16.02.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

16.2.2007: "Wir wollen unter die Top Ten der Solarzellenhersteller weltweit kommen." - ECOreporter.de-Interview mit Ersol-Vorstandschef Claus Beneking

Nach einer eher durchwachsenen Performance im Jahr 2006 hat die Aktie des Erfurter Solarzellenherstellers ErSol Solar Energy AG in den letzten Wochen stark zugelegt. Im ECOreporter.de-Interview nimmt Claus Beneking, Vorstandsvorsitzender des TecDax-Unternehmens, unter anderem Stellung zu den Lieferschwierigkeiten im vergangenen Jahr, zu Plänen und Zielen von Ersol und erläutert, warum sie auf die Dünnschichttechnologie setzt.


ECOreporter.de: Wird die ErSol Solar Energy AG ihre Prognosen für das Gesamtjahr von 120 bis 125 Millionen Euro Umsatz und einem operativen Ergebnis im Bereich zwischen 20 und 23 Millionen Euro erfüllen?
Claus Beneking: Wir setzen alles daran, die Prognose zu erreichen. Zurzeit werden unsere Zahlen von den Wirtschaftsprüfern geprüft. Genaueres können wir bei der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2006 sagen, die für den 27. Februar 2007 geplant ist. Zu diesem Zeitpunkt werden wir auch die Prognose für das Geschäftsjahr 2007 bekannt geben.

ECOreporter.de: Warum werden die ursprünglichen Prognosen für EBIT und EBIT-Marge nicht erreicht? Wie wollen Sie dafür ursächlichen Probleme beheben bzw. vermeiden, dass sich solches in der Zukunft wiederholt?
Claus Beneking: Trotz vertraglich vereinbarter Liefermengen konnte im zweiten Halbjahr 2006 aufgrund unterplanmäßiger Belieferung durch externe Wafer-Hersteller das Ergebnis nur moderat wachsen. Zur partiellen Kompensation der geringeren multikristallinen Wafer-Mengen konnte ErSol zwar zusätzlichen Rohstoff aus dem Unternehmensbereich Silizium einsteuern, dies jedoch nur zu höheren (Markt-)Preisen. Dies hatte Auswirkungen auf das Ergebnis.
Das Risiko einer weiteren unterplanmäßigen Rohstoffversorgung aus kurzfristigen Liefervereinbarungen wird ErSol sukzessive durch verlässlichere Langfristverträge verringern. Schon in 2007 wird ein größerer Anteil der Wafer- und Siliziummengen aus solchen Geschäftsbeziehungen stammen, in 2008 und den Folgejahren sogar etwa 80 Prozent.
Weiteren Einfluss auf das geringer als erwartete Ergebnis haben aber auch die vorgezogenen Kapazitätserweiterungen der ErSol Gruppe. Zusätzliche Anlaufkosten für die Dünnschicht-Fertigung und weitere Investitionen im kristallinen Bereich fielen bereits in diesem Jahr an, ermöglichen jedoch andererseits u.a. einen schnelleren Einstieg in die Dünnschicht-Produktion.

ECOreporter.de: Welche Pläne und Ziele verfolgen Sie mit der ErSol Solar Energy AG für die nahe, welche für die weitere Zukunft?
Claus Beneking: Die ErSol Gruppe befindet sich in einem Wachstumsprozess, der von umfangreichen Kapazitätserweiterungen bei laufender Produktion bestimmt ist. In naher Zukunft liegt die Hauptaufgabe weiterhin beim Management des Ausbaus der Kapazitäten, der parallel an drei Standorten gleichzeitig stattfindet. Nominalkapazitäten von 220 MWp im kristallinen Bereich und von 40 MWp in der Dünnschicht-Technologie bis Ende 2008 wird zu einem starken Umsatzwachstum bei gleichzeitig höherer EBIT-Marge und einer deutlichen Verbesserung unserer Marktposition in der Photovoltaik-Industrie führen.
Auch in der weiteren Zukunft möchte ErSol schneller wachsen als der Markt. Wir planen, bis 2010 eine Nominalkapazität von 400 MWp zu erreichen. Unser erklärtes Ziel ist dabei, unter die Top Ten der Solarzellenhersteller weltweit zu kommen.

ECOreporter.de: Inwiefern ist geplant, über den Kapitalmarkt Mittel zur Finanzierung weiteren Wachstums zu bekommen?
Claus Beneking: Unser geplantes Wachstum ist bis 2008 - 220 MWp kristalline Technologie, 40 MWp Dünnschicht-Technologie - finanziert. Für den weiteren Ausbau ist die Finanzierung mit Hilfe des Kapitalmarktes eine von mehreren Optionen.

