16.02.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

16.2.2004: Wochenrückblick: Wandelanleihe statt Kapitalerhöhung: Plambeck will 23,5 Millionen Euro einsammeln - Sonnige Zeiten für Solaraktien - Tomra erhöht Dividende

Der Seitwärtstrend der Aktienindizes setzte sich in der vergangenen Woche fort. Nennenswerte Veränderungen zeigten allenfalls der MDAX mit plus zwei Prozent und der TecDAX, der um drei Prozent kletterte. Der Euro verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1,274 US-Dollar. Indizes und vor allem der Wechselkurs verhielten sich zum Ende der Woche recht volatil. Ursache dafür könnten Konjunkturmeldungen aus den USA gewesen sein, die von den Marktteilnehmern unterschiedlich interpretiert wurden. So stieg beispielsweise das US-amerikanische Handelsbilanzdefizit unerwartet stark an, was auf höhere Importpreise und auf die starke Ausweitung der Öleinfuhren zurückgeführt wurde. Manche Teilnehmer betrachten diese Statistiken als Zeichen für den Aufschwung. Andere sehen darin Vorboten auf Schwierigkeiten, mit denen die größte Volkswirtschaft der Welt künftig zu kämpfen haben könnte.

Die Schweizer Bank Sarasin & Cie hat 27 OECD-Staaten in einer Länderstudie zur Nachhaltigkeit untersucht. Schweden und Norwegen erwiesen sich der Studie zufolge als führend, Deutschland erhielt einen Platz im Mittelfeld. Angesichts von "Rekordverschuldung, sprunghafter Erosion des Sozialstaates und erkennbaren Anzeichen sozialer Fragmentierung in Deutschland" biete es sich an, von den nordischen Ländern zu lernen, so Sarasin. Die Ergebnisse des Länderratings für die Länder Deutschland, Schweden und Norwegen sollen in den nächsten Tagen auf ECOreporter.de veröffentlicht werden.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums haben sich die energiebedingten CO2-Emissionen der deutschen Wirtschaft in der Zeit von 2000 bis 2002 erhöht. Die Wirtschaft sei damit ihrer Selbstverpflichtung nicht nachgekommen, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases zu verringern. Der Streit um die künftigen Emissionsrechte hat sich unterdessen verschärft. Presseberichten zufolge haben die Wirtschaftsvertreter die Gespräche mit der Regierung abgebrochen. Umweltverbände nannten das Verhalten der Industrieverbände "durchschaubare Krokodilstränen". Der Emissionshandel sei keine Wachstumsbremse - es komme darauf an, was wie wächst. Wenn sich die Industrie mit ihren Vorstellungen durchsetze, habe letztlich die Bevölkerung die Kosten für den Klimaschutz zu tragen. Emissionsrechte und Emissionsrechtshandel werden nach übereinstimmender Auffassung mit darüber entscheiden, in welche Technologien künftig investiert wird.

Die Deutsche Bahn AG hat ihr "Klimaschutzprogramm 2020" vorgestellt. Das Verkehrsunternehmen verpflichtet sich darin, seinen spezifischen (auf die Verkehrsleistung bezogenen) Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 15 Prozent zu senken. Stefan Garber, Generalbevollmächtigter für Technik und Beschaffung der Bahn, rechnete vor, dass ein ICE 3 bereits heute umgerechnet weniger als zwei Liter Benzin pro Person und 100 Kilometer verbrauche. Davon könnten die Wettbewerber auf der Straße nur träumen, meinte Garber. Im Jahr 2002 bezog die Bahn nach eigenen Angaben 13 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen. Diesen Anteil will sie weiter steigern.

Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland hat unterdessen darauf hingewiesen, dass bereits 1.500 Arbeitnehmer in Kurzarbeit seien. Infolge der fehlenden Einnahmen aus der Lkw-Maut sei es zu Vergabestopps und Stornierungen bei den Bestellungen der Deutschen Bahn gekommen. Nach Angaben des Verbandes ist jeder zehnte der über 40.000 Arbeitsplätze in der Branche gefährdet. Analysten des Bankhauses Lampe haben vor diesem Hintergrund die Aktie des Schienenfahrzeugtechnik-Herstellers Vossloh AG neu bewertet. Trotz der schwierigen Bedingungen habe sich der faire Wert der Aktie auf 48 Euro erhöht, schrieben die Analysten. Sie empfahlen den Anlegern, die Vossloh-Papiere zu "halten". Diese zogen leicht auf 46,15 Euro an.

