01.06.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.6.2004: Wochenrückblick: Die Solarkonjunktur brummt - Unternehmen wollen Produktion ausweiten - Tomra verkauft US-Beteiligung

Die Aktienmärkte zeigten sich in der letzten Woche von der freundlichen Seite. In Frankfurt kletterte der DAX um zwei und der TecDAX um drei Prozent. Der japanische Index Nikkei-225 stieg um zwei Prozent. In den USA legte der Dow Jones Industrial Average zwei Prozent zu, der Nasdaq Combined Composite Index vier. Für den Euro wurden zum Schluss 1,2223 Dollar gezahlt, ein Plus von zwei Prozent.

Der Preis für das Rohöl notiert weiter auf historischen Höchstständen. In der Finanzwelt mehren sich die Stimmen, dass der gegenwärtig hohe Preis auf Spekulationen beruhe. Selbst die Ankündigung einiger Ölförder-Länder, die Produktion kräftig auszuweiten, hat nicht zum Sinken der Ölfutures geführt. Die Marktteilnehmer rechnen offensichtlich nicht damit, dass eine Erhöhung des Angebots den Preis senken würde. Purnomo Yusgiantoro, Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sagte, eine massive Förderanhebung sei als Signal zu verstehen. Man erhoffe sich davon einen "psychologischen Effekt" auf die Märkte.

Am heutigen Dienstag beginnt in Bonn die viertägige internationale Konferenz für erneuerbare Energien "renewables2004". 1.200 Delegierte und 1.100 Beobachter haben sich angemeldet sowie 350 Parlamentarier aus vielen Ländern der Welt. Die Delegationen von Regierungen, internationalen Organisationen, Unternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen haben sich zum Ziel gesetzt, ein Aktionsprogramm zu verabschieden. Konkrete, kontrollierbare Maßnahmen und Selbstverpflichtungen sollen den Ausbau der erneuerbaren Energien in der ganzen Welt voranbringen. Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe, wies in einem Interview von tagesschau.de auf einen weiteren Aspekt hin: Für viele Menschen in den Entwicklungsländern seien erneuerbare Energien die faktisch einzige Möglichkeit des Zugangs zu Energie. Zudem entstünden dort qualifizierte Arbeitsplätze. Beides trage zur Bekämpfung der Armut bei. Es sei jedoch nötig, die hohen Subventionen für andere Energien zu reduzieren, damit die Erneuerbaren überhaupt gleiche Wettbewerbsbedingungen vorfänden.

Die Gewerkschaft IG Metall wies im Vorfeld der Konferenz auch auf die Arbeitsplatzeffekte innerhalb Deutschlands hin. Sie forderte deshalb von der Bundesregierung weitere Bemühungen zur Förderung der alternativen Energieformen. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums könne bis zum Jahr 2020 mit einem Beschäftigungseffekt von rund 400.000 Arbeitsplätzen gerechnet werden. Derzeit gibt es laut Ministerium etwa 120.000 Arbeitsplätze im Bereich der regenerativen Energien.

Die deutsche Solarstromindustrie rechnet im laufenden Jahr mit der Verdopplung der Produktion. Das geht aus dem Photovoltaik-Branchenreport der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS) hervor. 20.000 Sonnenkraftwerke mit einer Gesamtleistung von über 200 Megawatt sollen im Jahr 2004 neu installiert werden. Dies entspreche einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Die Branche zähle derzeit 43 deutsche Hersteller, von denen vier Solarzellenhersteller zu den weltweit zehn größten gehören. Die Exportquote liege jedoch gegenwärtig bei nur 20 Prozent, so der UVS. Der Verband rechnet mit rund 100.000 Beschäftigten im Jahr 2010.

