16.12.02

16.12.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Finanzfachleute machen Medien für Stimmung in der Wirtschaft verantwortlich - Dividenden steigen - Großaufträge für Umweltunternehmen

(H.K.) Mit zunehmender Ratlosigkeit betrachten Finanzfachleute die Wirtschaftslage. Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der DZ Bank, etwa sagte, die Medien hätten zu negativ auf die Wirtschaftspolitik der deutschen Bundesregierung reagiert; Erholungstendenzen der US-Konjunktur seien nicht genügend beachtet worden, daher sei die Stimmung schlecht, Konsum und Investitionen kämen nicht in Fahrt, der Aufschwung bleibe aus. Frankreichs Premierminister Jean-Pierre Raffarin erklärte, sein Land habe Steuern und Sozialabgaben gesenkt, die deutschen Methoden hingegen seien "brutal". Das Bundesfinanzministerium wehrte sich mit dem Hinweis auf die Europäische Kommission, deren Vorgaben man erfülle, gegen die Kritik.

Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist um vier Prozent auf 3077 Punkte gefallen. Am Neuen Markt gab der Nemax All Share sechs Prozent ab, der Auswahlindex Nemax-50 sieben Prozent. In den USA sank der Industriewerte-Index Dow Jones Industrial Average um zwei Prozent, der mehr Technologie-Aktien enthaltende Nasdaq Combined Composite Index um vier Prozent. Der japanische Nikkei-225 ermäßigte sich ebenfalls um vier Prozent. Das Rohöl hat sich um weitere zwei Prozent verteuert. Der Kurs des Euro ist gegenüber dem US-Dollar auf ein Zwölfmonatshoch geklettert. Analysten vermuten hier Währungsspekulationen im Zusammenhang mit der explosiven Lage im Nahen Osten.

Die Vossloh AG (WKN 766710) aus Werdohl kündigte eine kräftige Erhöhung der Dividende an. Die Ausschüttung werde bei ungefähr 1,00 Euro pro Aktie liegen, sagte Vorstand Burkhard Schuchmann. Im Geschäftsjahr 2001 waren es 0,75 Euro gewesen. Der Hersteller von Schienenfahrzeugtechnik erwartet für das zu Ende gehende Geschäftsjahr das bisher höchste Betriebsergebnis in der hundertdreißigjährigen Firmengeschichte und hofft für die kommenden Jahre auf kontinuierlich weiter wachsende Gewinne. Analysten hatten bereits bei der Vorlage der Neunmonatszahlen die Vossloh-Aktie zum Kauf empfohlen, nun erhöhten sie ihre Kursziele auf Werte zwischen 28 und 30 Euro. Vossloh legten um acht Prozent auf 24,80 Euro zu.

Eine deutlich erhöhte Dividende will auch der Mannheimer Energiedienstleister MVV Energie AG (WKN 725590) ausschütten. Den Aktionären würden allerdings wie im Vorjahr 0,75 Euro ausgezahlt werden, 2001 kam zur Dividende von 56 Cent ein Bonus von 19 Cent hinzu. Nach Zahlung der Dividende, über die noch die Hauptversammlung der MVV entscheiden muss, würde ein Drittel des Jahresgewinns im Unternehmen verbleiben. Dieser könne für Investitionen, vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien, eingesetzt werden, hieß es. MVV-Papiere verbilligten sich um zwei Prozent auf 14 Euro.