Die Plambeck Neue Energien AG wird Wandelanleihen mit einem rechnerischen Gesamtnennbetrag von 23,5 Millionen Euro ausgeben. Der Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Vorstandsbeschluss zugestimmt, teilte der Windparkprojektierer aus Cuxhaven mit. Die Anleihe werde mit sechs Prozent verzinst und habe eine Laufzeit bis zum 14. März 2009. Nach Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung 2005 könne sie erstmals in Aktien gewandelt werden. Das Papier soll den Aktionären vom 23. Februar 2004 bis 8. März 2004 zum Kauf angeboten werden. Das Bezugsverhältnis lautet 2:1, der Bezugspreis 2,50 Euro. Nicht gezeichnete Schuldverschreibungen will das Unternehmen bei institutionellen Investoren platzieren. Die eingeworbenen Mittel sollten für die Realisierung von Windparkprojekten in Deutschland sowie die weitere Entwicklung von Projekten in Frankreich und auf See eingesetzt werden, hieß es. Plambeck legten an der Frankfurter Börse fünf Prozent auf 2,44 Euro zu.

Der Tondachziegelhersteller Creaton AG hat nach eigenen Angaben ein Werk für keramische Spezialprodukte in Weroth bei Koblenz erworben. Der Standort soll in den nächsten Monaten zu einem "Kompetenzzentrum für keramische Premiumprodukte" im Produktbereich Fassadenelemente ausgebaut werden. Insgesamt würden 2,5 Millionen Euro investiert. Nach Aussage von Finanzvorstand Karsten Schüssler soll das Tondachziegelgeschäft mit einem Umsatzanteil von über 90 Prozent jedoch weiterhin die Kernkompetenz des Unternehmens aus Wertingen bleiben. Creaton legten zwei Prozent auf 15,40 Euro zu.

Die deutsche Bauindustrie erwartet für das laufende Jahr einen erneuten Umsatzrückgang um 1,5 Prozent. Damit solle der Tiefpunkt erreicht sein. Ab dem kommenden Jahr zeichne sich das Ende der 1995 begonnenen Talfahrt im deutschen Bauhauptgewerbe ab, sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Tomra Systems ASA aus Norwegen legte den Jahresabschluss vor. Der Hersteller von Rücknahmeautomaten für Getränkeverpackungen meldete Umsätze von 2,463 Milliarden Norwegischen Kronen, nach 2,667 Milliarden im vergangenen Jahr und 2,592 Milliarden im Jahr 2001. Der Nettogewinn belief sich auf 163 Millionen oder 0,81 Kronen pro Aktie, nach zuvor 280 Millionen. Der Gewinn ist nach Unternehmensangaben von den Einmalkosten der Betriebsschließung in Finnland beeinflusst, die wie angekündigt mit 35 Millionen Kronen im vierten Quartal zu Buche schlugen. Diese Maßnahme soll im laufenden Quartal abgeschlossen werden und danach jährliche Einsparungen von 25 bis 30 Millionen Kronen bringen. Der Umsatz in Deutschland habe sich im vierten Quartal auf 113 Millionen Kronen fast verdoppelt. Tomra führt das darauf zurück, dass viele Händler Einwegverpackungen ausgelistet haben und statt dessen nur noch Mehrweg verkaufen. So entstand hoher Bedarf an Rücknahmeautomaten für Mehrwegflaschen, von denen zwischen Oktober und Dezember rund 450 Stück installiert worden seien. Aber auch cirka 100 Automaten für die Rücknahme von Einwegverpackungen wurden in Deutschland aufgestellt. Bei mehreren Handelsketten würden derzeit Tests mit verbesserter Tomra-Technik laufen, die auch die sogenannten Inselsysteme unterstütze. In den USA sind die Norweger von Streiks und Aussperrungen in den großen Handelsketten betroffen. In Südamerika ist das Unternehmen von der schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage betroffen, dort liegen den Angaben zufolge gegenwärtig alle Expansionspläne auf Eis. Insgesamt zeigte sich der Tomra-Vorstand mit den Ergebnissen zufrieden. Er wird der Hauptversammlung eine auf 0,30 Kronen erhöhte Dividende (Vorjahr: 0,25 Kronen) vorschlagen. Tomra stiegen in Oslo um zwei Prozent auf 45,90 Kronen.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG berichtete über ein Projekt zur Sanierung kontaminierten Grundwassers in der Lobau/Donau bei Wien. Es kämen Ölabscheider und Aktivkohlefilterschächte der SW Umwelttechnik AG zum Einsatz. Das Klagenfurter Unternehmen sieht sich im Marktsegment Ölabscheider als Marktführer in Österreich und will diese Produkte in Zukunft verstärkt in den neuen EU-Mitgliedsländern vertreiben. Die Aktie notierte in Wien unverändert bei 21 Euro.

