01.06.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.6.2006: "Unsere Stärken liegen in der Erfahrung und dem Know how auf allen Feldern der Photovoltaik" - ECOreporter.de-Interview mit Wolfgang Wismeth, Vorstand der Sunline AG

Seit dem 20. Oktober 2005 ist die Fürther Sunline AG börsennotiert. Der Systemanbieter für Solartechnik platzierte 1,7 Millionen Aktien zum Festpreis von 5,30 Euro je Stück. Die Anteilscheine werden im Freiverkehr der Börsen München (Mittelstandssegment M:access), Frankfurt am Main und Berlin-Bremen notiert. Wie hat sich das Unternehmen seit dem IPO entwickelt, wie sind die Zukunftsaussichten der Gesellschaft? ECOreporter.de sprach darüber mit Wolfgang Wismeth, Unternehmensgründer, Hauptaktionär und Vorstand der Sunline AG.


ECOreporter.de: Herr Wismeth, würden Sie unseren Lesern die Struktur Ihres Unternehmens erläutern? Welche Geschäftsbereiche sind derzeit besonders ertragreich ("cash-cows"), wo liegen zukünftige Wachstumsmärkte und chancenreiche neue Geschäftsfelder?
Wolfgang Wismeth: Unser Kerngeschäft ist die Photovoltaik. Hier unterscheiden wir zwischen dem sogenannten "Netzgeschäft" d.h. Anlagenbau und Verkauf von Photovoltaikanlagen für den Netzparallelbetrieb und den sogenannten "Insel- und Consumerbereich". In beiden Bereichen sind wir seit Beginn dieser Geschäftsfelder tätig. Gestartet wurde in unserem Unternehmen mit dem Geschäft für Inselanlagen. Der Verkauf von Netzanlagen begann Anfang der 90-er Jahre. Derzeit ist das Netzanlagengeschäft der Hauptumsatzträger und wird es voraussichtlich in den nächsten Jahren auch bleiben. Das Geschäft mit sogenannten "Inselanlagen" ist zwar etwas ertragreicher, erreicht aber bei weitem nicht das Volumen des Geschäfts mit den Netzanlagen. Wachstumspotentiale liegen in beiden Bereichen. Im Netzgeschäft deshalb besonders, weil viele Länder das deutsche Energie-Einspeise-Gesetz mehr oder weniger nachahmen. Das Geschäft mit Inselanlagen und Consumerprodukten ist ebenfalls wachstumsstark, vor allem vor dem Hintergrund, dass Milliarden von Menschen noch ohne jegliche Stromversorgung leben.


ECOreporter.de: Der Finanzmarkt hat nach dem erfolgreichen IPO der Sunline AG im Oktober 2005 eine Erweiterung der Führungsriege eingefordert. Darauf haben Sie reagiert, was genau hat sich verändert, was wird sich in den kommenden Monaten verändern?
Wismeth: Die Führungsriege der Sunline AG wurde erweitert. Seit dem 1. März 2006 ist Michael Schatz als Vorstand für den Vertrieb tätig und verantwortlich. Er bringt eine mehr als 20jährige Konzernerfahrung mit und ist sehr erfolgreich seit fast 20 Jahren im Bereich Solarthermie tätig.
Wir gehen davon aus, dass wir in Kürze den Finanzbereich stärken können. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir weitere Angaben hierzu erst machen können, wenn die Sache spruchreif ist.


ECOreporter.de: Im Geschäftsjahr 2005 sei der Unternehmenserfolg unter anderem durch "beschaffungsseitige Engpässe" geschmälert worden, meldeten Sie. Ein Problem, das viele Solarunternehmen betrifft. Wie will die Sunline AG die Versorgung mit genügend Solarmodulen in den nächsten Jahren sicherstellen?
Wismeth: Die Engpässe konnten durch die Kapitalzufuhr mit dem Börsengang weiter geschmälert werden und es wurden mit den bisherigen Lieferanten für das Jahr 2006 bestimmte Mengen vereinbart, sodass das Umsatzziel 2006 erreicht werden kann. Die Sunline AG ist derzeit dabei, für die kommenden Jahre entsprechende Vereinbarungen zu treffen.