Die SolarWorld AG will im aktuellen Geschäftsjahr den Umsatz auf 150 Millionen Euro steigern. Das sagte der Vorstand des Bonner Technologie-Konzerns auf der Hauptversammlung. Außerdem werde der Konzern ein "sehr gutes" Ergebnis vorlegen können, hieß es weiter. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg haben wie angekündigt ihre Schätzungen für SolarWorld revidiert. Sie hoben die Erwartung für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 13,6 Millionen Euro von 8,6 Millionen an. Im kommenden Jahr würde das EBIT 19,5 Millionen Euro erreichen. Die EBIT-Marge läge dann über zehn Prozent. Zwar sei die Aktie bei dem geschätzten Gewinn von 1,49 Euro pro Aktie im Jahr 2005 nicht mehr günstig, der Kurs biete jedoch noch Potenzial. Anleger sollten die Papiere weiter "kaufen", schrieben die Analysten. SolarWorld stiegen um 29 Prozent auf 27,45 Euro. Zeitweilig lag der Kurs bei 29 Euro.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG kündigte eine Kapitalerhöhung an. Zum Kurs von 9,00 Euro sollen bis zu 3.333.060 neue Aktien ausgegeben werden. Aktionäre können Bezugsrechte ausüben und für jede vorhandene Aktie eine neue Aktie kaufen. Die Zeichnungsfrist läuft vom 4. Juni bis zum 18. Juni 2004, ein Bezugsrechtshandel findet nicht statt. Das eingeworbene Geld soll zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie zur Finanzierung einer neuen Produktionsstätte verwendet werden. Noch im Jahr 2004 soll in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) eine neue Modulfabrik die Produktion aufnehmen und Module mit zehn Megawatt (peak) herstellen. Die Investitionssumme belaufe sich auf rund zehn Millionen Euro, es würden über 100 Arbeitsplätze neu geschaffen. Damit könne Solon im laufenden Jahr 40 Megawatt herstellen, im Jahr 2005 wären es 90 Megawatt. Dies entspreche einem Umsatz von 240 Millionen Euro. Für 70 Prozent dieses Produktionsvolumens würden bereits Bestellungen vorliegen, teilte das Unternehmen weiter mit. Im dritten Quartal soll die Aktie zudem in den Geregelten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse wechseln, der höhere Anforderungen an die Transparenz stellt. Zur Zeit notiert sie im Freiverkehr. Solon verteuerten sich um 24 Prozent auf 11,98 Euro.

Auch die Solar-Fabrik AG will noch in diesem Jahr ihre Fertigungskapazitäten erweitern. Das sagte Georg Salvamoser, Vorstandsvorsitzender des Freiburger Modulherstellers, auf einer Veranstaltung süddeutscher Handwerksbetriebe. Der Kurs zog um zwölf Prozent auf 7,80 Euro an.


Die nicht börsennotierte Phönix SonnenStrom AG hat nach eigenen Angaben erstmals einen kleinen Quartalsgewinn erzielt. Der Quartalsumsatz habe 12,3 Millionen Euro erreicht, was das Achtfache des Wertes aus dem Vorjahreszeitraum darstelle. In den ersten drei Monaten seien Aufträge im Wert von 23,4 Millionen Euro eingegangen, verglichen mit 2,2 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der gesamte Vorjahresumsatz des Großhändlers aus Sulzemoos lag bei 23,5 Millionen Euro.

Die Masterflex AG aus Gelsenkirchen hat die vorläufigen Quartalszahlen bestätigt. Der Umsatz legte 16 Prozent auf 17,9 Millionen Euro zu, das EBIT stieg um 61 Prozent auf 2,1 Millionen. Masterflex stellt Teile aus Spezialkunststoffen her und fertigt unter anderem Brennstoffzellen für die umweltfreundliche Energieumwandlung. Der Kurs kletterte um sechs Prozent auf 29 Euro.

In Madrid kletterte der Windturbinen-Hersteller Gamesa Corporación Tecnológica um acht Prozent auf 36,72 Euro. An der Frankfurter Börse gaben die Papiere des Bremer Windpark-Projektierers Energiekontor AG zwölf Prozent auf 1,53 Euro ab.