Im Possenspiel um die Einführung des sogenannten Dosenpfands in Deutschland ist eine weiterer Akt inszeniert worden: Mehrere Brauereien und Getränkehändler reichten Eilanträge beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein, um den Start des Pfands noch aufzuschieben. In Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium hatten die Unternehmen zuvor zugesagt, ihren Widerstand aufzugeben. Der Einzelhandelsverband HDE distanzierte sich in der Presse von den Eilanträgen; eigene Sammelklagen habe man bereits zurückgezogen.
Agenturmeldungen zufolge wies das Oberverwaltungsgericht Berlin einen weiteren Eilantrag mehrerer Großbrauereien und Discount-Ketten zurück. Das Gericht führte aus, dass das öffentliche Interesse höher einzustufen sei als das wirtschaftliche Interesse der Getränkehersteller. Eine aktuelle Emnid-Umfrage zeigte, dass mehr als 40 Prozent der Deutschen bei der Einführung des Pfands auf Dosen und Einwegflaschen verzichten wollen. Von dem Pfandsystem profitieren wollen Unternehmen wie die schon erwähnte Interseroh AG, die Münchener CCR Logistics Systems AG (WKN 762720) und vor allem Tomra Systems ASA (WKN 872535) aus Norwegen. Tomra ist der weltweit größte Hersteller von Pfandrücknahmeautomaten. Analysten der Kreissparkasse Göppingen empfahlen die Tomra-Aktie zu kaufen. Die Rücknahmequoten bei Getränkeverpackungen würden weltweit erst bei zwei Prozent liegen, was enormes Wachstumspotential für den Marktführer bedeute. Tomra gaben eine Krone auf 53 Norwegische Kronen (7,22 Euro) ab.

Der Entsorgungs- und Rohstoffkonzern Interseroh AG (WKN 620990), Köln, steigerte Umsatz und Ergebnis vor Steuern (EBT) in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Der Umsatz sei jedoch stark durch den Einmaleffekt infolge einer Übernahme gewachsen. Im vierten Quartal erwarte man ein schwächeres Ergebnis. Über die Höhe der zu erwartenden Dividende machte das Unternehmen keine Angaben. Der Interseroh-Kurs sackte um neun Prozent auf 9,30 Euro ab.

Precious Woods (ISIN CH0013283368) meldete für den abgelaufenen Neunmonats-Zeitraum einen deutlich gesteigerten Bruttoertrag, das Nettoergebnis habe sich jedoch halbiert. Ursache dafür sei die Schwäche der brasilianischen Währung Real gegenüber dem US-Dollar. Precious Woods ist ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, das in Lateinamerika Waldflächen aufkauft, diese aufforstet und nachhaltig bewirtschaftet. Die Aktie verbilligte sich um einen Franken auf 58 Schweizer Franken.

Wenige Wochen vor Beginn des UNO-Jahrs des Wassers meldeten zwei Hersteller von Wasseraufbereitungstechnik Großaufträge. Die Düsseldorfer Wedeco AG (WKN 514180) wird die chinesische Metropole Shenzhen mit Ozonanlagen ausrüsten. Damit könne die Millionenstadt den Einsatz gefährlicher Chemikalien bei der Reinigung und Desinfizierung des Trinkwassers vermeiden, sagte Wedeco- Vorstand Werner Klink. Wedeco stufe den chinesischen Markt als vielversprechend ein und wolle seine Aktivitäten dort ausweiten. Das Unternehmen stellt außer Ozontechnik auch Anlagen her, die Wasser mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) desinfizieren. Wedeco-Konkurrent Trojan Technologies Inc. (WKN 902023) aus Kanada berichtete über einen Auftrag aus Brasilien. Mittels UV-Technik von Trojan soll das Abwasser in vier Aufbereitungswerken des südamerikanischen Landes desinfiziert werden. Trojan teilte außerdem mit, dass künftig das Geschäftsjahr zum 31. Dezember enden werde. Die Wedeco-Aktie, derzeit von vielen Analystenhäusern empfohlen, verteuerte sich um sieben Prozent auf 12,68 Euro. Trojan legten zwei Prozent auf 9,40 kanadische Dollar zu, das entspricht 5,88 Euro.