ECOreporter.de: Arbeiten Sie auch mit Dünnschichtsolarzellen?
Wismeth: Die Sunline AG hat seit vielen Jahren Erfahrung mit Dünnschichtmodulen. Diese werden aufgrund der relativ geringen Leistungsdichte nur im Consumer- und Inselmarkt eingesetzt. Wir sind etwas zurückhaltend, diese Module auch für Netzanlagen zu verwenden, weil eine Langzeitfelderfahrung noch nicht vorhanden ist.


ECOreporter.de: Aufgrund von "außerordentlichen IPO-Aufwendungen" konnten laut Ihren Angaben die eigenen Umsatz- und Ertragsplanungen 2005 nicht vollständig erreicht werden. Wie sind Ihre Wachstumspläne für die kommenden drei bis fünf Jahre?
Wismeth: Kennzahlen möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Wir werden uns hierzu im Rahmen der Hauptversammlung am 24. Juli oder gegebenenfalls früher etwas konkreter äußern. Dies hängt damit zusammen, dass wir derzeit einige Wachstumspläne in bestimmten Bereichen, die ich im Moment noch nicht nennen kann, ausloten und diese überprüfen. Wir werden, wie wir im Rahmen des IPOs auch gesagt hatten, in unserem Kerngeschäft, der Photovoltaik, kontrolliert auch im Ausland wachsen.


ECOreporter.de: Wie entwickeln sich die in der Vergangenheit sehr geringen Auslandsaktivitäten der Sunline AG?
Wismeth: Die Auslandsaktivitäten werden zunächst auf dem italienischen und den spanischen Markt liegen, wobei Italien einen Schwerpunkt bilden wird.


ECOreporter.de: Der Free-Float der Sunline-Aktie liegt aktuell bei knapp 28 Prozent. Für institutionelle Investoren stellt das ein Hindernis dar, weil sie nur hinreichend liquide Papiere kaufen dürfen. Auf der anderen Seite benötigt Ihr Unternehmen für weiteres Wachstum zusätzliche Kapitalmittel. Sind Kapitalerhöhungen geplant?
Wismeth: Natürlich möchten wir auch institutionelle Investoren für unsere Aktien gewinnen. Die Finanzierung des Wachstums soll immer auch in gesunden Bilanzrelationen, das heißt in einer vernünftigen Eigenkapital- bzw. Fremdkapitalquote dargestellt werden. Sicherlich planen wir weiteres Wachstum, dafür werden auch zusätzliche Kapitalmittel nötig sein. Konkrete Kapitalerhöhungen sind aktuell nicht geplant. Die Wachstumsfinanzierung und die damit zusammenhängenden Fragen sind auch Gegenstand unserer Planungen.


ECOreporter.de: Werden Sie selbst Ihre Aktien der Sunline AG auch langfristig halten?
Wismeth: Ich habe stets gesagt, dass ich an die Erfolgsgeschichte der Sunline AG glaube und habe deswegen auch beim Börsengang der Sunline AG nicht "Kasse" gemacht. Umplatzierungen sind derzeit nicht geplant, im übrigen habe ich mich freiwillig einer Lock-up-Vereinbarung gemäß den Darstellungen im Börsenprospekt unterworfen. Um die Aktien für die Anlieger interessanter und liquider zu machen, beabsichtigen wir auch den Investor-Relations-Bereich in Kürze zu stärken.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie die besonderen Stärken und Kompetenzen Ihres Unternehmens?
Wismeth: Die Stärken unseres Unternehmens liegen in der Erfahrung und dem Know-how auf allen Feldern der Photovoltaik. Dieses Know-how werden wir in weiteren Projektgeschäften, Insel- und Consumergeschäften sowie in den Vertrieb von Netzanlagen konzentrieren. Eine große Stärke sind unsere langjährigen guten Kunden- und Lieferantenbeziehungen.


ECOreporter.de: Herr Wismeth, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Wolfgang Wismeth; solare Gartenleuchte "Cube" der Sunline AG; Vakuumröhre eines solarthermischen Röhrenkollektors / Quelle: Unternehmen

Sunline AG: ISIN DE000A0BMP00 / WKN A0BMP0
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