Vom 25. bis 28. Mai tagte die Weltwasserstoffkonferenz "Hyforum 2004" in Peking. Auf der Tagung wurde deutlich, dass noch ein weiter Weg bis zur breiten Anwendung von Wasserstoff als Energieträger zurückzulegen sein wird. Deshalb seien Zwischenlösungen und die Ausarbeitung einer "road map" nötig. Dr. Xu Guan Hua, Chinas Minister für Wissenschaft und Technik, wies darauf hin, dass diese Schritte heute gegangen werden sollten. Angesichts des enormen Wirtschaftswachstums der Volksrepublik und des damit einhergehenden Energiebedarfs stelle sich die Frage der zukünftigen Versorgungssicherheit. Zudem seien Auswirkungen auf Klima und Umwelt unvermeidlich, würde an der konventionellen Energieversorgung festgehalten.

Um neun Prozent auf 6,70 Kanadische Dollar stieg der Kurs der Hydrogenics Corp. Der Hersteller von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik aus Toronto hatte mehrere Aufträge gemeldet, darunter vom US-amerikanischen Militär. FuelCell Energy Inc. aus den USA verteuerten sich um zehn Prozent auf 15,87 Dollar.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG meldete die Ergebnisse des ersten Quartals. Die Umsätze stiegen um vier Prozent auf 8,6 Millionen Euro, der EBIT-Verlust konnte auf minus 2,0 Millionen Euro (Vorjahresquartal: minus 2,3 Millionen) reduziert werden. Der Markt in Ungarn habe sich hervorragend entwickelt, die dortigen Produktionsstätten seien stark ausgelastet worden. In dem osteuropäischen Land würden nun 80 Prozent der Umsätze getätigt. Der Auftragseingang habe sich verdreifacht. Der Vorstand wies auf die eingeschränkte Aussagekraft des ersten Quartals hin, da auf dieses saisonbedingt nur zehn bis 15 Prozent der Geschäftstätigkeit des Gesamtjahres entfielen. SW Umwelttechnik verteuerten sich in Wien um elf Prozent auf 27,75 Euro.

Die Mayr-Melnhof Karton AG expandiert in Polen und Rumänien. Der Karton- und Faltschachtelhersteller aus Österreich hat nach eigenen Angaben das polnische Faltschachtelwerk Poligram SP.J mit einem Jahresumsatz von rund neun Millionen Euro erworben. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Des weiteren habe die rumänische Tochtergesellschaft MM Packaging Romania S.A. den Konkurrenten Rodata S.A. übernommen, hieß es. Mayr-Melnhof gaben vier Prozent auf 98,20 Euro nach.

Tomra Systems ASA aus Norwegen gab bekannt, dass die Anteile an der Wise Metals Group verkauft wurden, einem US-amerikanischen Hersteller von Aluminium-Getränkedosen. Dem Automatenhersteller fließe damit im laufenden zweiten Quartal ein Gewinn von acht Millionen Dollar zu. Nach Steuern betrage der Gewinn 4,8 Millionen Dollar. Die Aktie verlor sieben Prozent auf 27 Norwegische Kronen.

Die Transmeta Corp., ein Hersteller stromsparsamer Mikroprozessoren aus Santa Clara (USA), verstärkt ihre Expansion in Asien. In China und Korea seien neue Büros eröffnet worden. Sie sollen fernöstliche OEM- und ODM-Partner bei der Entwicklung neuer Anwendungen unterstützen, die auf Transmetas Efficeon- und Crusoe-Prozessoren beruhen. Transmeta-Aktien stiegen um sechs Prozent auf 2,18 Dollar.

Ein kräftiger Kurszuwachs war bei der US-amerikanischen Interface Inc. zu beobachten: Die Aktie des Herstellers von Fußbodenbelägen verteuerte sich um 13 Prozent auf sieben Dollar. Natural Alternatives International Inc. sanken um 14 Prozent auf 10,97 Dollar. Die Aktie des US-amerikanischen Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln war zuvor stark gestiegen.



Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Masterflex AG (ISIN DE0005492938 / WKN 549293)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Phönix SonnenStrom AG (unnotiert, ISIN DE0005309603 / WKN 530960)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)



Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.


Bildnachweis: Solarkraftwerk auf dem Dach der Messe München / Quelle: Phönix Sonnnenstrom AG; Solarkraftwerk der SolarWorld AG in Bonn / Quelle: Unternehmen; Multikristalline Solarzelle / Quelle : Sunways AG; Pfandrücknahmeautomat T710 / Quelle: Tomra Systems ASA
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