ECOreporter.de: Die Performance der Aktie der ErSol Solar Energy AG war 2006 zwar positiv, lag aber deutlich unter der des TecDax, in dem sie geführt wird. Wie ist das zu erklären?
Claus Beneking: Obwohl ErSol immer offen erklärt hat, dass die Jahre 2006 und 2007 hinsichtlich Ergebniswachstum nicht zuletzt wegen der nicht zu 100 Prozent gesicherten Rohstofflieferungen schwierig sein werden, schienen die Anleger dennoch enttäuscht. Mittlerweile ist es uns gelungen, dem Markt zu erklären, dass für ErSol 2008 das große, wichtige Jahr sein wird. Ab dann werden wir unsere Kapazitäten, aus heutiger Perspektive nahezu vervierfacht und die Rohstoffe zu einem sehr hohen Anteil gesichert haben.

ECOreporter.de: Mit welcher Performance der ErSol Aktie rechnen Sie für 2007 und warum?
Claus Beneking: Wir sehen seit Anfang des Jahres einen anhaltenden Aufwärtstrend unserer Aktie. Die zahlreichen Gespräche mit Investoren und Analysten zeigen jetzt ihre Wirkung. Es wurde erkannt, dass in der ErSol Aktie aufgrund des gesicherten Ausbaus mehr Fantasie steckt als in den Aktien so mancher Branchenwerte.

ECOreporter.de: Mit der Gründung der ErSol Thin Film GmbH ist die ErSol Gruppe im vergangenen Jahr in die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Solarzellen in Dünnschichttechnologie eingestiegen. Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt, wie kam es dazu?
Claus Beneking: Die amorphe Dünnschicht-Technologie ist eine zur kristallinen Silizium-Solarzellenfertigung additive Lösung. Wir gehen davon aus, dass Silizium auch in den nächsten drei bis vier Jahren ein knappes Gut sein wird. Die Dünnschicht ist für ErSol eine von der Siliziumverfügbarkeit nahezu unabhängige Wachstumsoption. Wir sind von diesem Schritt überzeugt. Mit der vorgezogenen Kapazitätserweiterung wird bereits Ende 2007 eine Nominalkapazität von 40 MWp ermöglicht. ErSol trägt damit der sich schon heute abzeichnenden sehr hohen Kundennachfrage für Dünnschicht-Produkte in den kommenden Jahren Rechnung.

ECOreporter.de: Inwiefern ist es ein Risiko, auf diese noch recht unerprobte Technologie zu setzen?
Claus Beneking: Wir haben mit dem Schweizer Anlagenhersteller Oerlikon Solar einen erfahrenen Kooperationspartner gewonnen. Da die gemeinsame Entwicklung von Meilensteinen abhängig sein wird, sehen wir uns in einer sehr komfortablen Lage, sollten doch unvorhergesehene Probleme auftreten. Wir rechnen jedoch stark damit, dass bereits in diesem Sommer die ersten Module vom Band laufen werden.

ECOreporter.de: Die ErSol will also früher als ursprünglich vorgesehen bei der Dünnschichttechnologie eine Nominalkapazität von 40 MWp erreichen. Wie ist das zu erklären?
Claus Beneking: Wie schon erwähnt haben wir mit Oerlikon Solar einen sehr vertrauensvollen und kompetenten Partner gefunden. Da Oerlikon Solar seinen Lieferverpflichtungen früher als geplant nachkommen wird, können 40 MWp bereits in diesem Jahr erreicht werden.

ECOreporter.de: Es gab in den letzten Monaten einige Umbesetzungen in der Führung der ErSol Solar Energy AG. Was waren die Hintergründe, inwiefern wird sich dies auf die geschäftliche Entwicklung auswirken?
Claus Beneking: Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen von unserem bisherigen Finanzvorstand, Frank Müllejans, getrennt. Wir sind sehr froh, mit Ekhard von Dewitz einen erfahrenen Mann aus der Solarbranche gewonnen zu haben. Er wird uns tatkräftig bei der Umsetzung unserer ehrgeizigen Pläne unterstützen. Die noch ganz frische Zusammenarbeit klappt bereits hervorragend.

ECOreporter.de: Herr Beneking, wir danken Ihnen für das Gespräch.


ErSol Solar Energy AG: ISIN DE0006627532 / WKN 662753

Bildhinweis: Dr. Claus Beneking, Vorstandsvorsitzender der ErSol Solar Energy AG; Solarmodul von Ersol / Quelle: Unternehmen
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