vorstandsbericht des Unternehmens enthalte erheblichen Zündstoff, so Spiering. Im letzten Absatz offenbare condomi unerwartet, dass eine Änderung der bestehenden Kreditlinien "bestandsgefährdende Folgen" nach sich ziehen könne. Spiering folgert: "Der Firma steht das Wasser bis zum Hals, über ihr Wohl und Wehe bestimmen die Hausbanken."

Die Kölner hätten sich die klamme Lage selbst eingebrockt, heißt es weiter. Sie hätten versucht, ins Erotik-Business im Internet einsteigen und vor allem durch Investitionen in das defizitäre Neue-Markt-Unternehmen Media AG viel Geld verloren. Von insgesamt über 20 Millionen Euro, die condomi beim Börsengang 1999 und einer Kapitalerhöhung im Januar 2002 eingenommen habe, seien nur noch 2,2 Millionen übrig. Die Bankschulden beliefen sich demgegenüber auf 13,2 Millionen Euro. "Wenn die Banken nicht mehr mitspielen, dann haben wir ein Problem", zitiert Euro am Sonntag Jens Große-Allermann, condomi-Finanzvorstand. Dieser habe jedoch überhaupt keine Bedenken, dass die Kreditlinien geändert würden. Das kommende Geschäftsjahr solle die Wende bringen. Seit einigen Wochen produziere man im neuen Erfurter Werk 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Der Ausstoß liege bei 1370 Kondomen pro Minute, 720 Millionen pro Jahr.

Die Chancen des Unternehmens auf einen Turnaround hält Euro am Sonntag für durchaus realistisch. Die letzten Quartalszahlen zeigten ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von über 25 Prozent auf 6,6 Millionen Euro, vorliegende Großaufträge würden zudem erst im dritten und vierten Quartal ausgeliefert. Positiv sei ferner zu werten, das die Verhütungsexperten glaubhaft den Rückzug aus dem Mediengeschäft in die Wege geleitet hätten.
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