Severn Trent Plc (WKN 878228), britischer Wasser- und Entsorgungskonzern, legte die Halbjahreszahlen vor. Den Konzernumsatz habe man leicht gesteigert, der Gewinn pro Aktie sei jedoch um sechs Prozent zurückgegangen. Severn Trent will dennoch eine unveränderte Halbjahresdividende von 17,34 Pence auszahlen. Für das Gesamtjahr wurde eine gegenüber ursprünglichen Prognosen leicht erhöhte Dividende in Aussicht gestellt. Analysten von Merrill Lynch stuften die Severn Trent-Aktie von "verkaufen" auf "neutral" hoch. Die Anteilscheine stiegen in London um fünf Prozent auf 680,5 Pence (10,57 Euro).

Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), Windturbinenhersteller aus Dänemark, meldete einen größeren Auftrag aus den USA. Dieser sei allerdings bereits eingeplant gewesen und werde nicht zu erhöhten Gewinnprognosen führen, teilte Vestas mit. Die Turbinen des Offshore- Windparks Horns Reef vor der dänischen Nordseeküste seien nun vollständig am Netz; ein Kabelschaden hatte zu teuren Verzögerungen geführt. Horns Reef wird nach Unternehmensangaben künftig zwei Prozent des gesamten dänischen Strombedarfs liefern. Nicht ganz zufrieden zeigte sich das Management mit dem Interesse der Mitarbeiter am Kauf von Belegschaftsaktien. Werksangehörige können Vestas-Aktien zum Preis von 60 Dänischen Kronen kaufen, müssen diese allerdings fünf Jahre lang halten. Der Kursverlauf in der letzten Zeit lasse wohl Kauf und Verkauf über die Börse attraktiver erscheinen, meinte Verwaltungsdirektor Svend Sigaard dazu. Vestas legten wieder sieben Prozent auf 75 Kronen (10,10 Euro) zu.

Großaufträge meldeten auch die Turbinenhersteller Nordex AG (WKN 587357, Norderstedt) und Gamesa SA (WKN 589858, Spanien). Nordex zogen leicht auf 2,88 Euro an, während Gamesa vier Prozent auf 17,80 Euro abgaben.

Starke Kursbewegungen verzeichnete erneut die Aktie der kanadischen Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704). Der Hersteller von Brennstoffzellen kündigte zunächst die Entlassung von 400 der 1.400 Mitarbeiter an. Um den enormen Kapitalbedarf der Kanadier zu decken, wollen die Autohersteller DaimlerChrysler und Ford, die an Ballard Power beteiligt sind, weitere Mittel zur Verfügung stellen. Das Unternehmen will darüber hinaus 7,7 Millionen neue Aktien ausgeben. Die Aktie verlor an der Nasdaq nach einem kurzen Anstieg 13 Prozent auf 11,91 Dollar.

Energy Conversion Devices Inc. (WKN 858643) büßten 13 Prozent auf 10,20 Dollar ein. Der US-amerikanische Hersteller von Solartechnik und Energiespeichern hatte mitgeteilt, dass eine Patentstreitigkeit nunmehr vor einem internationalen Schiedsgericht weiterverhandelt würde. Energy Conversion beschuldigt zwei japanische Unternehmen, die Matsushita Battery Industrial Co. Ltd. und die Toyota Motor Corp., seine Patentrechte an Nickel-Metallhybrid-Batterien zu verletzen.

Der Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490), aus Köln, hat nach eigenen Angaben einen Großauftrag des brasilianischen Gesundheitsministeriums erhalten. Darüber hinaus habe man eine langfristige Vertriebsvereinbarung für den türkischen Markt abschließen können. Dem Kurs half das nicht, er sank um weitere drei Prozent auf glatte 6 Euro ab.

IFCO Systems N.V., ein Anbieter von Rundlauf-Logistiksystemen und Dienstleistungen, notiert nach dem reversen Aktiensplitt nun unter der neuen WKN 157670. Der Kurs lag zum Wochenschluss bei 1,80 Euro, unter Berücksichtigung der neuen Aktienanzahl ein deutlicher Zugewinn.

Bildnachweis: UV-Strahler der Wedeco AG / Quelle: Wedeco


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x