Fred Kindle, CEO des Schweizer Sulzer-Konzerns, sagte gegenüber der in Zürich erscheinenden HandelsZeitung, 2004 werde ein entscheidendes Jahr für die Konzernsparte Sulzer Hexis sein. Hexis werde mit der nächsten Systemgeneration aufzeigen müssen, dass das Produkt auch technisch einwandfrei funktioniere. Die Energieversorgungsunternehmen als Kunden wollten Hexis-Produkte "sobald die Kosten stimmen", sagte Kindle. Die von Sulzer Hexis hergestellten Brennstoffzellengeräte sollen als Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Wohnungen eingesetzt werden. Zur Zeit durchläuft die erste Serie verschiedene Tests. Sulzer-Aktien gaben in der vergangenen Woche in Zürich vier Prozent auf 313 Schweizer Franken ab.

Einer Meldung der kanadischen Hydrogenics Corp. zufolge ist die Mehrzuteilungsoption der kürzlich abgeschlossenen Kapitalerhöhung zum Teil ausgeübt worden. Dem Hersteller von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Systemen seien damit weitere rund zwei Millionen US-Dollar zugeflossen. Hydrogenics verteuerten sich um sechs Prozent auf 8,01 Kanadische Dollar.

Stericycle Inc., US-amerikanischer Spezialist für die Entsorgung medizinischer Abfälle, meldete für das abgeschlossene Geschäftsjahr Umsätze von 453,2 Millionen Dollar, 12,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie stieg um 41 Prozent auf 1,43 Dollar. Im vierten Quartal seien die Bankverbindlichkeiten stark abgebaut worden, hieß es, zudem seien eigene Aktien im Wert von 13,2 Millionen Dollar zurückgekauft worden. Der Kurs stieg um fünf Prozent auf 47,94 Dollar.

Die Lebensmittelkette Whole Foods Market Inc. konnte die Umsätze im abgelaufenen ersten Quartal um 21 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar steigern. Laut Unternehmensangaben führten die Arbeitskämpfe im Süden der USA zu Umsatzsteigerungen in den eigenen Geschäften. Der Nettogewinn kletterte auf 38,7 Millionen Dollar. Das seien 51 Prozent mehr als im ersten Quartal des Vorjahres, die Zahlen seien aufgrund von Sondereffekten im Vorjahresquartal allerdings nur bedingt vergleichbar. Dennoch sei das abgelaufene Quartal eines der besten in der 23jährigen Unternehmensgeschichte, kommentierte CEO und Gründer John Mackey. Der Aktie brachten die guten Nachrichten ein Plus von vier Prozent auf 74,50 Dollar.

Für Anteilseigner deutscher Solar-Unternehmen verlief die vergangene Woche erfreulich. Der Kurs der Bonner SolarWorld AG stieg kräftig auf 17,50 Euro - ein Zuwachs um 27 Prozent. Die Papiere der Berliner Solon AG verteuerten sich um 21 Prozent auf 3,47 Euro, wobei mit durchschnittlich 3.800 Aktien am Tag auch nennenswerte Umsätze zu beobachten waren. Sunways AG (Konstanz) kletterten um neun Prozent, Solar-Fabrik AG (Freiburg) um acht Prozent.

Einen Kursschub um elf Prozent erfuhr der Windparkprojektierer Energiekontor AG aus Bremen. In den USA fielen Capstone Turbine Corp. mit einem Plus von 19 Prozent auf. Die Schweizer Precious Woods AG legte acht Prozent auf 74 Schweizer Franken zu, ein für diese Aktie ungewöhnlicher Kursanstieg.

Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)
Creaton AG (ISIN DE0005483036 / WKN 548303)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
Precious Woods AG (ISIN CH0013283368)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stericycle Inc. (ISIN US8589121081 / WKN 902518)
Sulzer AG (ISIN CH0002376454 / WKN 854367)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
Whole Foods Market Inc. (ISIN US9668371068 / WKN 886391)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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